Luther unterwegs
Reformator-Statue reiste von Ochtrup nach Metelen

Metelen -

Die Martin-Luther-Statue zog am gestrigen Donnerstagmorgen von Ochtrup nach Metelen um. Sie steht – unter anderem anlässlich einer Gesprächsrunde zur Reformation – vor der katholischen Pfarrkirche. Vier Männer aus der Gemeinde holten die Plastik aus der Nachbarstadt. 

Freitag, 06.10.2017, 06:00 Uhr
Liegendtransport eines Weltbewegers: Die Martin-Luther-Figur wurde am Donnerstagmorgen von Mitgliedern der katholischen Pfarrgemeinde Ss. Cornelius und Cyprianus nach Metelen transportiert.
Liegendtransport eines Weltbewegers: Die Martin-Luther-Figur wurde am Donnerstagmorgen von Mitgliedern der katholischen Pfarrgemeinde Ss. Cornelius und Cyprianus nach Metelen transportiert. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Wenn das Martin Luther geahnt hätte, damals, vor 500 Jahren, als er seine Thesen an die Kirchtür in Wittenberg heftete! Was hätte er wohl gesagt, wissend, dass er ein halbes Jahrtausend später überlebensgroß direkt neben einer ebensolchen Kirchtüre eines – wohlgemerkt katholischen – Gotteshauses aufgestellt wird?

Gleiches widerfuhr jedenfalls am Donnerstagmorgen der Kunststoff-Figur, die monatelang vor der evangelischen Kirche in Ochtrup gestanden hatte und – sieht man von einem kurzen Ausflug in die dortige Fußgängerzone ab – auch stets felsenfest das Portal des dortigen Gotteshauses zierte.

Doch damit sollte es an diesem Morgen ein Ende haben. Dr. Hans-Dieter Finke ist Kirchmeister der evangelischen Kirche und die Tatsache, dass er mit einem Akkuschrauber samt 13-er Nuss anrückte, deutete bereits darauf hin, dass die Protestanten „ihren“ Luther freiwillig rausrückten.

Drei lange Gewindestandgen hielten bis dato die große Kunststofffigur an Ort und Stelle. Nachdem sie herausgedreht waren, war der Reformator in weiß startklar für die Reise. Ein Quartett aus der katholischen Pfarrgemeinde des Nachbarortes hatte sich auf den Weg gemacht, am Haken des Pkw einen soliden und vor allem großen Anhänger, den der Bauhof der Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte. Decken wurden auf dem Boden ausgebreitet, auf dass das Plastik der Plastik keinen Schaden nehme.

Diakon Ludwig Göbel, Manfred Schlüter, Josef Heyart und Mousa Nasrallah brachten die nötige Manpower mit, um den etwas sperrigen Luther auf die Ladefläche zu bugsieren. Menschen, die dem ökumenischen Gedanken, der der Aktion innewohnte, nicht so zugetan waren, hätten angesichts des nasskalten und stürmischen Wetters wohl gelästert: „Das findet Petrus aber nicht so gut“. Die Initiatoren der Aktion – nämlich die katholische Pfarrgemeinde Ss. Cornelius und Cyprianus und ihr evangelisches Pendant in Ochtrup und Metelen – wissen aber um die Symbolkraft des XXL-Luthers.

Pfarrerin Imke Philipps, die die Aktion begleitete, sieht „ihren“ Luther jedenfalls schon am Dienstag wieder, wenn sie in Metelens Pfarrzentrum „Oase“ einer Einladung der KAB, der Kolpingfamilie und der Frauengemeinschaft folgt und ab 19.30 Uhr im Rahmen eines Informations- und Gesprächsabends über das Thema Reformation spricht. Am 15. Oktober (Sonntag) ist ferner eine gemeinsame Radtour in Vorbereitung, über deren Verlauf in der kommenden Woche informiert wird. Und möglicherweise werden sich auch noch die Firmlinge mit dem Reformator beschäftigen.

Luthers Figur jedenfalls wurde in Rückenlage auf dem Trailer festgeschnallt, – Ladungssicherung war an diesem stürmischen Tag oberstes Gebot – und los ging die Fahrt hinüber in die Vechtegemeinde. Rechts neben der Türe des Südportals sollte er aufgestellt werden, so der Plan. Ein Plätzchen wurde auch schnell gefunden, frei stehend, damit die Figur auch von allen Seiten betrachtet werden kann. Doch galt es eben auch, den Monumental-Reformator wieder fest zu verankern – Windböen und Vandalen trotzend.

Die Gewindestangen indes, die den Plaste-Luther in Ochtrup noch so sicher hielten, hatten im Erdreich vor der altehrwürdigen Stiftskirche keine Chance. „Die kriegen wir hier nicht tief genug hinein“, war Josef Heyart nach ein paar beherzten Hammerschlägen gleich klar. Der Untergrund erwies sich einfach als zu steinig. Die Lösung: 30 Zentimeter lange Eisenstangen, die Ludwig Göbel in der heimischen Werkstatt eigens zurechtbog und die die Reformator-Figur jetzt fixieren.

Dessen Intermezzo in der Vechtegemeinde ist übrigens befristet. „Zum Reformationstag ist der in Ochtrup zurück“, versprach Diakon Göbel. Obwohl – vielleicht hätte sich der Reformator, 500 Jahre nachdem er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, in der Nähe des Portals eines katholischen Gotteshauses ebenfalls ganz wohl gefühlt . . .

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