Reformation
Zuversicht ersetzt die Furcht

Metelen -

Miteinander im Gespräch sein – dieses Anliegen setzten die evangelische und die katholische Kirche im Ort im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung über die Reformation und deren Folgen um.

Mittwoch, 11.10.2017, 19:00 Uhr
Luthers Wirken und die Folgen waren das Thema eines Diskussionsabends, den Pfarrerin Imke Philipps und Diakon Ludwig Göbel leiteten, und in den sich evangelische und katholische Christen intensiv einbrachten.
Luthers Wirken und die Folgen waren das Thema eines Diskussionsabends, den Pfarrerin Imke Philipps und Diakon Ludwig Göbel leiteten, und in den sich evangelische und katholische Christen intensiv einbrachten. Foto: Dorothee Zimmer

Sehr wahrscheinlich, so die Einschätzung von Pfarrerin Imke Philipps am Dienstagabend, wäre Martin Luther heute selbst überrascht von dem, was er vor 500 Jahren losgetreten hatte, als er öffentlich gegen Ämterhäufung, Ämterkauf und vor allem gegen den Ablasshandel zum Bau des teuren Petersdoms aufbegehrte. Seinerzeit spaltete er die Kirche – es war nicht das erste Mal in ihrer Geschichte.

Im Jubiläumsjahr der Reformation bemühen sich evangelische und katholische Christen besonders um eine Annäherung, woran auch Besucher beider Konfessionen beim Gesprächsabend im Pfarrzentrum Oase spürbar interessiert waren. Jesus, so erklärte Diakon Ludwig Göbel im Vorfeld seiner umfangreichen Erläuterungen zur Kirchenhistorie im Allgemeinen und zu Zeiten Luthers im Besonderen, habe schon seinen Jüngern gesagt: ‚Seid eins’. „Das heißt auf gut Deutsch: Vertragt euch!“

Philipps, die sich freute, dass Luthers Figur einen „wunderbaren Platz vor der Pfarrkirche hat“, skizzierte das Wirken des Reformators im Kontext des ausgehenden Mittelalters und setzte neueren Klischees wie solchen, Luther sei ein Wutbürger oder der erste Fundamentalist gewesen, ihre gegenteilige Sicht entgegen. Sie wolle ihn aber „nicht so sehr als Held der Vergangenheit beschwören“. Unter anderem berief sich Philipps auf den Historiker Heinz Schilling, der das Erfolgsgeheimnis Luthers weniger an der Kritik des Ablasshandels festmachte als vielmehr an dem Umstand, dass es Luther gelungen sei, die grassierende Furcht vor Gott in Zuversicht zu wandeln.

Zahlreiche Beiträge der Besucher führten zu einer angeregten Diskussion. Oft waren es eigene Erfahrungen mit der Kirche, die zur Sprache kamen. Beispielsweise sei es noch gar nicht so lange her, dass die Kirche Menschen mit der Drohung von Hölle und Fegefeuer gefügig gemacht habe. Jemand erzählte, in seiner Schulzeit habe es schlechte Noten gegeben, wenn man nicht achtmal in der Woche – sonntags zweimal – zur Kirche gegangen sei.

Ein anderer stellte in Frage, ob ein Bischof zur Firmung mit Chauffeur kommen und sich während der Feier den Hut abnehmen und aufsetzen lassen müsse. „So etwas ärgert mich, und ich weiß auch nicht, wo das geschrieben steht.“ Pastor em. Johannes Schultewolter sagte: „Für mich hat Glauben nichts mit Müssen zu tun, für mich ist er ein Geschenk.“ Der Konsens des Abends, der sowohl von Göbel, Philipps als auch von Bürgermeister Gregor Krabbe formuliert wurde, lautete: „Das Wichtigste ist, dass wir hier an der Basis immer sprachfähig sind und es auch bleiben.“

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