Doppelkopf-Runde wird 50
Goldene Karten-Hochzeit

Metelen -

Seit 50 Jahren treffen sich Werner Laurenz, Gregor Pfitzner, Heiner Pieper, Helmut Sondermann, Franz Nienhaus und Reinhard Jockweg alle zwei Wochen zum Doppelkopf-Spielen – streng nach Regeln, aber in lockerer Runde. Dabei werden aber nicht nur Karten gekloppt, sondern auch das ein oder andere Thema heiß diskutiert.

Freitag, 06.04.2018, 11:00 Uhr
Seit 50 Jahren treffen sich (v.l.) Franz Nienhaus, Reinhard Jockweg, Werner Laurenz, Gregor Pfitzner, Heiner Pieper und Helmut Sondermann alle zwei Wochen in gemütlicher Runde zum Doppelkopf-Spielen.
Seit 50 Jahren treffen sich (v.l.) Franz Nienhaus, Reinhard Jockweg, Werner Laurenz, Gregor Pfitzner, Heiner Pieper und Helmut Sondermann alle zwei Wochen in gemütlicher Runde zum Doppelkopf-Spielen. Foto: Martin Fahlbusch

„Obwohl wir ja beim Doppelkopp-Spielen natürlich keinen Alkohol trinken, kommen wir zu den Kartenabenden eisern alle mit de Fietz“, sagt Reinhard Jockweg und kann ein Schmunzeln nicht verbergen. Seit über 50 Jahren trifft sich ein Sechserpack alle 14 Tage, um „die Karten sprechen zu lassen“ und dabei ein paar Fläschchen Bier zu trinken. „Ist ja im Grunde genommen auch kein Alkohol“, pflichtet ihm Helmut Sondermann bei und seine Augen strahlen verschmitzt.

„Ich und ein paar andere sind erst vor 50 Jahren dazu gekommen, da haben Gregor Pfitzner und ich glaube Franz Nienhaus schon in anderen Clubs Doppelkopf gespielt. Egal, wir Sechs – wie wir hier sitzen – haben in diesem Jahr Goldene Karten-Hochzeit“, rechnet Jockweg vor, der alles in einem Schnellhefter ordentlich und in sauberster Handschrift dokumentiert hat.

Man trifft sich reihum. Heute Abend ist Werner Laurenz Gastgeber. Als Letzter im Sechserbunde huscht noch Heiner Pieper herein. „Ich muss und will ja noch arbeiten, die anderen sind ja alle Rentner, haben aber eigentlich auch keine Zeit – außer zum Doppelkopp-Spielen“, schließt er sich dem allgemeinen fröhlich-frotzendeln Ton an. „Zwei sitzen immer“, verrät Helmut Sondermann und spielt damit nicht auf eine vielleicht verbrecherische Ader seiner Kartenbrüder an.

Man habe sich als Sechserrunde etabliert. „Wer mischt, sitzt mit einem Kollegen, hat Pause und kann über seine Fehler nachdenken“, kommentiert Franz Nienhaus das Spielprinzip. Gezahlt wird sofort. Zum Rechnen braucht die Truppe keinen Zettel. Die Hälfte des Gewinns geht in die eigene Tasche, die andere Hälfte fließt in die Gruppenkasse. „Früher haben wir davon gemeinsame Ausflüge finanziert“, erzählt Reinhard Jockweg und hat die Unterlagen von der letzten Fahrt nach Papenburg parat. „Da waren wir natürlich auch in der großen Meyer-Werft“, erinnert sich Franz Laurenz. „Heute halten wir es eher mit den Geschäftsessen in der näheren Umgebung – Ordnung muss sein“, erläutert Heiner Pieper.

An jedem Platz steht mindestens ein Kaltgetränk und die Hälfte einer Spielkarten-Packung aus Plastik. Da liegt das Spielgeld drin. Und das Schächtelchen ist mal voller und mal leerer. Das Doppelkopf-Kartenglück ist nun mal wetterwendisch, wie die erfahrenen Spieler wissen. „Früher waren da noch Pfennige und Markstücke drin“, erzählt Franz Niehaus, „heute müssen es Cent und Euro tun.“ Alles andere läuft wie geschmiert, bis eben auf das verrückte Karten(un)glück. „Aber nach mindestens 1000 Doppelkopp-Abenden in unserer Goldkarten-Hochzeitszeit gleicht sich das sowieso wieder alles aus“, freut sich Werner Laurenz, der als Pausierender für flüssigen Nachschub sorgt.

Gespielt wird nach normalen Doppelkopf-Regeln ohne „Schweinchen“ und irgendwelchen „polnischen Besonderheiten“. „Im Laufe des Abends sind zwei Solo Pflicht, sonst sind je zwei Euro fällig“, betont Gregor Pfitzner. Wer wirklich mal fehlen muss, zahlt die vier Euro und die Hälfte des abendlichen Gewinndurchschnittes. Aber freiwillig mag sowieso keiner fernbleiben. „Natürlich wird auch schon mal ordentlich nachgekartet, aber im Laufe der Zeit sind wir alle etwas ruhiger geworden“, bestätigt Heiner Pieper. Manchmal flögen auch die Fetzen. Und weil dieses Kartenspiel sowieso zum Kommentieren anregt, kommen auch Politik und Zeitgeschehen und „Ortsaufreger“ nicht zu kurz. Und da prallten schon Unterschiede aufeinander „Immer heftig, aber immer fair und respektvoll“, sagt Reinhard Jockweg. Früher graute manchmal schon der Morgen und der Biervorrat ging bedenklich zur Neige, erinnert sich die Sechserrunde.

Heute lässt man alle 14 Tage dienstags (früher freitags) die Karten sprechen – zwischen 19 und 22 Uhr ist so die Regel. „Da kann man bei wichtigen Fußballspielen immer noch die zweite Halbzeit sehen“, freut sich Helmut Sondermann. „Und sollte es thematisch mal lahm werden, kommen wir auf den Fußball und haben sofort Heiner beim Wickel. Der ist nämlich Bayern-Fan und hat bei uns Gladbachern, Dortmundern und Schalkern einen schweren Stand“, verrät Reinhard Jockweg.

Die Truppe ist übrigens in den besten 1940er-Männer-Baujahren und will noch 20 Jahre weiter spielen – mindestens.

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