Maria Dittrich war früher Stadtführerin
Von Silbersherrys, Geheimgängen und Originalen

Metelen -

Spannende Geschichten über die Menschen, Begebenheiten oder so manchen Anlaufstellen in der Vechtegemeinde. Maria Dittrich kennt viele Geheimnisse Metelens. Sie war dort in den 80er und 90er Jahren als Stadtführerin unterwegs.

Samstag, 03.08.2019, 06:00 Uhr
Maria Dittrich hat in den 80er und 90er Jahren Stadtführungen durch Metelen angeboten.
Maria Dittrich hat in den 80er und 90er Jahren Stadtführungen durch Metelen angeboten. Foto: Irmgard Tappe

Maria Dittrich? Wer die Metelenerin kennt, denkt zunächst an das Kreative Bauernstübchen im Hause Kirsch. Das hat sie bis zur Schließung im Dezember 2018 geleitet. Doch es gab in den 1980er/90er Jahren auch schon einmal die Stadtführerin Maria Dittrich.

Über diese Zeit plaudert die 79-Jährige an diesem Sommernachmittag auf der Terrasse ihres Hauses. Und wer ihr zuhört, der erkennt schnell, dass Maria Dittrich auch diesen Job mit viel Herzblut ausgeübt hat. Eine entsprechende Qualifikation hatte sie 1983 in einem Seminar erworben. Während dieses Lehrgangs lernte sie, worauf es bei einer interessanten Stadtführung ankommt. Denn nicht allein das historische Wissen über die Sehenswürdigkeiten ist entscheidend, sondern auch die Art der Präsentation, bei der die Gestik ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Wer nämlich stocksteif da steht und die Daten und Fakten mit monotoner Stimme aufzählt, wird seine Zuhörer wohl kaum fesseln. „Ich habe die historischen Fakten gern mit kleinen Geschichten untermalt. Das schien den Leuten zu gefallen“, erinnert sich die ehemalige Stadtführerin.

Sie hat nicht gezählt, wie viele Menschen sie durch die Vechtegemeinde geführt hat. Schulklassen, Vereine, Clubs, Familien, aber auch Gruppen von außerhalb, die mit Bussen kamen. Die Meisten hätten sich für Kirche, Schatzkammer und Äbtissinnenhaus interessiert. „Die Führungen starteten in der Regel an Plagemanns Mühle. Dort habe ich jedem Gast zuerst einen Silbersherry eingeschenkt. Häufig kam die Frage, warum das Getränk so heißt. Ich habe dann geantwortet, dass zwei dieser Sherrys noch als unbedenklich gelten, während man nach dem dritten Pinneken einen Silberblick bekommt. Und schon hatte ich die Zuhörer auf meiner Seite“, erinnert sich Maria Dittrich schmunzelnd.

Dann habe sie die Leute eintauchen lassen in eine Zeit, als die Stiftsdamen und Äbtissinnen das Stift bewohnten. Früher habe ein unterirdischer Gang vom Stiftsgebäude zur Kirche geführt, Damit die Herrschaften jederzeit sicher zur Kirche kamen.

„Gern bin ich mit den Besuchern auch über den Stadtwall gegangen, sofern es der Zeitplan zuließ“, erzählt sie weiter. Aber es schlängeln sich noch viele andere historische Geschichten durch Metelen. Da war zum Beispiel Onkel Max, der in der ehemaligen Altentagesstätte eine Gastwirtschaft und Bäckerei betrieb. Oder das kleine Häuschen in Hünings Gasse mit Schankwirtschaft und Lebensmittelgeschäft. Oder die Holzschuhmacherei „Auf dem Mersch“. Wo man dem Holzschuhmacher Wenning bei der Arbeit über die Schulter schauen konnte. „Es gab früher auch einige Metelener Originale“, fährt Maria Dittrich fort. Einer von ihnen sei der alte Kemper vom Mersch gewesen. Zur Nazizeit hätte ein SS-Offizier ihn mit „Heil Hitler“ begrüßt. Der alte Kemper habe es gewagt, mit „Vergelt‘s Gott“ zu antworten.

Um bei einer Ortsführung auf jedes Klientel einzugehen, sei eine gewisse Menschenkenntnis erforderlich. Erwachsene hätten zum Beispiel andere Interessen als Kinder, weiß Dittrich. Auf ihrem Gartentisch liegt eine Mappe mit Schülerzeichnungen und netten Texten. „Eine Klasse der St. Vitus- Schule hat mir die Mappe nach einer Stadtführung als Dankeschön geschenkt. Ich werde sie immer aufbewahren“, freut sich Maria Dittrich noch heute.

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