Hecken auf den Stock setzen
Thomas Wolbeck setzt mit seinem Team Hecken auf den Stock

Schöppingen -

Thomas Wolbeck ist im Auftrag verschiedener Kommunen im Münsterland unterwegs. Im Kreis Borken ebenso wie in den Kreisen Steinfurt oder Coesfeld. Und wo er hin kommt, knackt und knirscht es.

Donnerstag, 22.02.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 25.02.2018, 12:18 Uhr
Wenn sie mit dem Bagger anrücken, bedeutet das nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Thomas Wolbeck und seine Mitarbeiter sorgen durch intensiven Rückschnitt dafür, dass die Sträucher erhalten bleiben und die Wurzeln dann wieder gestärkt neu austreiben können.
Wenn sie mit dem Bagger anrücken, bedeutet das nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Thomas Wolbeck und seine Mitarbeiter sorgen durch intensiven Rückschnitt dafür, dass die Sträucher erhalten bleiben und die Wurzeln dann wieder gestärkt neu austreiben können. Foto: Susanne Menzel

Es knackt und knirscht. Nicht im Gebälk, sondern im Baumholz hinterm Hallenbad. Andre Preuss sitzt auf dem Bagger und steuert den Greifarm immer wieder zielgerichtet auf das untere Stammdrittel. Ein Helfer wirft die Kettensäge an, hilft manuell noch einmal nach. Die Ulme hat keine Chance, nach wenigen Minuten geht sie zu Boden. Andre Preuss greift sich das Gehölz mit dem Baggerarm und räumt es beiseite.

Im Auftrag der Gemeinde sind Thomas Wolbeck, sein Mitarbeiter Andre Preuss und weitere Männer dabei, Bäume und Sträucher zwischen Sportplatz und Bad zu beseitigen. „An der Stelle soll der Zaun demnächst erneuert werden“, sagt Wolbeck. „Und bevor jetzt am 28. Februar wegen der dann beginnenden Brutzeit der heimischen Vögel ohnehin kein Schnitt und keine Fällaktion mehr ausgeführt werden dürfen, müssen wir fertig sein.“ Die Zeit drängt, der Feierabend rückt derzeit weit nach hinten. Nicht zuletzt Sturm Frederike hat vielerorts Spuren hinterlassen, die zu dem normalen Frühjahrsschnitt noch beseitigt werden müssen.

Thomas Wolbeck ist im Auftrag verschiedener Kommunen im Münsterland unterwegs. Im Kreis Borken ebenso wie in den Kreisen Steinfurt oder Coesfeld. Der gelernte Maschinenschlosser hatte ursprünglich vor rund 20 Jahren „mal nur für den Eigengebrauch einen Rasenmäher konstruiert, mit dem ich bei mehreren Firmen unterwegs war. Damit fing‘s an – und es lief schnell besser als gedacht.“

Ein größerer Mäher musste her, diesmal gekauft, im Winter hat er zudem Holz gescheitet. Als der Betrieb, in dem er angestellt war, 2004 seine Produktion von Altenberge nach Gütersloh verlagerte, stand er vor der Entscheidung: Das Neben- zum Hauptgewerbe machen, oder dem bisherigen Arbeitgeber hinterherziehen. „Ich hatte viele schlaflose Nächte“, erinnert sich der 46-Jährige, „dann bin ich aber ins kalte Wasser gesprungen.“ Er habe sich dabei nicht den Kopf gestoßen, sondern den Freischwimmer längst geschafft.

Mit drei festen Mitarbeitern sowie verschiedenen Aushilfen ist Wolbeck heute überwiegend in der Landschaft unterwegs, um nicht nur Bäume zu fällen, sondern auch viele Meter Hecken im Münsterland „auf den Stock zu setzen.“ Soll heißen: Durch intensiven Rückschnitt zu verjüngen und somit deren Erhalt zu sichern. Ein Vorgang, der an jedem Strauch alle zehn Jahre erfolgen sollte, damit er sich nicht „tot“ wachse.

„Es sieht immer brutal aus, wenn wir mit dem Bagger anrücken“, weiß Wolbeck. „Viele Bürger und auch Spaziergänger, die unser Tun beobachten, denken, wir reißen alles raus. Das ist aber nicht der Fall“, betont er. Die Hecken werden im Gehölz bis auf wenige Zentimeter über dem Boden gekürzt. Die Wurzeln bleiben intakt – und können Kraft sammeln, um anschließend wieder gestärkt neu auszutreiben. „Wir kürzen auch nie Hecken in kompletter Länge“, erklärt der Metelener: „Wir teilen sie in etwa gleich lange Felder und bearbeiten dann eins übers andere Feld.“ Und wer häufiger in der Landschaft unterwegs ist, sieht schnell, dass hier nicht Harakiri betrieben wurde, sondern die Gehölze dichter als zuvor wieder ausschlagen. „Das bedeutet für die Tierwelt wiederum mehr Schutz.“

Sobald die Arbeiten beendet sind, rücken Wolbeck und Kollegen ein zweites Mal zum Einsatz an. Dann mit anderem, aber ebenfalls schwerem Gerät. Der Häcksler kommt zum Einsatz, der selbst die dicksten Baumstämme wie weiches Brot wegknabbert und sie als kleinste Hackschnitzel wieder ausspuckt.

„Wir arbeiten hier nachhaltig“, versichert der 46-jährige Unternehmer. „Und zwar mit einer besseren Effizienz als diejenigen, die Holzstämme nur als reines Kaminholz verfeuern.“ Der Unterschied zu den Hackschnitzeln sei der, „dass wir hier wirklich alles verwenden können. Selbst das Zopfholz (Anm. der Red: die kleinsten Ästchen), das sonst beiseite gelegt wird.“

Allerdings müssen Wolbeck und seine Mitarbeiter im Regelfall nicht nur deshalb schnell arbeiten, weil die Auftraggeber unter Umständen auf die Schnitzel-Lieferung warten. Sondern auch, um dem ein oder anderen Diebstahl zuvor zu kommen. „Holz wird gerne mitgenommen. Mitunter sind Menschen schon samt Anhänger und Kettensäge in der Dunkelheit angerückt“, berichtet Wolbeck. „Momentan geht‘s allerdings, weil die Brennstoffpreise niedrig sind.“

Das, was er in Schöppingen derzeit durch den Häcksler schickt, dient als Vorproduktion für die neue Heizungsanlage in der Kulturhalle. Daneben produziert Wolbeck – je nach Vertrag – auch für den Eigenverkauf. „Wenn ich den Häckselschnitt trockne, nutze ich dazu die Abwärme aus der Biogasanlage“, sagt er. Von einem Kubikmeter Hackschnitzel lassen sich bis zu 1000 Kilowattstunden Wärme erzeugen. „Das ist schon eine gute Ausbeute“, meint Wolbeck. Und deshalb sei dieser energiereiche Brennstoff eigentlich zu schade, um „nur“ als Beetabdeckung oder – auch gerne genutzt – als Untermischung für Sand-Reitplätze zu dienen.

Und wenn im Frühjahr die letzten Hecken auf den Stock gesetzt und die letzten Äste gehäckselt sind – ist dann Sommerruhe bis zum Oktober im Unternehmen? „Nein“, sagt Thomas Wolbeck und lacht, „die Natur hält ja noch viele weitere Einsatzgebiete bereit. Dann gehen wir ins Wasser und widmen uns dem Gewässerschutz. Vorwiegend im Auftrag für den Wasser und Bodenverband räumen wir die Gräben und schauen auch ansonsten nach dem rechten.“

Wie gesagt: Der Sprung ins kalte Wasser hat sich für ihn in vielerlei Hinsicht ausgezahlt.

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