Mo., 16.04.2018

Karl Hollekamp zieht sich zurück Mein Freund, der Friebaum

Der Friebaum liegt Karl Hollekamp so sehr am Herzen, dass er ihn sogar als Bild in der heimischen Stube hängen hat.

Der Friebaum liegt Karl Hollekamp so sehr am Herzen, dass er ihn sogar als Bild in der heimischen Stube hängen hat. Foto: Dorothee Zimmer

Metelen - 

Ein ganz besonderer Baum im Ort lag Karl Hollekamp über Jahrzehnte am Herzen: der Friebaum. Für die Gestaltung des Umfeldes und nicht zuletzt auch für seine Erhalt macht er sich stark.

Von Dorothee Zimmer

Für die allermeisten Metelener ist der sogenannte Friebaum am Nordring ein ganz normaler Baum. Eine Eiche halt, um sie herum drei Bänke, und gleich daneben momentan ein gelbes Meer aus blühenden Narzissen. Karl Hollekamp von der Neustraße ist einer der wenigen, für die der Baum eine besondere Bedeutung hat: Der 86-Jährige hat ihm sogar schon einmal das Leben gerettet.

„Der Friebaum“, sagt er am Tisch im heimischen Esszimmer sitzend, „ist der wichtigste Baum in ganz Metelen.“ Hinter ihm an der Wand hängt ein Bild des so Gepriesenen.

Wie kommt ein Baum zu solcher Ehre? Um das zu erklären, geht der Heimatfreund viele Jahre zurück. Etwa in dem Bereich, wo die heutige Friebaum-Eiche steht, gab es einen Baum gleicher Sorte – praktisch der Urbaum – , der 1927 vom Blitz getroffen und gespalten wurde. „Er soll angeblich über 500 Jahre alt gewesen sein, und um ihn zu umspannen, mussten sich laut Überlieferung fünf Kinder an die Hände fassen.“

Aber mit dem Blitzschlag war sein Ende besiegelt. Kurze Zeit später stand an derselben Stelle eine neue Eiche. „Sie wurde Hitler-Eiche genannt und kam weg, als der Krieg zu Ende war.“ Jahre später pflanzte der Heimatverein Eiche Nummer drei, die bis heute dort steht. „Es wird erzählt, dass seinerzeit unter dem mächtigen Baum Gericht gehalten und Urteile in Steuerangelegenheiten gesprochen wurden. Es gibt noch viele weitere Geschichten, die sich um den Baum ranken. Zum Beispiel sollen auch Eheversprechen darunter gegeben worden sein. Und die waren dann bindend.“ So repräsentiert der aktuelle Baum diese historischen Ereignisse des Ortes.

Hollekamp erklärte sich Ende der 80er Jahre bereit, die Pflege des Bereichs zu übernehmen und konnte dafür weitere Männer aus der Nachbarschaft „Ludenbrei“ gewinnen. Drei bis vier Mal im Jahr trafen sie sich dort, und mit der Zeit hübschten sie die Stelle immer weiter auf. Mit einer Bank zum Beispiel – die jetzige ist bereits die zweite – , mit Pflasterungen und mit dem Setzen von Blumenzwiebeln, damit es am Friebaum im Frühling aufblüht. „Nach der Arbeit gab es für alle immer noch ein paar kühle Getränke. Ich hatte immer Glück und bin heute noch dankbar, dass ich regelmäßig Sponsoren gefunden habe.“

Beim Bau des Kreisels am Nordring trug ein Nachbar Hollekamp zu, dass unter den im Zuge der Baumaßnahme zu fällenden Bäume auch der Friebaum als solcher gekennzeichnet war. Hollekamp mobilisierte alle möglichen Leute und verhinderte den Fall der Eiche quasi in letzter Sekunde: „Man konnte schon die Säge kreischen hören.“

Nach Jahrzehnten des ehrenamtlichen Engagements für den Friebaum zieht Hollekamp jetzt einen Schlussstrich. Auch vielen Mitstreitern ist die körperliche Kraft abhanden gekommen.

Der Umtriebige hat sich um Nachfolger bemüht und einige Zusagen bekommen, das freut ihn: „Es gibt jetzt eine andere Generation, die das weitermachen will.“



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5661680?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F