Mo., 23.07.2018

Weltenbummler hat es bald geschafft Der 40 075-Kilometer-Traum

Metelen/Horstmar/Schöppingen - 

Blasen und Probleme mit dem Alleinsein kennt er nicht. Und in den vergangenen zwölf Jahren war Folke Ludewig nie krank. So lang ist der Extrem-Wanderer, der in Bad Sooden-Allendorf zu Hause ist, schon unterwegs. In Etappen hat der 61-Jährige die verschiedensten Strecken absolviert. Mit seinem 100-Kilo-Karren legt er im Schnitt 30 Kilometer am Tag zurück.

Von Axel Roll

So langsam kommt Folke Ludewig in „Endspurtstimmung“, wie er es nennt. Kein ganzer Monat mehr, und er ist wieder zu Hause. Von hier, einem Bauernhof irgendwo im Grenzgebiet zwischen Schöppingen und Horstmar, sind es noch rund 500 Kilometer. Zu Fuß, wohl gemerkt.

Wenn der 61-Jährige Anfang August seinen einachsigen Handkarren zu Hause in Bad Sooden-Allendorf in die Ecke stellt, geht eine mehr als halbjährige Wanderung zu Ende. Von Sevilla in Südspanien über den Jakobsweg und Frankreich zurück nach Deutschland. Am Ende werden es 4815 Kilometer sein. Für den Extremwanderer ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. 40 075 Kilometer auf Schusters Rappen, einmal am Äquator entlang, ist er dann gelaufen. Zwar nicht an einem Stück, aber immer auf Etappen, die jedem Normal-Spaziergänger schon bei dem Gedanken daran die Blasen an die Füße treiben.

Blasen? Für den Lebenskünstler ein Fremdwort. Auf all seinen Touren, die er in den vergangenen zwölf Jahren unter die Füße genommen hat, ist er noch nicht einmal krank gewesen. „Bewegung an der frischen Luft, kein beruflicher Stress, da muss es einem doch gut gehen“, lacht der braun gebrannte Weltenbummler.

15 Jahre ist es her. Damals kam der Freiberufler oder das Mädchen für alles, wie er sich selbst nennt, plötzlich auf die Idee, doch mal auf Wanderschaft zu gehen. „Dabei hatte ich mit Laufen vorher noch nie was an der Mütze.“ Tauchen und Surfen, das war eigentlich sein Ding. So schnürte er die Wanderstiefel und marschierte mal eben von Weil am Rhein zum Kap Arkona auf Rügen. 1200 Kilometer standen danach auf seinem Schrittzähler. „Was für ein Gefühl, nach so einer Strecke anzukommen“, erzählt der 61-Jährige von seiner Leidenschaft. So kam Marsch auf Marsch, einmal ganz durch Europa, einmal die Küste entlang und irgendwann der Gedanke, die Äquator-Umrundung zumindest kilometermäßig zu schaffen.

Folke Ludewig muss auf den Touren, die er selbst unter das Motto „Sport, Freizeit, Abenteuer“ stellt, so einige Opfer bringen. Schlafen im richtigen Bett ist für ihn die Ausnahme. Auf seinem Handkarren hat er ein Igluzelt samt Isomatte verstaut, das er am liebsten auf Bauernhöfen in einer Scheune oder unter einem Abdach aufschlägt. Warmes Essen? Fehlanzeige. „Ich lebe von Obst, viel Milch und Joghurt, Fisch, Gemüse, Müsli. Aber alles kalt und nie Fleisch.“

Das Alleinsein ist für ihn kein Problem. „Schauen Sie sich um. Wie viele Menschen sind hier im Umkreis unterwegs“, zeigt der Wanderer auf die nahe Landstraße, wo gerade ein Lastwagen hinter einem Treckergespann herzuckelt. „Wenn Du offen zu den Menschen bist, dann sind sie es auch zu dir“, weiß er aus Erfahrung. Gerade heute. „Da bin ich von vier wildfremden Leuten angesprochen worden. Ich musste nachher schon die Gespräche abbrechen, schließlich willst Du irgendwann ja auch mal ankommen.“

Auf die Idee, unangenehme Strecken mal mit der Bahn oder dem Auto abzukürzen, ist er noch nie gekommen. „Auf Ehre.“ In Schweden allerdings, da musste er sich von seinem Sohn abholen lassen. „Ich hatte nachts den PIN von meiner EC-Karte vergessen. Da stand ich ohne Geld da. Das ist mir nie wieder passiert.“

Das bisher schönste oder auch schrecklichste Erlebnis auf der Walz? Folke Ludewig kann es gar nicht sagen. „Da schwirrt mir so viel im Kopf rum.“ Manche Tage seien so, da scheint die Sonne und es klappt sofort, eine Unterkunft zu finden. Andere so. Da regnet es „und du wirst fünfmal weggeschickt“.

Hier im Münsterland hat der Wanderer gute Tage. „Alles so schön eben.“ Trotzdem wird es Zeit für zu Hause. Die drei Paar Schuhe sind an allen möglichen Stellen geklebt, die Plane auf dem Karren gerissen und auch der Rest der Ausrüstung ist so gut wie hinüber.

Heute Abend schreibt Ludewig wieder ins Tagebuch, schaut auf die Karte und plant die Route an Metelen vorbei Richtung Salzbergen. „Das müssten so knapp über 30 Kilometer sein.“ Dann sind es nur 470, bis der Traum von der Äquator-Umrundung in Erfüllung gegangen ist.



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