Do., 12.07.2018

Ex-AfDler aus Metelen Auf der Hinterbank des Bundestags

Ein starkes Teleobjektiv braucht der Fotograf der Agentur, um Mario Mieruch und Frauke Petry im Halbschatten des Bundestag-Plenarsaals abzulichten. Die beiden fraktionslosen Abgeordneten haben ihre Plätze unter der Besuchertribüne in der hinteren Reihe der Volksvertretung.

Ein starkes Teleobjektiv braucht der Fotograf der Agentur, um Mario Mieruch und Frauke Petry im Halbschatten des Bundestag-Plenarsaals abzulichten. Die beiden fraktionslosen Abgeordneten haben ihre Plätze unter der Besuchertribüne in der hinteren Reihe der Volksvertretung. Foto: dpa

Metelen - 

Mario Mieruch ist Bundestagsabgeordneter aus Metelen, gehört aber keiner Fraktion an. Gemeinsam mit Frauke Petry verließ er nach der Wahl im Herbst des vergangenen Jahres die AfD, über deren Liste er ins Parlament gewählt worden war. Im Gespräch mit unser Redaktion berichtet er über seine Arbeit in Berlin und über Möglichkeiten, als Hinterbänkler aktiv mitzuwirken.

Von Dieter Huge sive Huwe

Man muss schon lange in den Fotoarchiven stöbern, um ein Bild des heimischen Bundestagsabgeordneten Mario Mieruch im Plenarsaal zu finden. Der Metelener war über die Liste der AfD in die Volksvertretung eingezogen, verließ dann aber wegen personeller und inhaltlicher Differenzen die Rechtsaußen-Partei. Seither sitzt er neben Frauke Petry, die der AfD ebenfalls den Rücken gekehrt hat, ganz hinten im Plenarsaal – dorthin, wo kaum einmal einer der Fotografen sein Teleobjektiv richtet.

„Nun ja, wir sind vermutlich nicht von so großem Interesse“, nimmt es der 42-Jährige gelassen. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet er über seine Beweggründe, aus der AfD auszutreten, über seine Arbeit in Berlin und das aktuelle Projekt – den Aufbau einer neuen Partei.

"Menschlich enttäuschend"

Die ersten Tage im Bundestag, in den er am 4. Oktober 2017 gewählt wurde, haben Narben hinterlassen. „Da war einiges menschlich sehr enttäuschend“, bringt er den Ablöseprozess von der AfD auf den Punkt. Er sei ja nicht der einzige gewesen, der das Erstarken der Extremen in der Partei kritisch bewertet habe.

Die Kräfteverhältnisse in der Fraktion hätten sich zu Gunsten dieser Radikalen entwickelt. Enttäuscht war Mieruch vor allem deshalb, weil – abgesehen von Frauke Petry – keiner die Konsequenzen gezogen und die Fraktion verlassen habe. „Keiner, der zuvor gesagt hat ,Wenn der Höcke bleibt, dann gehe ich‘ ist wirklich gegangen“, schaut Mieruch zurück. Das Klammern an Privilegien und Posten bei den Abgeordneten der AfD beklagt er, vermisst Rückgrat bei einigen seiner ehemaligen Parteigefährten.

Einmischen von ganz hinten

Er sei sich der persönlichen Risiken, die der Austritt aus der Partei und der Fraktion bedeuteten, sehr wohl bewusst gewesen, sagt er. „Aber das war vor allem eine Frage der Glaubwürdigkeit für mich“. Wäre es nach den Jamaika-Sondierungen zu Neuwahlen gekommen, wäre er sicherlich nicht wiedergewählt worden. Und auch bei einem Bruch der Großen Koalition wäre bei Neuwahlen Schluss mit dem Abgeordneten-Status in Berlin.

Doch auch von der letzten Bank des Bundestags, auch als Fraktionsloser, mischt sich Mieruch ein. „Wir haben immer nur zwei, drei Minuten Redezeit“, berichtet er von Beiträgen zu den Debatten im Plenum. Mitglied ist er auch im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Das Thema liegt ihm nahe, arbeitete er doch als Mechatronik-Ingenieur im Bereich der industriellen Automatisierungstechnik.

Früher AfD, jetzt "Die Blauen"

„Bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble habe ich den Antrag gestellt, auch in der Enquette-Kommission zum Thema Künstliche Intelligenz mitarbeiten zu dürfen. Das ist aber noch nicht entschieden“, beschreibt Mieruch ein weiteres Arbeitsfeld. In der Bewältigung der täglichen Praxis im Bundestag spreche er sich mit Frauke Petry ab, berichtet Mieruch und davon, dass Mitarbeiter in den beiden benachbarten Büros Themen vorbereiten. Alleine sei das natürlich nicht zu schaffen, freut er sich über die Unterstützung.

Neben der MdB-Tätigkeit beschäftigt die beiden Abgeordneten vor allem die Partei-Neugründung „Die Blauen“. Seit gut einem Jahr gibt es diese. Mieruch ist wie Petry Mitglied und wirbt dafür – zuletzt bei einem Vortrag in Münster am Wochenanfang. „Wir wollen das gezielt und nicht überschnell angehen“, erläutert Mieruch, dass ein zu schnelles Wachstum auch Menschen anziehe, deren Ziel in erster Linie im eigenen Versorgungsdenken liege. Bei der Landtagswahl in Sachsen im kommenden Jahr sieht er gute Chancen, dass „Die Blauen“ – nicht zuletzt auch dank Frauke Petry – den Einzug in das Parlament des Freistaates schaffen werden.

Und Metelen? „Da fehlt leider oftmals die Zeit“, bekennt Mieruch. Der sitzungsfreie Sommer biete aber Gelegenheit, auch vor Ort mehr mit den Menschen in Kontakt zu treten. Bei der Feuerwehr und dem Bürgerbusverein hat sich der örtliche MdB jedenfalls bereits angemeldet.



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