Das andere Leben
In Syrien wird nur zu Hause gepflegt

Metelen -

Der 33-jähriger Al Abdullah Mohamed Kahir lernt zurzeit die Arbeit eines ambulanten Pflegedienstes in Metelen kennen. Vor zwei Jahre war er aus seiner Heimat, aus Syrien, geflüchtet.

Samstag, 21.04.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 22.04.2018, 13:56 Uhr
Al Abdullah Mohamed Kahir absolviert zurzeit ein Praktikum beim Pflegedienst Leusbrock. Ihm gefällt die Arbeit.
Al Abdullah Mohamed Kahir absolviert zurzeit ein Praktikum beim Pflegedienst Leusbrock. Ihm gefällt die Arbeit. Foto: Heidrun Riese

Al Abdullah Mohamed Kahir strahlt. Die ersten vier Tage seines Schnupperpraktikums beim Pflegedienst Leusbrock sind vorbei. Und es scheint, als gefalle ihm die Arbeit. Der 33-jähriger Syrer begleitet Altenpflegerin Daniela Segeler auf ihren morgendlichen Touren in Metelen. Sein Arbeitstag beginnt morgens um sieben. Gegen 12 Uhr hat er Feierabend. Manchmal auch etwas später.

„An meinem ersten Praktikumstag habe ich erst einmal nur zugeschaut. Aber danach durfte ich schon bei der Arbeit mithelfen“, erzählt er. In einem Fall habe er der Pflegerin beim Lagern eines pflegebedürftigen Mannes geholfen. Auch Handreichungen und Hilfestellung bei der Körperpflege zählen zu seiner Tätigkeit. „Die Leute sind alle sehr freundlich und reden mit mir“, freut sich der 33-Jährige. Und noch etwas schätzt er an diesem Praktikum: „Ich habe jeden Tag Gelegenheit, Deutsch zu reden. Dadurch lernt man das Sprechen am besten. Eigentlich viel besser als im Deutschkursus.“

Vor zwei Jahren kamAl Abdullah Mohamed Kahir als Flüchtling nach Metelen. Seitdem paukt er fleißig die deutsche Sprache. Die ersten beiden Niveaustufen hat er bereits geschafft. Jetzt stehen zwei weitere Hürden an, dann hat er die Möglichkeit, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen. Angesichts der Eindrücke während seines Praktikums kann er sich durchaus vorstellen, Altenpfleger zu werden.

Pflegedienstleiter Philipp Leusbrock weist ihn auf die Möglichkeit hin, diesen Weg über das Programm „Care for Integration“ zu gehen. „Im Rahmen dieses Programms könntest du das erforderliche Sprachniveau sowie den deutschen Hauptschulabschluss erwerben und die Ausbildung zum Altenpflegehelfer machen. Das Ganze dauert drei Jahre“, beschreibt Leusbrock das vom Bundesverband privater Pflegeanbieter geförderte Programm. Es sei eine Basis, auf die sich prima aufbauen lasse, indem man die Ausbildung zum examinierten Altenpfleger anhängt.

FürAl Abdullah Mohamed Kahir ist dieser Job eine völlig neue Erfahrung. In seinem Herkunftsland kenne man den Beruf „Altenpfleger“ nicht. Es gebe in Syrien weder Pflegeheime noch ambulante Pflegedienste. „Bei uns werden die alten und pflegebedürftigen Menschen zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt.“

Das bestätigt sein Kollege Mohamed Hussam Alasseh, genannt Hussam. Der 30-jährige Syrer ist Betriebswirt und lebt seit seiner Flucht in Borghorst. Zurzeit absolviert er ebenfalls ein Praktikum beim Pflegedienst Leusbrock. Hussam ist in Ochtrup unterwegs. Mitarbeiterin Elke Brink ist dort seine Praxisanleiterin.

„Mit diesen beiden Praktikanten sind wir bestens zufrieden“, erklärt Philipp Leusbrock. Elke Brink stimmt ihm uneingeschränkt zu. „Es ist schade“, fährt Leusbrock fort, „dass dieses Praktikum auf nur zwei Wochen begrenzt ist. Wir hätten die beiden gern länger in unserem Team.“ Der Pflegedienstleiter fände es gut, wenn die zweiwöchige Tätigkeit die Männer für den Pflegeberuf motivieren würde.

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