Feuerwehr
Erinnerungen an alte Zeiten

Metelen -

Sie ist die Gemeinschaft, in die es die Feuerwehrleute zieht, wenn sie den Blauen Rock an den Nagel hängen müssen: Die Ehrenabteilung der Wehr pflegt die Kameradschaft weiter. Bei den monatlichen Treffen werden auch Erinnerungen an längst vergangene Einsätze wach.

Samstag, 02.09.2017, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2017, 15:07 Uhr
Theo Stening stammt aus einer von der Feuerwehr begeisterten Familie. Erinnerungsfotos hängen im Mannschaftsraum des Gerätehauses und finden sich in der privaten Sammlung Stenings.
Theo Stening stammt aus einer von der Feuerwehr begeisterten Familie. Erinnerungsfotos hängen im Mannschaftsraum des Gerätehauses und finden sich in der privaten Sammlung Stenings. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Das etwas verblasste Farbfoto aus dem Jahr 1968 zeigt abgekämpfte und rußverschmierte, aber auch glückliche Männer. 20 Feuerwehrleute vor dem alten Spritzenhaus, in dem noch ein Lkw aus Vorkriegsjahren steht. Ein Bild mit großem Erinnerungswert. Denn die Wehr des Ortes hatte an diesem Tag allen Grund, stolz zu sein auf ihre Arbeit: Den Männern war es gelungen, ein Kind aus einem brennenden Bauernhaus zu retten.

Theo Stening hat das Foto mitgebracht zum Treffen im Mannschaftsraum des Gerätehauses. Eines von vielen aus seiner Sammlung, eines, auf das der Feuerwehrmann im Ruhestand besonders gerne zurückschaut. Seit 17 Jahren schon hat er den Blauen Rock an den Nagel gehängt, aber dennoch ist er – wie so viele der ehemaligen Feuerwehrleute – der Wehr im Ort verbunden. „Ich bin vielleicht so etwas wie der Vorarbeiter der Ehrabteilung“, lacht er und beschreibt die Truppe der Feuerwehr-Ruheständler, die regelmäßig im Geräte haus zusammenkommen, um die Kameradschaft, die sie während der aktiven Jahre in der Wehr so sehr geschätzt haben, weiter zu pflegen.

„Wir sitzen immer da drüben am Fester“, schaut Stening herüber zum „Stammtisch“ der altgedienten Blauröcke. „Da wird meistens über die Feuerwehr gesprochen, oft über alte Zeiten, über Einsätze, an die man sich erinnert“, so der 77-Jährige. „Gemütlich“ gehe es zu und bisweilen würden auch Ausflüge organisiert, etwa zum Flughafen Münster-Osnabrück. Und einmal im Jahr steht auch ein Treffen mit der Ehrenabteilung der Welbergener Wehr im Kalender – nächste Woche ist es wieder so weit.

Die Gespräche der monatlichen Treffen kreisen aber zumeist um die Einsätze der Vergangenheit – wie die bemerkenswerte Rettung des Kindes aus dem Bauernhaus.

Klar, dass die Kameraden im Ruhestand bei ihren Treffen auch so manche Anekdote auffrischen. Etwa jene vom Uralt-Feuerwehrauto und dem Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Besagter Lkw hatte schon 40 Jahre auf dem roten Buckel und – da er bis 1965 das einzige Fahrzeug der Wehr war – unzählige Einsätze hinter sich, als 1971 mal wieder die TÜV-Abnahme anstand. Der Oldtimer fiel allerdings gnadenlos durch, und der Prüfer beschied: „Sofort stilllegen!“. Theo Stening, der für das Fahrzeug verantwortlich war, dämmerte: „Das wird teuer.“ Also entschied er, rasch vom Hof der TÜV-Station zu fahren und das auffällige Fahrzeug über Schleichwege zurück nach Metelen zu bringen. Der TÜV-Prüfer hatte die Polizei alarmiert, doch die erwischte den maroden Feuerwehr-Brummi erst, als der schon wieder im Spritzenhaus stand. „Ich musste daraufhin zum Rapport beim Gemeindedirektor Budde“, lacht Stening noch heute über den Vorfall, denn der Dienstherr merkte nur lakonisch an: „Ich muss dir einen Verweis erteilen – aber das hast du trotzdem gut gemacht.“

Andere Zeiten waren das eben damals. Zeiten, die Theo Stening selber miterlebte oder aus den Erzählungen des Vaters kennt, der ebenfalls Feuerwehrmann war. Mit 16 trat er selber in die Wehr ein, im Jahr 1956 war das. Damals trugen die Wehrleute noch modifizierte alte Wehrmachtshelme – es war die Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders.

Stening wurde Gerätewart und zog in dieser Eigenschaft mit seiner frisch angetrauten Frau Agnes 1968 ins damalige Spritzenhaus am Mühlentor ein. „Da haben wir sieben Jahre lang gewohnt“, berichtet er über die enge Verbindung von Privatleben und ehrenamtlichem Engagement. „Die Kinder haben, wenn die Sirene ging, am Küchenfenster gesessen und das Ausrücken der Wehr verfolgt.“ Und oftmals seien dann die Menschen vorbeigekommen um zu fragen: „Wo brennt’s denn?“

Zum Thema

Die Freiwillige Feuerwehr Metelen ist immer auf der Suche nach Menschen, die noch aktiv mithelfen wollen. Ansprechpartner ist der Leiter der Feuerwert, Manfred Krude (Telefon 0 25 56 / 14 39 oder 9 87 61).

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