Nominierung für NRW-Gründerpreis
Kremer Stahltechnik beschäftigt sieben Flüchtlinge

Metelen -

Wenn heute Abend in Düsseldorf der Gründerpreis NRW verliehen wird, gehört auch die Kremer Stahltechnik GmbH & Co. KG zu den zehn Nominierten. Das junge Unternehmen expandiert nicht nur rasant, sondern beschäftigt mittlerweile auch sieben Flüchtlinge.

Mittwoch, 22.11.2017, 06:00 Uhr aktualisiert: 22.11.2017, 07:55 Uhr
Das Schweißen hat er in seiner afrikanischen Heimat gelernt. Nana Akumfi stammt aus Ghana und brennt gerade Schnee-Räumschilde für Kommunalfahrzeuge zusammen, die Kremer Stahltechnik im Auftrag fertigt.
Das Schweißen hat er in seiner afrikanischen Heimat gelernt. Nana Akumfi stammt aus Ghana und brennt gerade Schnee-Räumschilde für Kommunalfahrzeuge zusammen, die Kremer Stahltechnik im Auftrag fertigt. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Nana Akumfi brutzelt Meter um Meter Schweißnähte, immer geschützt unter einem Helm, immer mit dicken Lederhandschuhen – perfekt gesetzt, denn sie müssen etwas aushalten. Der 39-Jährige brennt Räumschilde zusammen, für Kommunalfahrzeuge, für den Winter. Einen Winter, den er in seiner früheren Heimat nicht kannte.

Nana Akumfi ist vor Jahren schon aus Ghana nach Deutschland geflohen. In dem afrikanischen Land hatte er das Schweißen gelernt und das so gut, dass er damit jetzt auch in Deutschland seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Und er ist nicht der einzige Flüchtling, der in der großen Werkshalle von Kremer Stahltechnik in Metelen arbeitet.

Die haben Lust auf Arbeiten, die wollen und ich bin davon überzeugt, dass sie sich durch die Beschäftigung bei uns schnell in unsere Gesellschaft integrieren.

Unternehmer Ansgar Kremer

„Die haben Lust auf Arbeiten, die wollen und ich bin davon überzeugt, dass sie sich durch die Beschäftigung bei uns schnell in unsere Gesellschaft integrieren.“ Ansgar Kremer sagt das nicht nur aus Überzeugung, sondern auch aus Erfahrung. Der Inhaber des gleichnamigen Unternehmens setzt auf die jungen Männer, die ihre Heimat verlassen haben, die aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus Ländern Afrikas flohen. Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Libanon, Eritrea, Ghana – die Länder aus denen ein Sechstel der Kremer-Belegschaft stammt, sind Krisenherde, arme Länder, Staaten, aus denen sich die Menschen auf den Weg machen.

Nominiert für NRW-Gründerpreis

Die Kremer Stahltechnik GmbH & Co. KG gehört zu den zehn Nominierten für den Gründerpreis NRW 2017, der Mittwochabend in Düsseldorf vom Land NRW und der NRW-Bank verliehen wird. Der mit insgesamt 60 000 Euro dotierte Preis würdigt nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg der Start-up-Unternehmen, sondern beispielsweise auch deren ökologisches oder gesellschaftliches Engagement.

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„Schneller als in den Sprachkursen“

Wie auch Kidane Barke. Hoch konzentriert bedient er einen Scanner, liest Barcodes von Produktionsunterlagen, tippt Aufträge in einen Touchscreen direkt an der großen Laserschneideanlage – Herzstück in der großen Kremer-Werkshalle. Aus Eritrea machte er sich auf den Weg nach Europa, damals 20 Jahre alt. Heute, drei Jahre später, gehört er zur Belegschaft dazu und arbeitet an diesem Tag in der Spätschicht.

Angefangen hat er über ein zweiwöchiges Praktikum, wie auch die anderen sechs Flüchtlinge, die mittlerweile bei Kremer arbeiten – jetzt ganz regulär und mit Arbeitsvertrag, wie auch die deutschen Kollegen auch.

Die Verständigung ist nicht immer einfach, und das nicht nur wegen des Lärms, den die Abkantbank, der Schweißroboter und schneidende Laser bisweilen verursachen. Doch jeden Tag lernen Barke und die anderen sechs Flüchtlinge ein paar Brocken Deutsch dazu. „Das geht mitunter schneller als in den Sprachkursen“, freut sich Firmenchef Kremer über die Fortschritte der Mitarbeiter aus Asien und Afrika. Der Kontakt mit Betreuern von Flüchtlingen vor Ort ist Kremer wichtig: „Ich setze auf Mitarbeiter aus Metelen oder aus den Nachbarorten.“

Von sieben auf 40 in zwei Jahren

Auch bei der Stammbelegschaft des jungen Unternehmens fanden viele Menschen aus der Region einen neuen Arbeitsplatz. Kremer Stahltechnik, noch nicht einmal zwei Jahre am Markt, hat nicht nur die Produktionshallen-Fläche verdoppelt, sondern parallel dazu die Zahl der Mitarbeiter von anfangs sieben auf aktuell über 40 erhöht, inklusive drei Azubis.

Nicht alltägliche Wege beschritt Ansgar Kremer auch bei der Produktionsvorstufe. In dem Büro erstellen zwei Mitarbeiterinnen an Rechnern CAD-Programme für die Spezialmaschinen in der Werkshalle. Julia Schwede ist eine von ihnen: „Es ist doch eher ungewöhnlich, das Frauen so etwas machen.“ Ungewöhnlich, weil die Endprodukte teils tonnenschwere Bauteile oder Baugruppen sind.

Die Auftraggeber lesen sich wie das Who‘s who der Schwerlast-Branche: Liebherr, Caterpillar, Schmitz-Cargobull. Auch Windkraftanlagen-Bau sowie Land- und Stalltechnik sind Felder, auf denen Kremer aktiv ist. Präzision ist also gefragt beim Umgang mit den schweren Stahlplatten – Millimeterarbeit mit Heavy Metal.

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