Do., 31.05.2018

Mähtod: Jäger geben Landwirten Tipps für die Heuernte Bambi muss nicht sterben

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 100 000 Rehkitze, weil sie unter Mähmaschinen geraten. Der Hegering Metelen klärt die Landwirte über Methoden auf, damit diese Tiere, aber auch Hasen und Fasane, die Mahd unbeschadet überstehen.

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 100 000 Rehkitze, weil sie unter Mähmaschinen geraten. Der Hegering Metelen klärt die Landwirte über Methoden auf, damit diese Tiere, aber auch Hasen und Fasane, die Mahd unbeschadet überstehen. Foto: dpa

Metelen - 

Die Grasernte ist für Rehkitze, aber auch für andere Wildtiere, die Schutz und Deckung im hohen Gras suchen, eine gefährliche Zeit. Vieltausendfach werden sie jährlich deutschlandweit Opfer der Mähmaschinen. Der örtliche Hegering bietet den Landwirten Unterstützung an, die von der Installation akustischer Warner an den Erntemaschinen bis hin zum Absuchen der

Von Dieter Huge sive Huwe

Wohl kaum einem Tier wird so viel Sympathie entgegen gebracht wie einem Rehkitz. Disneys Zeichentrickfilm „Bambi“ trug seinen Teil dazu bei. Doch anders als im Film gibt es für viele Rehkitze kein Happy End. Ihnen droht der mitunter qualvolle Tod durch und in Erntemaschinen. Das instinktive Ducken im hohen Gras ist das natürliche Verhalten der Kitze. Vom Sitz eines Traktors oder aus dem Fahrerhaus eines modernen Heuernters sind die Tiere nicht zu erkennen. 100 000 Jungtiere sterben so Jahr für Jahr deutschlandweit.

Der Hegering Metelen klärt deshalb die Landwirte über Möglichkeiten auf, wie die Tiere erkannt und auch aus dem Feld vertrieben werden können. „Verbrämen“ heißt das in der Jägersprache.

Ein akustischer Wildretter steht ganz obenan bei den technischen Möglichkeiten, um das Wild zu schützen. „Die sind nicht teuer“, weiß Marc Langhorst, Vorsitzender der organisierten Jäger im Ort. Bereits für gut 130 Euro sind zwei dieser Geräte, die am Mähwerk angebracht werden und einen schrillen Piepton aussenden, zu haben. „Wenn man weiß, wie teuer Erntemaschinen heutzutage sind, ist das ein vergleichsweise geringer Betrag“, weiß Langhorst. Die Jäger verleihen solche Geräte auch, bringen die Piepser vor dem Ernteeinsatz beim Landwirt vorbei. Hasen, Enten, Fasane und Brachvögel werden durch die lärmenden Piepser verschreckt und flüchten – Rehkitze aber meist nicht.

Gerade in der Absetzzeit, die noch andauert, harren die Kitze dort aus, wo die Ricke sie platziert – eben auch im hohen Gras, wo sie dem ersten Siloschnitt zum Opfer fallen. Mit Blick auf den Rehnachwuchs empfiehlt Marc Langhorst daher, vor der Ernte den Jagdpächter zu informieren: „Wir können dann, bevor die Maschinen anrücken, das Feld absuchen und gemeinsam mit gut ausgebildeten Hunden die Kitze finden und fachkundig aus dem Feld nehmen.“ Auch andere Wildtiere würden durch das Beunruhigen der Fläche vertrieben.

Die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jagdpächtern sei wichtig, um dem Mähtod zu begegnen, erläutert der Hegeringsleiter. Er weiß aber auch um den Zeitdruck, unter dem Landwirte und Lohnunternehmer stehen. Dennoch: Gerät ein Kitz unerkannt ins Mähwerk und landet der Kadaver in der Silage, drohen auch dem Nutzviehbestand bei der Verfütterung Krankheiten wie die Vergiftungen.

Eine weitere Maßnahme, um Wildtiere im Feld zu schützen, ist die Mahd von innen nach außen. So wird gerade Hasen und Fasanen die Flucht vor den Erntemaschinen nach außen hin ermöglicht.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5779798?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F