Di., 01.05.2018

„Mit-Sinnen“ in der Kulturetage Auch krude Geistesblitze festhalten

Samuel Beutler (l.) schlüpfte in die Rolle des dubiosen Heilpraktikers Dr. Moxa, der den Patienten Faustus (gespielt von Alexander Klar) mit simpler Massage zu Tode bringt.

Samuel Beutler (l.) schlüpfte in die Rolle des dubiosen Heilpraktikers Dr. Moxa, der den Patienten Faustus (gespielt von Alexander Klar) mit simpler Massage zu Tode bringt. Foto: Sabine Sitte

Metelen - 

Das Denken bestimmt den Menschen, und die Gedanken sind frei: Mit einer experimentellen Darbietung näherte sich die Veranstaltung „Mit-Sinnen“ am Samstagabend einem Werk des Künstlers Alexander Klar.

Von Sabine Sitte

Bei Schauspiel, Lesung, Musik, Tanz und Essen der Gastgeber Clara und Samuel Beutler war auch das Publikum in der Kulturetage aktiv involviert. Eine spannende Herausforderung.

Der Ursprung seiner Konzeptkunst stand zurückhaltend im Raum: die gerahmte Ideen-Wand des Künstlers, der zurzeit in der Kulturetage ausstellt. Alexander Klar ist ein Sammler von Ideen, die er akribisch notiert und zum Teil katalogisiert.

„Das emotionalste Ausstellungsstück“ sei dieses Sammelsurium der Zettelnotizen, die sich fein säuberlich nebeneinander geheftet der Welt preisgeben, so Clara Beutler – und gehe einher mit dem Mut der Offenbarung, auch die krudesten Geistesblitze festzuhalten und zu präsentieren.

Wie interpretiert man ein solches Objekt? Experimentell und intellektuell: Samuel Beutler schlüpfte in die Rolle des dubiosen Heilpraktikers Dr. Moxa, der den Patienten Faustus (gespielt von Alexander Klar selbst) mit simpler Massage zu Tode bringt. Mit Notizen des Philosophen Martin Heidegger zum Thema „Denken“, einem fiktiven Tagebucheintrag des Künstlers und postmortaler Hirnforschung begaben sich die „Hinterbliebenen“ auf Sinnsuche: Woher stammte die Klar’sche Ideenfülle? Zum Glück wieder zum Leben erweckt, hatte der Protagonist eine mögliche Erklärung. „Ich schreibe mir permanent alle Gedanken aus dem Kopf, damit immer wieder etwas Neues nachkommen kann.“ Denn, so eine weitere Wortspielerei, wir alle seien Geschöpfe, „die aus uns selbst (Neues) schöpfen könnten“. Und sollten. Bereits der Dichter Goethe hat verkündet: Alles Gescheite ist schon gedacht worden; man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.

Ähnlich den Glückskeksen hatte Clara Beutler Aphorismen des Künstlers im Nachtisch verbacken, die die Kreativität des Publikums herausforderten: „SOLOdarität“, „VerWIRung“ oder ein Satz: „Warum hast du, was du hasst?“ Was fällt Ihnen dazu ein?



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