Wolfgang Zutelgte hat in seiner Schuhmacher-Werkstatt gut zu tun
So weit die Sohlen tragen

Metelen -

Schuhreparatur in der Werkstatt? Ist das noch üblich oder gilt dieser Service in Zeiten von Dumping-Preisen nur als Überbleibsel längst vergangener Tage? WN-Mitarbeiterin Susanne Menzel hat mit Orthopädie-Schumacher Wolfgang Zutelgte gesprochen und ihm in seiner Werkstatt über die Schulter geschaut.

Montag, 29.10.2018, 06:00 Uhr aktualisiert: 29.10.2018, 17:00 Uhr
Die Nähmaschine rattert in Wolfgang Zutelgtes Werkstatt. Reißverschlüsse an Schuhen oder auch gerissene Nähte an Taschen werden dort wieder fachmännisch instand gesetzt.
Die Nähmaschine rattert in Wolfgang Zutelgtes Werkstatt. Reißverschlüsse an Schuhen oder auch gerissene Nähte an Taschen werden dort wieder fachmännisch instand gesetzt. Foto: Susanne Menzel

Zeigt her eure Füße – egal, ob barfuß oder beschuht. Das untere Ende des Körpers genießt in der Regel wenig Aufmerksamkeit. Zumindest im Großteil der Männerwelt. Bei den Frauen – hoch lebe das Vorurteil – sieht’s da mitunter schon anders auf. An einen zierlichen Damen-Fuß gehört ein hübscher Schuh. Und davon gleich an jedem Tag ein anderer. Schuhwerk als Massenware. Und nach der Saison wieder weg. Reparatur? Lohnt sich bei den Dumping-Preisen kaum noch.

Da mutet dieses kleine, selbst geschriebene Schild in der Eingangstür des Schuhhauses Hillmann schon fast exotisch an: „Schuhreparatur – in eigener Werkstatt“. Ein Überbleibsel längst vergangener Tage? Oder wirklich noch aktuell? „Klar, wir reparieren selbstverständlich noch Schuhe“, bestätigt auf Nachfrage Wolfgang Zutelgte. Seine Frau, Elisabeth Hillmann-Zutelgte, Geschäftsführerin des Unternehmens, das inzwischen in dritter Generation dem Kunden „an die Füße geht“, nickt: „Wir verkaufen zum einen hochwertige Markenware, zum anderen hat sich mein Mann zum orthopädischen Schuhmacher ausbilden lassen.“

„Ich war in diesem Beruf ein Späteinsteiger“, sagt der 54-Jährige. Zunächst hatte er Einzelhandelskaufmann gelernt, sich dann für eine zweite, dreieinhalbjährige Ausbildung entschieden. Und das Umsatteln nicht bereut: „Es ist ein schöner Beruf“, gibt er zu – und einer, der nach wie vor populär und gefragt sei.

„Sicherlich lohnt es sich nicht, Schuhe vom Discounter für ein paar Euro groß überarbeiten zu lassen“, weiß er, „aber Markenschuhe, die nach wie vor ihr Geld kosten, sind es allemal wert.“ Am häufigsten werden Sohlen und Absätze erneuert: „Die laufen sich nun mal zwangsläufig ab.“ Und wenn die Treter dann noch vom Besitzer gut gepflegt werden, können sie sich schon über viele Jahre halten. „Ein Kunde besitzt ein Schuhpaar seit 20 Jahren“, weiß Wolfgang Zutelgte. Das sei zwar eher eine Ausnahme denn eine Regel, „aber ein paar Jahre sind durchaus keine Seltenheit.“ Nachhaltigkeit, ergänzt Ehefrau Elisabeth, „hört ja nicht beim Essen oder der Kleidung auf, auch Schuhe gehören dazu. Auch wenn sie leider inzwischen vielfach als Wegwerfware angesehen werden.“

Das kleine Reich von Wolfgang Zutelgte liegt direkt hinter dem Ladenlokal. Schon beim Betreten schwappt dem Besucher der Duft von Leim und Kleber in die Nase. Gemischt mit einem Hauch von Leder. Eine Nähmaschine steht in der Ecke, eine Schleif- und Poliermaschine ebenso. Diverse Werkzeuge, liegen auf den Arbeitstischen. In den Regalen die Schuhpaare, die auf eine Verschönerungskur warten.

In der Regel sind die zu bearbeitenden Materialien aus Leder. Taschen, Winterboots, aber auch Reitstiefel. „Gerade bei letzteren geht beispielsweise gerne einmal der Reißverschluss kaputt“, erklärt der orthopädische Schuhmacher. Und der Begriff „orthopädisch“ umreißt auch gleich ein zweites Feld, das der Metelener beruflich bespielt: „Schuherhöhungen bei Fußproblemen oder Beinverkürzungen, aber auch Einlagen sind ebenfalls mein Metier. Wir fassen das unter dem Begriff ‚Schuhzurichtung‘ zusammen“, sagt Zutelgte.

Sehr viele dieser Angebote gibt es „auf dem platten Land“ nicht mehr. „Meine Kundschaft kommt deshalb nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus dem Umland“, freut sich der 54-Jährige, dass seine Arbeit auch jenseits des Ortsschildes gewürdigt wird.

Einmal bei den Füßen angelangt, wird bei Hillmann-Zutelgtes gleich ein Rundum-Paket draus: Verkauf, Reparatur – und zu guter Letzt hat sich die Chefin noch auf Fußpflege spezialisiert: „Wie gesagt, die Füße sind weit weg vom Kopf. Deshalb lassen viele sie außer Acht. Irgendwann aber melden sie sich.“ Hoffentlich rechtzeitig, bevor man die Füße unter die Arme nehmen muss.

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