Do., 02.08.2018

Mit-Sinnen zum Abschluss der Ausstellung von Marcel Häkel Was will der Künstler bloß sagen?

Samuel Beutler machte sich seine Gedanken über das Bild „Der rote Faden I“ des Künstlers Marcel Häkel.

Samuel Beutler machte sich seine Gedanken über das Bild „Der rote Faden I“ des Künstlers Marcel Häkel. Foto: Maximilian Stascheit

Metelen - 

Da war Künstler Marcel Häkel selbst überrascht, welche literarischen Werke sich in Bezug zu seinem Gemälde setzen ließen. Denn auch für den fünften Teil der Veranstaltungsreihe „Mit-Sinnen“ hatten sich Clara und Samuel Beutler von der Kulturinitiative Metelen (KIM) sowie Rezitator Everhard J. Drees viele tiefgründige Gedanken darüber gemacht, wie sich das Werk denn am besten mit allen Sinnen erschließen ließe.

Von Maximilian Stascheit

Da war Künstler Marcel Häkel selbst ziemlich überrascht, welche literarischen Werke sich so alles in Bezug zu seinem Gemälde setzen ließen. Denn auch für den fünften Teil der Veranstaltungsreihe „Mit-Sinnen“, welcher jetzt in der Kulturetage stattfand, hatten sich Clara und Samuel Beutler von der Kulturinitiative Metelen (KIM) sowie Rezitator Everhard J. Drees viele tiefgründige Gedanken darüber gemacht, wie sich das Werk aus der aktuellen Ausstellung „Versuche die Welt zu begreifen“ denn am besten mit allen Sinnen erschließen ließe.

Das Gemälde „Der rote Faden I“ zeigt eine in einem Sessel sitzende Großmutter, die sich lächelnd dem Betrachter zuwendet und diesem auf der geöffneten Handfläche einen roten Faden zeigt. Dahinter ein kleiner Junge, der fasziniert auf eine Balletttänzerin schaut, die da irgendwie in der Luft zu schweben scheint.

So weit, so ungenau. Denn wie die literarische und musikalische Auseinandersetzung am Samstagabend zeigte, sind es vor allem die Details, die dem Werk ihre Faszination verleihen. Da ist zum Beispiel das abgerissene Blatt des Wandkalenders, das hinter der Vase auf einem Schränkchen liegt. „Aber warum ist die Zahl auf dem Kalenderblatt nicht erkennbar?“, warf Samuel Beutler in seinem stets musikalisch garnierten Vortrag in den Raum. Final beantworten konnte er diese wie so viele andere Fragen selbstverständlich nicht. Da halfen auch die von Everhard Drees wunderbar vorgetragenen, mal zum Nachdenken, mal zum Schmunzeln anregende Texte nicht, bei denen vor allem die Reflexion der eigenen Kindheit im Mittelpunkt stand.

„Im Gemälde und manchmal auch im Leben hat alles eine Bedeutung“, befand Samuel Beutler und nutzte daher den zweiten Teil der gut besuchten Veranstaltung, um sich mit Künstler und Publikum über die Bedeutung einzelner Bildelemente auszutauschen. Vor allem die Dunkelheit im Hintergrund regte dabei zu erhellenden Diskussionen an. „Aus dieser Dunkelheit kann alles kommen“, erklärte Samuel Beutler den Grund, weshalb ihn gerade dieser schwarze Teil so sehr fessele. Ein anderer Zuschauer warf ein, dass es in den Bildern doch vielmehr um das Licht gehe. „Die Dunkelheit ist nur dazu da, um Licht zu erzeugen“, so sein Einwand. Dem wiederum konnte Clara Beutler so nicht zustimmen: „Natürlich geht es auch ums Licht. Aber unser Blick, unsere Gedanken, bleiben doch beim Dunklen. Und wir fragen uns doch, was dahinter steckt.“

Wie gut also, dass sich in der Diskussion die Möglichkeit bot, den Künstler selbst nach seiner Intention zu befragen. Der wiederum ließ die Betrachter mit seinen Antworten weitgehend weiter im Dunkeln tappen: „Das Dunkle ist entstanden, um den Hintergrund zu füllen“, lautete Häkels simple Antwort. „Sie hat auf jeden Fall irgendeine Bedeutung, aber vielleicht kenne ich die ja selber gar nicht.“ Selbst die Grundidee der beiden gleichzeitig entstandenen Gemälde – zum Vergleich wurde im zweiten Teil auch das ähnliche Werk „Der rote Faden II“ aufgestellt – könne er heute nicht mehr erklären.

So blieb den Besuchern auch noch weiter genügend Gesprächsstoff, als Samuel Beutler die Veranstaltung offiziell um 22 Uhr beendete. Denn obgleich man sich bei der Interpretation nicht unbedingt einig war und viele offene Fragen weiterhin im Raum standen, so zeigte die Diskussion doch, dass das Gemälde auf jeden seine eigene Faszination ausübt. Und, dass so ein Kunstwerk die eigenen Sinne auf ganz vielfältige Weise zu berühren vermag.



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