Beratung im Laden – Kauf im Internet
Servicegebühr ist eine gute Idee – aber nicht in Metelen

Metelen -

Im Laden nur beraten lassen und im Internet kaufen? Das finden auch die heimischen Geschäftsinhaber nicht gut. Eine Beratungsgebühr, wie sie jetzt ein Kinderkaufhaus in Münster eingeführt hat, können sie sich Metelen aber dennoch nicht vorstellen.

Dienstag, 22.08.2017, 05:00 Uhr
Gut beraten? Wer zwar die Fachkompetenz der Geschäfte in Anspruch nimmt, um sich zu informieren, die Produkte dann aber per Klick im Internet bestellt, nimmt in Kauf, dass es immer weniger Läden vor Ort gibt, die einen beraten können.
Gut beraten? Wer zwar die Fachkompetenz der Geschäfte in Anspruch nimmt, um sich zu informieren, die Produkte dann aber per Klick im Internet bestellt, nimmt in Kauf, dass es immer weniger Läden vor Ort gibt, die einen beraten können. Foto: dpa

Diese Nachricht hat hohe Wellen geschlagen und eine heftige Diskussion ausgelöst: Weil die Inhaber des Kinderkaufhauses Mukk in Münster die Nase davon voll hatten, dass viele Kunden sich zwar im Laden ausführlich informieren lassen, dann aber im Internet kaufen, haben sie für die Beratung zu bestimmten Artikeln eine Servicegebühr von 25 Euro eingeführt. Die wird verrechnet, wenn letztlich auch vor Ort gekauft wird. Für eine gute Idee halten das auch die Metelener Geschäftsleute in einer Umfrage dieser Zeitung – sehen sie hier aber nicht als umsetzbar an.

„Als ich abends im Fernsehen die Nachricht aus Münster gesehen habe, war mein erster Gedanke gleich: Die machen das genau richtig“, meint Antoinette Tietmeyer-Beuting, Inhaberin des Porzellan- und Haushaltswarenladens Tietmeyer. Kfz-Werkstätten beispielsweise würden schließlich für einen Kostenvoranschlag auch eine Gebühr nehmen, die verrechnet werde, wenn die Reparatur anschließend im Haus erfolge. Auch sie hat die Erfahrungen der Kollegen aus Münster gemacht: „Da kommen immer wieder Leute, die mit dem Handy durch den Laden laufen und Artikelnummern abfotografieren, um dann wahrscheinlich im Internet zu bestellen“, berichtet sie. Erst kürzlich habe sie jemanden zehn Minuten lang ausführlich zu einer Bratpfanne beraten. „Den habe ich danach nie wieder gesehen“, erzählt sie und kann sich ausmalen, was geschehen ist.

Für ihr eigenes Geschäft kann sich Tietmeyer-Beuting eine Service-Gebühr allerdings nicht vorstellen. „In der Stadt ist das leichter. Wir sind einfach zu klein dafür. Da würden die Kunden wegbleiben“, befürchtet sie. Dass das Beispiel aus Münster eine Diskussion um das Thema Online-Shopping entfacht hat, begrüßt sie jedoch ausdrücklich. „Es ist gut, wenn sich die Leute mal Gedanken darüber machen, dass Geschäfte schließlich Mieten und Personal bezahlen müssen.“ Das funktioniere nicht, wenn man Kunden nur kostenlos berate.

Für kleine Geschäfte wird es schwieriger

„Für bestimmte Marktsegmente ist so eine Gebühr sicherlich sinnvoll – beispielsweise Technik und Foto, wo zum Teil eine sehr intensive Beratung gewünscht und nötig ist“, sagt Ingo Wesseler vom Modehaus Wesseler. „Im Textilbereich hätte man mit einer Servicegebühr aber keine realistische Chance“, ist er überzeugt. Dass jemand im Geschäft eine Hose anprobiere und sie dann im Internet bestelle, sei eben nicht zu verhindern. Wesseler hat zudem für beide Seiten Verständnis: „Wir betreiben ja neben dem Geschäft selbst noch einen Online-Shop für Textilien.“

„Wir machen hier auch manchmal die Erfahrung, dass Leute sich im Laden zwar beraten lassen, das Produkt dann aber wohl im Internet kaufen“, sagt Elisabeth Hillmann-Zutelgte, Inhaberin des Schuhhauses Hillmann. Tornister für Erstklässler habe man deshalb aus dem Sortiment genommen, da der Aufwand für die Beratungen in keinem Verhältnis mehr zum Verkauf gestanden habe. Die Idee einer Servicegebühr, wie sie das Geschäft in Münster eingeführt hat, hält auch Hillmann-Zutelgte zwar grundsätzlich für gut. „Für einen kleinen Ort wie Metelen ist das aber nicht geeignet“, sagt auch sie und setzt darauf, die Kunden durch gute Beratung weiterhin vor Ort zu halten. Die Ladeninhaberin möchte die Menschen zudem dafür sensibilisieren, darüber nachzudenken, wie teils günstigere Preise im Internet zustande kämen, dass manche Online-Verkäufer Mitarbeitern noch nicht einmal Mindestlohn zahlten und verstopfte Straßen auch eine Folge davon seien, dass immer mehr Versandwaren durchs ganze Land gefahren werden müssten. Wer dagegen im Ort kaufe, stärke diesen damit auch. „Die Gewerbesteuer, die Geschäfte bezahlen, kommt ja der Gemeinde und damit wieder allen im Ort zugute“, gibt sie zu bedenken. Für kleine Geschäfte werde es aber immer schwieriger. „Von Beratung alleine können wir nicht leben, weil wir damit kein Geld verdienen.“ Niemand dürfe sich wundern, wenn es dann immer weniger Läden im Ort gebe.

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Nicht äußern möchte man sich bei Woltering Elektro. Der Elektrotechnik-Fachbetrieb schließt Ende des Monats sein Ladenlokal am Marienweg. Für Waschmaschinen, Kühlschränke und sonstige Haushaltsgeräte müssen Kunden dann in andere Orte fahren. Oder sie im Internet kaufen – ohne Beratung.

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