Fr., 05.10.2018

Podiumsdiskussion rückte Nutzung elektronischer Medien im Unterricht in den Fokus Zwischen Anspruch und Realität

Die frühere NRW-Familienministerin Christina Kampmann stellte die Anforderungen der Digitalisierung in der Bildungspolitik in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen.

Die frühere NRW-Familienministerin Christina Kampmann stellte die Anforderungen der Digitalisierung in der Bildungspolitik in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Foto: Martin Fahlbusch

Metelen - 

Wie können digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden und wo ist dies überhaupt sinnvoll? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich intensiv er politische Frühschoppen der SPD. Experten gingen in ihren Beträgen auch den Fragen nach, welches Interesse die Wirtschaft an derartigen Unterrichtsformen hat und welche Ausbildung die Lehrer bedürfen, um digitale Medien sinnvoll einsetzen zu können.

Von Martin Fahlbusch

Der politische Frühschoppen der Metelener SPD am Tag der Deutschen Einheit zum Thema „Digitalisierung in Schule und Arbeitsfeld“ im Alten Amtshaus sollte ein thematischer Dreiklang werden. Dazu hatte man sich die ehemalige Landesfamilienministerin und heutige Digitalisierungsexpertin der SPD-Landtagsfraktion, Christina Kampmann, den Zukunftsforscher und Informatiker Dr. Gunnar Schomaker vom Innovationscampus Paderborn und Rafael Maiwald, Lehrer mit einschlägigen digitalen Unterrichtserfahrungen an der Kreuzschule in Heek eingeladen.

Da Gunnar Schomaker aber irgendwo im Feiertagsverkehr steckenblieb, wurde es ein zweipoliger, etwas schullastiger, gleichwohl interessanter und diskussionsfreudiger Vormittag, für den Clara Beutler die pfiffige Moderation übernommen hatte.

Sie konfrontierte die Podiumsteilnehmer mit der bemerkenswerten Information, dass im Internet sowohl über die Politikerin als auch den Pädagogen wenig zu erfahren war, weil deren Internetseiten entweder nicht gefunden wurden oder gerade „im Umbau“ waren. Und diese Spannung zwischen Anspruch und Realität sollte denn auch das Grundmuster der beiden Impulsreferate der Ex-Ministerin und des aktuellen Sekundarschul-Lehrers sein.

Christina Kampmann formulierte zwar anfangs griffig, dass die Realpolitik in Sachen Digitalisierung zu lange zu langsam gewesen sei. „Trotzdem dürfen wir bei diesem Thema auf keinen Fall aus den Augen verlieren, dass wir hier von technisch-ökonomischen Interessen getrieben werden. Unsere Aufgabe – gerade aus der Sicht der SPD – muss es sein, diesen Zusammenhang zu reflektieren und Obacht darauf zu geben, dass viele Menschen nicht zu Digitalisierungsverlierern werden“, hob Christina Kampmann hervor. Andererseits verschloss sie nicht die Augen vor evidenten Zusammenhängen der Nutzung der digitalen Medien je nach unterschiedlichem Bildungshintergrund.

Die Losung „Bildungsförderung durch Nutzung der Digitalisierung“ war für sie deshalb genauso zentral wie der – gerade in ländlichen Strukturen – notwendige Ausbau eines flächendeckend schnellen Internets. Mit Blick auf die neuen Anforderungen müsse die Lehrerbildung strukturell (und nicht durch löbliche Eigeninitiative) den komplexeren digitalen Anforderungen angepasst werden. Mit Blick auf die Veränderungen in der Arbeitswelt (zum Beispiel den Wegfall von Arbeitsplätzen oder Beschäftigungsumstrukturierungen) stellte sie die Frage nach einen anderen Sozialstaatskonzept, wenn Arbeit anders verteilt und Fragen nach Lebensqualität lauter würden. „Digitalisierung ist kein Zauberwerk, erfordert aber ernstzunehmende Ausstattung im schulischen Sektor, Augenmaß für Neuerungen kann aber Lernen in der Schule ungemein befördern“, wusste Rafael Maiwald anschaulich und mit kenntnisreichen Schautafeln zu erläutern.

Andererseits seien Basisqualifikationen wie Lesen, Schreiben und Rechnen keineswegs aus der Mode gekommen, sondern heute umso notwendiger. Digitalisierung könne das Lernen, die selbstständige und kreative Wissensanhäufung befördern, habe aber auf Pädagogenseite ein nicht wegzudiskutierendes Qualifikationsdefizit.

„Das lässt sich nicht mal so nebenbei im Schulalltag von selbstlernenden und motivierten Speziallehrern auffüllen, sondern muss Qualifikation systematisch und strukturell bereitstellen“, forderte Maiwald eindringlich.

Erfrischend war auch sein Plädoyer für einen verantwortbaren Umgang mit der neuen Technik, gerade bei Kindern und Jugendlichen (Suchttendenzen) sowie der eindringliche Hinweis, dass in diesem Feld klare industriell-ökonomische Tendenzen und Interessen auszumachen seien.

Die anschließende belebte Diskussion vertiefte die Aspekte von notwendiger Infrastruktur und ebensolcher Qualifizierung, die Lehrern nicht einfach zusätzlich zu ihren Aufgaben „noch obendrauf gepackt“ werden dürfte.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6098895?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F