Norwegerin schaut dem Team im Frisiersalon Hüsing über die Schultern
Motiviert bis in die Haarspitzen

Metelen -

Sie reiste aus dem hohen Norden an und schaut dem Team des Friseursalons Hüsing drei Wochen lang über die Schultern.

Samstag, 06.04.2019, 06:00 Uhr
Victoria Vebenstad schaut aufmerksam zu, wie Friseurmeisterin Andrea Schleusner arbeitet.
Victoria Vebenstad schaut aufmerksam zu, wie Friseurmeisterin Andrea Schleusner arbeitet. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Sie ist eher der stille Typ, doch wer Victoria Vebenstad beobachtet, der merkt rasch, dass sie hoch konzentriert bei der Sache ist. Die 17-Jährige schaut aufmerksam zu, als Andrea Schleusner dem Kunden eine flotte Kurzhaarfrisur verpasst. Motiviert bis in die Haarspitzen – das geflügelte Wort passt hier im Salon Hüsing wunderbar für die Neue im Team.

Sie kommt aus Norwegen und schaut drei Wochen lang Kevin Hüsing und seinen Mitarbeiterinnen über die Schultern und lernt dabei all die kleinen Kniffe und Handgriffe, die für eine gestandene Friseurin zum Handwerkszeug gehören.

„Die haben mich hier herzlich aufgenommen“, ist der jungen Frau zu entlocken, als wir sie nach ihrem ersten Tag im Salon am Sendplatz treffen. Gemeinsam mit vier weiteren Auszubildenden war sie aus Mittelnorwegen via Oslo mit dem Flieger nach Düsseldorf angereist, um drei Wochen lang im Münsterland die Praxis in einem deutschen Frisiersalon kennenzulernen.

Sie ist die einzige Frau im Quintett – die Jungen sind angehende Metallbauer und Kfz-Mechatroniker. „Als wir in den Klassen der Friseure angefragt haben, wer ein Praktikum in Deutschland machen möchte, hat sich nur Victoria gemeldet“, erinnert sich Rune Frøystad, der den Austausch mit den deutschen Partnern der Handwerkskammer Münster organisiert (s. Infokasten) und in dieser Woche die Praktikanten besucht. Im Salon Hüsing bekommt er nur positive Rückmeldung und da das Gespräch auf Englisch geführt wird, muss auch die eher zurückhaltende Viktoria gleich mehrfach schmunzeln.

Etwa als Andrea Schleusner, die die Norwegerin ein wenig unter ihre Fittiche genommen hat, von dem Maschinenschnitt berichtet, den die 17-Jährige unter Aufsicht machen durfte: „Ich habe ihr gesagt, sie dürfte durchaus weiter atmen.“

Die Stimmung in der Runde ist genauso locker wie die im Salon, in dem Victoria zuschaut, aber auch selber ausprobieren darf. Natürlich nicht am lebenden Objekt, sondern an einem Frisierkopf, an dem sie aus einer langen Mähne bereits einen flotten Bob zauberte – inklusive Färben.

Für die Norwegerin stand schon während der Schulzeit fest, dass sie unbedingt Friseurin werden wollte: „Das war immer schon mein Wunsch“, erklärt sie und schildert, dass sie in der Familie geübt hat. Mit Erfolg, denn jetzt steckt sie bereits im zweiten Jahr ihrer Ausbildung. Diese dauert vier Jahre und gliedert sich in zwei Jahre an der berufsbildenden Schule in der malerischen Küstenstadt Ålesund und zwei Jahre in einem Salon. Der Besuch in Deutschland ist damit schon ein Vorgriff auf die praktische Arbeit im Salon.

Und dabei stellt sich die 17-Jährige so geschickt an, dass die Kollegen auf Zeit ins Schwärmen geraten. „Sie strahlt eine so angenehme Ruhe aus“, freut sich An­drea Schleusner über die Praktikantin, die während ihres Aufenthalts bei einer Gastfamilie in der Bauerschaft Samberg wohnt.

„Ich bin restlos begeistert“, lobt auch Salon-Inhaber Kevin Hüsing. Der Friseurmeister bedauert es, dass sich die junge Norwegerin am kommenden Samstag wieder – gemeinsam mit den vier anderen Azubis aus Norwegen – ins Flugzeug setzen wird, um in die Heimat zurückzufliegen.

Hüsing ist nämlich derzeit noch vergeblich auf der Suche nach einer oder einem Auszubildenden für den Salon: „Victoria würde ich mit Kusshand nehmen.“

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