Verkündigungsgruppe in der Stiftskammer
Bildwerk stammt aus dem Jahr 1911

Metelen -

Die „Verkündigungsgruppe“ in der Kirche Ss. Cornelius und Cyprianus ist nicht wie bislang angenommen spätgotischen Ursprungs, sondern stammt aus dem Jahr 1911. Das bestätigte jetzt Joachim Fontaine, anerkannter Experte für Exponate in der Stiftskammer als auch für die Kunstwerke an den Kirchenwänden.

Samstag, 03.08.2019, 06:00 Uhr
Die Verkündigungsgruppe: Erzengel Gabriel verkündet der Jungfrau Maria, dass sie ein Kind gebären wird. Die Botschaft ist untermalt mit Symbolen und Texthinweisen, etwa in dem Buch, das Maria in der Hand hält.
Die Verkündigungsgruppe: Erzengel Gabriel verkündet der Jungfrau Maria, dass sie ein Kind gebären wird. Die Botschaft ist untermalt mit Symbolen und Texthinweisen, etwa in dem Buch, das Maria in der Hand hält. Foto: Kurlemann

Rund 20 Frauen aus der Frauengemeinschaft sind im vergangenen Advent unbewusst zu Geheimnisträgerinnen geworden. Petra Weßling informierte über die „Verkündigungsgruppe“, die in der Kirche Ss. Cornelius und Cyprianus in Metelen hängt. Sie klärte auf, dass die Verkündigungsgruppe nicht wie bislang angenommen spätgotischen Ursprungs sei, sondern aus dem Jahr 1911 stammt – und das nachweislich. Diese Infos hatte sie von Joachim Fontaine erhalten.

Fontaine, anerkannter Experte für die Exponate in der Stiftskammer als auch für die Kunstwerke an den Wänden der Kirche, berichtet dieser Zeitung von einem Gespräch mit dem langjährigen Küster Udo Nobis. Dieser habe ihm fast beiläufig erzählt, dass er eine Gruppe von Vertretern aus Minden begleitet habe, die sich die beiden Figuren intensiv angeschaut und entsprechende Bemerkungen gemacht hätten. „Dann habe ich einige Zeit gebraucht, um alles nachvollziehen zu können“, erzählt er. „Da habe ich den Leuten bei Führungen jahrelang etwas Falsches erzählt“, schmunzelt Fontaine. „Aber ich habe es auch nicht besser gewusst.“ Außer bei der Frauengruppe im vergangenen Jahr habe er noch nicht viel über die neuen Erkenntnisse gesprochen.

Fontaine hat die Unterlagen unserer Zeitung zur Verfügung gestellt. Die Geschichte der Figurengruppe: „Mit Urkunde vom 20. November 1906 genehmigte der Bischof von Münster, Hermann Dingelstad, die Gründung einer Jungfrauen-Congregation mit der Bezeichnung: „Unsere Jungfrau Maria vom Engelsgruß“ (Mariä Verkündigung) in Metelen. Mit einer zweiten Urkunde vom gleichen Tag setzte er Kaplan Wilhelm Mühlenkamp als Präses der Congregation ein. Die neugegründete Vereinigung verzeichnete schnell großen Zulauf. Schon nach kurzer Zeit war die Mitgliederanzahl auf 440 Metelener Frauen angewachsen.

Der Präses war bemüht, gemäß der Bezeichnung der Congregation eine Verkündigungsgruppe für die Ausschmückung der Metelener Kirche zu beschaffen.

Er wandte sich im Dezember 1910 mit einer entsprechenden Bitte an den Bildhauer Anton Mormann aus Wiedenbrück, der schon für andere Kirchen verschiedene Kopien von mittelalterlichen Kunstwerken geschaffen hatte.

Mormann setzte sich mit Dompropst Alfred Meyer in Minden in Verbindung und erhielt von diesem die Genehmigung, die dortige Verkündigungsgruppe für drei Monate zum Kopieren in seine Werkstatt zu übernehmen.

Das Ergebnis ist noch immer in der Metelener Kirche zu sehen, während das Original während der Bombardierung des Mindener Domes im Zweiten Weltkriegs verbrannt ist. Der genaue Termin der Übergabe der Gruppe ist nicht mehr feststellbar“, hat Joachim Fontaine herausgefunden.

„Für die Schnitzarbeiten wurden an Bildhauer Mormann am 15. Februar und am 2. März 1911 445,90 Goldmark bezahlt. Für das Polychromieren – Bemalen und Vergolden – erhielt Peter Jansen aus Kevelaer am 2. März 1911 insgesamt 111,15 Goldmark.“

Bemerkenswert sei, dass die Congregation in Metelen auf große Unterstützung gestoßen ist. „Der gesamte Betrag wurde durch Sammlungen und Einzelspenden aufgebracht“, sagt Fontaine und verweist auf noch vorhandene Listen, in denen die Namen der Spender und die jeweiligen Beträge dokumentiert sind.

Der Kunsthistoriker Dr. Roland Pieper hat in einem Aufsatz im Band 77 für die Zeitschrift „Westfalen – Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde“ bereits 1999 unter dem Titel „Kopie und Original - die Verkündigungsgruppe in der Pfarrkirche zu Metelen“ die Geschichte in weiten Teilen dokumentiert. Eine Zeitschrift, die einen wohl eher ausgewählten Leserkreis haben dürfte.

Wenn Küster Udo Nobis nicht zufällig die Gruppe aus Minden getroffen hätte, würde Joachim Fontaine bei seinen Führungen noch immer die alte Geschichte erzählen.

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