Krätze-Fälle hielten St.-Ida-Haus in Atem
Das A und O: Kommunikation

Metelen -

Die Krätze, eine durch winzige Milben übertragene Hautkrankheit, ist auf dem Vormarsch, wie die Vergleichszahlen des Gesundheitsamtes zeigen. Auch im St.-Ida-Haus gab es im vergangenen Herbst zwei Fälle. Die Heimleitung des Seniorenheims schildert jetzt den Umgang der Einrichtung mit der infektiösen Krankheit und die detektivische Suche nach dem möglichen Übertragungsweg.

Donnerstag, 17.01.2019, 06:00 Uhr
Bei auffälligem Hautjucken raten die Gesundheitsbehörden, einen Arzt aufzusuchen.
Bei auffälligem Hautjucken raten die Gesundheitsbehörden, einen Arzt aufzusuchen. Foto: dpa

Sie sind so klein wie ein sanft aufs Papier gedrückter Bleistiftpunkt aber so unangenehm in ihren Folgen, dass viele schon beim Gedanken daran anfangen, sich zu kratzen: Krätze-Milben sind winzige Tierchen, die sich in die menschliche Oberhaut bohren und dort in den Kanälen Kotballen und ihre Eier ab. Ihre Absonderungen führen zur erheblichen Schädigung der Haut.

Sicherlich kein schönes Thema der Zeitungslektüre am Frühstückstisch, aber eben eines, das das St.-Ida-Haus im Ort über Monate in Atem hielt. In dem Seniorenheim waren zwei Fälle erkannt worden – und diese beschäftigten das Personal bis in den Dezember hinein.

Ältere Menschen neigen dazu, sich aufgrund ihrer dünner werdenden Haut zu kratzen, erläuterte die Heimleiterin Petra Brauckmann. Das Pflegepersonal, dem die beiden Bewohner dennoch aufgefallen waren, habe den Hausarzt hinzugezogen. Dem seien auch andere Fälle im Ort, aber außerhalb des Hauses, bekannt gewesen, so Brockmann. Die Hautärztin lieferte letztlich Klarheit: Es handelt sich um zwei Fälle von Skabies, wie Krätze wissenschaftlich genannt wird.

Die Pflegeeinrichtung meldete die Fälle nicht nur dem Gesundheitsamt, sondern holte sich dort auch fachlichen Rat im Umgang mit der Krankheit. Dies betraf nicht nur die Pflege der beiden Bewohner, sondern auch einen geschärften Blick auf mögliche Übertragungswege. „Wir haben das Umfeld beleuchtet“, umschreibt es Brauckmann. Ihre Stellvertreterin Nicole Boest, die damals Dienst hatte, verglich es mit detektivischer Spurensuche. So wurden Kontaktpersonen, wie etwa Angehörige, informiert – auch darüber, dass sie mögliche Infektionsträger wären, gerade auch, wenn sie in den Bereichen Schule, Kita oder Pflege arbeiteten. „Kommunikation ist in so einem Fall das A und O“, betont Petra Brauckmann.

Die Werksärztin informierte ferner das Personal des St.-Ida-Hauses über Verhaltensregels. Die Hauswirtschafter hatten alle Hände voll zu tun, um Textilien zu reinigen. „Das ging hin bis zu den Kuscheltieren und Lieblingsdecken der Betroffenen“, beschreibt dies Heimleiterin Brauckmann. Alles wurde gewaschen oder für Tage in luftdichte Plastikbeutel verpackt – denn das bedeutet für die lästigen Krabbeltierchen den Garaus.

Alle Maßnahmen hatten letztlich zur Folge, dass es bei den beiden Fällen der betroffenen Bewohner blieb. Doch noch bis in den Dezember hinein mussten diese mit speziellen Waschlotionen behandelt und immer wieder der Fachärztin vorgestellt werden.

Die Detektivarbeit bei der Suche nach dem Übertragungsweg trug letztlich Früchte: Beide Bewohner waren während der möglichen Ansteckungszeit im Krankenhaus gewesen – und zwar in zwei unterschiedlichen Hospitälern.

Wie heißt es doch im Merkblatt des Gesundheitsamtes: „Ausbrüche (der Krankheit, d. Red) treten dort auf, wo Personen über länger Zeit zusammenleben, betreut oder medizinisch versorgt werden, und in dem zusätzlich Haut-zu-Haut-Kontakte regelmäßig vorkommen. Hierzu zählen Kindergärten, Einrichtungen für Behinderte, Obdachlosenasyle, Gefängnisse, Altersheime und Krankenhäuser.“

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