Sa., 04.08.2018

Ein Besuch in der Stiftskammer Der Schatz der Kirchengemeinde

Hinter Glas werden wertvolle liturgische Geräte, Messgewänder und Leuchter aufbewahrt.

Hinter Glas werden wertvolle liturgische Geräte, Messgewänder und Leuchter aufbewahrt. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Metelen - 

Warum nicht bei den hochsommerlichen Temperaturen eine Stunde in der Kühle der Kirchenmauern verweilen? Die Stiftskammer hat am Sonntag geöffnet und bietet Interessierten mehr als nur alte Bücher, liturgische Geräte und barocke Messgewänder. Die Beschäftigung mit dem Kirchenschatz verspricht einen Einblick in die mehr als 1100-jährige Geschichte des ehemaligen

Von Dieter Huge sive Huwe

Die Pieta – die trauernde Gottesmutter mit dem Gekreuzigten in den Armen – zieht die Blicke sofort auf sich, wenn der Besucher die Stiftskammer betritt. In hellem Sandstein gearbeitet dominiert die Skulptur den Raum, in dem die Kirchengemeinde ihre Kostbarkeiten aufbewahrt. Dabei ist die Plastik zwar handwerklich gut ausgeführt, aber längst nicht das wertvollste Stück im Raum.

Den schließt Hildegard Lanvermann auf, die als Nachfolgerin von Udo Nobis derzeit eine Ausbildung zur Küsterin durchläuft. In der Stiftskammer kennt sie sich längst gut aus, der eigentliche Experte für die Kleinodien der Pfarrgemeinde ist allerdings Joachim Fontaine. Auch er ist in den erst vor einigen Jahren mit neuer Sicherheitstechnik ausgerüsteten „Kirchen-Tresor“ gekommen. Der Raum ist mehr als nur ein funktionaler Aufbewahrungsort. Die Stiftskammer, die im kommenden Jahr seit 30 Jahren besteht, ist vielmehr Präsentationsraum für den Kirchenschatz, der viel zu schade ist, um in Schubladen und Schränken zu verschwinden.

Ein Teil ist der Stiftsbibliothek gewidmet, einer etwa 350 Werke umfassenden Sammlung von Bibeln, Messbüchern, Predigt- und Erbauungsbüchern, aber auch theologischen und philosophischen Werken. Sie sind die Reste der Sammlung des früheren Stifts.

Besonders interessant ist ein mittelalterliches Graduale. „Es enthält keine Noten, wie wir sie heute kennen, sondern sogenannte Neumen. Das waren Dirigieranweisungen für den Kantor, die dieser dem Chor gab“, erläutert Joachim Fontaine, der sich in der Sammlung gut auskennt. Bemerkenswert ist auch ein Graduale, ein liturgisches Buch, in dem die Zwischengesänge während der heiligen Messe festgehalten wurden. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert, vermutlich aus dem Jahr 1260, und gilt als das älteste Exemplar seiner Art im Bistum.

Gleich mehrere Vitrinen zeigen barocke Messgewänder, in einer anderen stehen silberne Leuchter. „Die werden auch heute noch an Hochfesten im Altarraum aufgestellt“, erläutert die Küsterin in spe.

Die allermeisten Exponate passen allerdings nicht mehr zur modernen Liturgie. Gerätschaften, die einst Verwendung in der Kirche fanden, werden jetzt in den handwerklich exzellent gearbeiteten Glasvitrinen präsentiert.

Eher unscheinbar findet sich hinter Glas auch das sicherlich wertvollste Objekt der Kammer, die so genannte Burse. Das mit Halbedelsteinen verzierte Taschenreliquiar wurde in der Form einer Geldbörse gearbeitet und ist materiell von eher untergeordnetem Wert. Es stammt allerdings aus dem frühen 11. Jahrhundert, ist damit eines der ältesten Zeugnisse christlich-plastischer Kunst in Westfalen und allein schon ein Grund, die Stiftskammer zu besuchen.

Die Stiftskammer von Ss. Cornelius und Cyprianus ist zwischen Mai und Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet.



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