Diakon Ludwig Göbel hört auf
Raketentechnik und der Ruf in die Gemeinde

Metelen -

Ludwig Göbel, der als Diakon über Jahrzehnte im Dienst der katholischen Pfarrgemeinde stand, ist seit Beginn des Monats

Montag, 24.09.2018, 06:00 Uhr
Ludwig Göbel in seinem Lieblingssessel: Nach Jahrzehnten im Dienst der katholischen Pfarrgemeinde Metelens wechselt der Diakon in den Ruhestand. Am Sonntag wird er verabschiedet.
Ludwig Göbel in seinem Lieblingssessel: Nach Jahrzehnten im Dienst der katholischen Pfarrgemeinde Metelens wechselt der Diakon in den Ruhestand. Am Sonntag wird er verabschiedet. Foto: Martin Fahlbusch

Die, die in den letzten Tagen und Wochen die Informationstafeln in der der Pfarrkirche oder die Homepage der katholischen Kirchengemeinde Ss. Cornelius und Cyprianus intensiv studiert haben, sind sicher auf eine Meldung gestoßen, die für die Pfarrei von großer Bedeutung ist:

Pfarrdiakon Ludwig Göbel und seine Frau Christa, die diesen Dienst mitgetragen und immer wieder als Aushilfsküsterin fungiert hat, wurden mit Wirkung zum 1. September vom Münsteraner Diözesanbischof Felix Glenn emeritiert. Am Sonntag (30. September) werden die beiden im Hochamt um 10.30 Uhr mit anschließender Begegnung im Pfarrzentrum Oase verabschiedet.

„Die beiden sehen doch noch super aus, aber als ich neulich den Bogen zu ihrer Goldenen Hochzeit gesehen habe, bin ich auch ins Rechnen gekommen“, erzählt uns der Postbote, als wir die Hausnummer 19 auf der Kolpingstraße suchen. „Nichts gegen Komplimente“, sagt dann Ludwig Göbel bei der Begrüßung, „aber vor einiger Zeit bin ich auch noch 75 Jahre alt geworden – und wer weiß, wie das mit mir in fünf Jahren gesundheitlich aussieht“, gibt der mehr als rüstige Herr zu bedenken. Er habe sich für einen „Cut“ – wie das im Englischen und Amerikanischen heißt – also einen klaren Schnitt entschieden.

Solche Begrifflichkeiten sind Ludwig Göbel alles andere als fremd, denn er ist Ehrenbürger der amerikanischen Stadt Huntsville in Alabama, wohin es ihn als junger Leutnant und Zeitsoldat zu Studienzwecken hin verschlagen hat. Elektrotechnik und eben Raketentechnik standen auf seinem Studienplan. „In den Semesterferien haben meine Frau Christa und ich geheiratet“, erinnert er sich. Und es war dann noch ein weiter und ebenfalls spannender Weg, bis er nach weiteren und ganz anderen Studien dann ans Berufskolleg in Ahaus als Lehrer und später als stellvertretender Schulleiter und in den 1980-Jahren in Metelen landete.

Irgendwie schloss sich damit für den 1943 in Welbergen Geborenen und seine Frau Christa, die aus Wettringen stammt, ein bestimmter Kreis. „Ein neuer tat sich auf, als mich der damalige Ortspfarrer Erich Elpers ansprach, ob ich nicht in der Gemeinde als Diakon für die Sache Jesu arbeiten könnte. Nach reiflicher Überlegung habe ich 1986 das Fernstudium in Würzburg und die Ausbildungszeit in Münster aufgenommen – neben meinem eigentlichen Beruf. Das war eine erhebliche Herausforderung und sicher auch Belastung für meine Frau und unsere beiden Kinder, die damals in diesem speziellen Alter waren“, schmunzelt er.

Das neue Studium und die Perspektive der konkreten Arbeit mit den Menschen in der Pfarrgemeinde hätten ihn regelrecht gepackt. Im Jahr 1990 wurde er dann vom damaligen Münsteraner Bischof Reinhard Lettman zum Diakon (mit Zivilberuf, wie es so vielsagend heißt) geweiht.

„Seitdem ist mein Platz auch seelsorgerisch in Metelen. Ich habe mich verstärkt in der Pfarrcaritas engagiert und war Kolping-Bezirkspräses Steinfurt und der Kolpingfamilie Metelen. In der Pfarrcaritas ging es mir immer um die, die im Leben, eben auch im Leben der Gemeinde, am Rande stehen – und das in vielen Fällen unverschuldet. Hier sehe ich eine ganz wichtige Aufgabe von Kirche heute und eine wichtige lebenspraktische Umsetzung des christlichen Auftrags“, betont der scheidende Diakon. Und so wie er es sagt und vorträgt, merkt man, dass ihm das Aufhören noch gar nicht so leicht fällt.

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