Falscher Müll in der braunen Tonne kostet
Metelen kreisweit Schlusslicht – Abfallberater berichten

Metelen -

In keiner Kommune des Kreises Steinfurt werden Biotonnen so oft falsch befüllt wie in der Vechtegemeinde. Das ergaben Stichprobenuntersuchungen im Kompostwerk Saerbeck. Die Gemeinde reagiert mit einem Schülerprogramm und Flyern – und notfalls auch mit Kontrollen. 

Donnerstag, 30.11.2017, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2017, 20:23 Uhr
Küchenabfälle, die nicht gekocht sind, gehören in die Biotonne (Foto oben), nicht allerdings verpackt in Plastiksäcke, welche im Kompostwerk mühsam aus dem angelieferten Müll heraussortiert werden müssen.
Küchenabfälle, die nicht gekocht sind, gehören in die Biotonne (Foto oben), nicht allerdings verpackt in Plastiksäcke, welche im Kompostwerk mühsam aus dem angelieferten Müll heraussortiert werden müssen. Foto: dpa

Metelen ist das Schlusslicht im Kreis – eine Bestandsaufnahme, die im Rathaus nicht gerne gelesen wird. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine pauschale Wertung, sondern die Negativmarke in der Region bezieht sich lediglich auf einen Stoff: Biomüll.

Da rangiert die Kommune ganz weit hinten im Kreis-Ranking. Fast 13 Prozent Störstoffanteile im Biomüll registrierte die Entsorgungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (EGST) im Vorjahr für Metelen. Unter Störstoffen verstehen die Müll-Experten des Kreises Materialien, die in der Tonne landen, dort aber definitiv nicht hinein gehören: Kunststoffe, Metalle, Glas.

Schlechter als Metelen steht keine andere Gemeinde oder Städte im Kreis da. Nur Ochtrup mit einer Fehlwurf-Quote von 9,5 Prozent hat einen ähnlich schlechten Wert – und will nun reagieren. In der Nachbarstadt Metelens hat man bereits Angebote eingeholt von externen Firmen, die den Biomüll vor Ort, also am Abfuhrtag an den Straßen selber, kontrollieren, die Hausbesitzer mahnen und notfalls auch eine rote Karte verteilen. Die Tonne bliebe dann stehen und würde nicht abgeholt.

Und Metelen? Abfallberater Thomas Krabbe erläutert, dass die EGST im Kompostwerk Saerbeck, in das der Biomüll der Kommunen gebracht wird, stichprobenartig die Anlieferungen kontrolliert. „In der Fuhre aus Metelen wurde ein relativ hoher Anteil von Glas gefunden. Das hat mit zu dem schlechten Wert beigetragen“, so der Mitarbeiter aus dem Rathaus.

Pech also nur, dass just die Lieferung, die sich die Kontrolleure heraussuchten, so stark verunreinigt war? Wohl kaum, folgt man den jüngsten Schilderungen von Beatrice Daal von der EGST. Die Abfallberaterin berichtete von Verpackungs- und sogar von Sondermüll, der in den braunen Tonnen der Vechtegemeinde entdeckt worden sei. Auch fanden sich Steine in der Biotonne – und auch die gehören definitiv nicht ins braune Abfallgefäß.

Für die Gemeinde werden derartige Müllauto-Ladungen teuer, wenn sie in der Deponie Saerbeck bemerkt werden. „Das wird dann als Restmüll behandelt und auch entsprechend berechnet“, so Thomas Krabbe. 126 Euro kostet dies pro Tonne, Bioabfall – der ja ein wertvoller Rohstoff für das Kompostwerk ist – wird mit 35 Euro für jede Tonne der Kommune in Rechnung gestellt. Bei einer Müllfahrzeug-Ladung zwischen sieben und zehn Tonnen kommen etliche hundert Euro zusammen, welche die Kommune zahlen muss. „Letztlich muss jeder Bürger dafür zahlen, da die Zahlungen ja in die Kalkulation für die Kosten der Abfallentsorgung mit einfließen“, erläuterte Krabbe.

Zwar beschloss der Hauptausschuss erst in dieser Woche, die Müllgebühren im kommenden Jahr stabil zu halten (wir berichteten), eine Erhöhung deutet sich allerdings für das Jahr 2019 bereits an. Die Rücklagen sind fast aufgebraucht – kaum verwunderlich, wenn die Gemeinde für derart „dreckigen“ Biomüll zusätzlich zur Kasse gebeten wird.

Es ist ein dickes Brett, das Thomas Krabbe seit Jahren in der Vechtegemeinde bohrt. Der Abfallberater der Verwaltung kennt die Problematik mit den Störstoffen im Biomüll nur allzu gut. „Die EGST wird auch im kommenden Jahr stichpunktartig den angelieferten Bioabfall kontrollieren“, ahnt Krabbe wohl schon, dass sich auch dann Störstoffe in der Ladung finden könnten.

Die Gemeinde will dem vorbeugen. Ein erster Ansatz ist die Aufklärung von Eltern und Verwandten über Schulkinder. Erst im November besuchten Grundschüler aus dem Ort das Kompostwerk und informierten sich ganz praktisch unter anderem dazu, dass Fehlwürfe Probleme im Kompostwerk nach sich ziehen. „Wir setzen hier darauf, dass in den Familien das Bewusstsein geschärft wird“, so Krabbe.

Zweite Komponente ist ein Flyer, der gemeinsam mit dem Abfallkalender 2018 demnächst an alle Haushalte verteilt wird und der über die richtige Befüllung der Biotonne aufklären will.

Verbessert sich die Quote nicht, denkt man im Rathaus auch über Kontrollen von Mülltonnen vor Ort nach – ähnlich wie in Och­trup. „Wir werden aber erst die nächste Analyse der EGST abwarten“, so Abfallberater Krabbe.

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