Autohändler sagen ihre Meinung
Diesel-Diskussion verunsichert

Metelen -

Die Schadstoffe, die Diesel-Autos ausstoßen, sorgen für viele Diskussionen, Verunsicherung – und Kaufzurückhaltung. Franz Bock vom Kfz-Handel EBO und Jürgen Marpert vom gleichnamigen Autohaus aus Metelen sind nach wie vor von der Antriebstechnik überzeugt.

Donnerstag, 05.04.2018, 06:00 Uhr
Die Schadstoffe, die Diesel-Autos ausstoßen, sorgen für viele Diskussionen – und Kaufzurückhaltung.
Die Schadstoffe, die Diesel-Autos ausstoßen, sorgen für viele Diskussionen – und Kaufzurückhaltung. Foto: dpa

Für Jürgen Marpert ist schon der Begriff mehr als unglücklich: Diesel-Skandal. „Ich möchte mal wissen, was wir hier im ländlichen Raum ohne Diesel gemacht hätten und machen würden“, sagt der Inhaber des gleichnamigen Autohauses im Metelener Gewerbegebiet. Er wolle das Problem der Stickoxid-Belastung (NOx-Emission) durch mit Dieselkraftstoff angetriebene Autos nicht einfach kleinreden, sagt der Fachmann, aber der Skandal sei doch vielmehr, wie sich die großen Autohersteller versucht hätten, aus dieser technischen Misere mit Tricksereien herauszumogeln. Und der Handel müsse sich jetzt mit diesem unnötigen Schwarzen Peter herumschlagen.

„Ich bin stets bemüht, mit meinen Kunden das offene Gespräch zu führen und die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Motorisierungen anzusprechen. Für den Dieselmotor sprechen die Kostenseite bei hoher Kilometerleistung, die Langlebigkeit und die Robustheit“, zählt Marpert auf. Mit der Abgasnorm „Euro 6“ könne man den Benziner eigentlich locker erreichen, was die NOx-Emissionen angehe. „Ich kann mir aber in der derzeit etwas hektischen Diskussion auch so etwas wie eine ,Euronorm 6 plus‘ vorstellen, in der wir mit bestimmten Katalysatoren und technischen Feinheiten ganz gut aufgestellt und zukunftssicher wären beim Thema Diesel.“ Ein technisches Problem, findet Jürgen Marpert, „sollte man technisch lösen und nicht durch aufgeladene Diskussionen“. In den Abgesang der dieselbetriebenen Fahrzeuge will er jedenfalls nicht einfach einstimmen. „Ich plädiere für Augenmaß und lösungsorientierte Ansätze“, stellt er für sein Autohaus klar.

Ganz anders Franz Bock vom KFZ-Handel EBO an der Schöppinger Straße. Auch wenn er mit seinem Geschäftsmodell des An- und Verkaufes von Gebrauchtfahrzeugen anders aufgestellt ist als Marpert, der auch den Neuwagenverkauf betreibt, betrachtet er das Thema Zukunft des Dieselfahrzeugs wesentlich kritischer. „Weil die ganze Sache auf die politische Ebene gedriftet ist, sehe ich das Fahrverbot für dieselbetriebene Fahrzeuge unweigerlich kommen. Die paar Ausnahmen werden den Kohl nicht fett machen“, sagt er klipp und klar. Persönlich ist er durchaus vom Dieselantrieb überzeugt, fährt auch ein entsprechendes Fahrzeug, an das sich schnell mal ein Anhänger für den Kfz-Transport anhängen lässt. „Die Auswirkungen der öffentlichen Ratscherei sehe ich bei mir auf dem Hof. Die Benziner gehen weg wie geschnitten Brot und die Diesel stehen wie von Blei beschwert herum. Wiewohl die paar, die ich überhaupt noch anbieten kann, durchaus Kaufargumente bieten“, räumt Franz Bock ein. Die öffentliche Diskussion habe da viel Verunsicherung bewirkt.

Der Metelener hat mit einem Partner über 20 Jahre einen Kfz-Handel in Coesfeld betrieben und ist über den Ortswechsel nach Metelen vor gut drei Jahren mehr als zufrieden. „Ich laufe jetzt abends die paar hundert Meter nach Hause – Diesel hin, Diesel her“, schmunzelt er, stellt sich fotogen neben einen Dieselwagen und frotzelt: „Ich war ja jahrelang ein erfolgreiches Auto-Model.“

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