Zum Weltkatzentag
Interview mit einer Katze: Endlich kommen wir mal zu Wort

Metelen -

Am Donnerstag ist Welttag der Katze. Grund genug, um an dieser Stelle mal einen Stubentiger zu Wort kommen zu lassen. Einfach war es nicht, Emma zu einem Interview zu überreden. Nach ein paar Schnurrern und Fauchern klappte der Dialog dann aber doch.  

Donnerstag, 08.08.2019, 06:00 Uhr
Zum Weltkatzentag: Interview mit einer Katze: Endlich kommen wir mal zu Wort
Hauskatze Emma lebt seit zehn Jahren auf einem Bauernhof in Metelen. Foto: Susanne Menzel

Hauskatze Emma ist vor rund zehn Jahren bei ihrer Menschenfamilie eingezogen. Die getigerte Lady hat sich gerade zum Mittagschlaf auf einen Stuhl in der Sonne zurückgezogen und miaut etwas ungehalten über die Störung. Ein Interview? Zu dieser Zeit? Ungern! Aber gut, wann bekommt man sonst die Möglichkeit, seine tierischen Anliegen einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen? Emma streicht sich kurz über die Schnurrhaare und richtet sich leckend das Fell (Fürs Foto! Muss sein!): „Ich warte auf Ihre Fragen, gute Frau!“

Emma, vorab, darf ich dich eigentlich duzen? Du lebst hier auf einem Bauernhof. Ist das ein idealer Ort für dich und deine Artgenossen? Oder fändest du es in der Stadt spannender?

Emma: Gegenseitiges duzen ist okay. Ich bin ja keine von den vornehmen, hochgestochenen Vertretern meiner Rasse. Ich bin – wie sagt man bei euch Menschen – eine Straßenmischung mit wilden Genen. Und darauf bin ich stolz. Ich brauche weder Papiere noch sonst etwas. Das bringt mich persönlich ohnehin nicht weiter. Und mein Leben hier? Ideal, kann ich nur sagen. Mäuse in Massen, kleine Kaninchen – was will die Katze mehr als solch ein Umfeld? In der Stadt wäre es mir zu anstrengend. Die vielen Autos, wenig Grün, kaum Auslauf. Ich liebe meine Freiheit.

Du bist also lieber ein Draußen- statt ein Stubentiger?

Emma: Auf jeden Fall! Was ist das denn im Haus für ein Katzenleben? Nicht meins. Da darf man ja nicht mal seine Krallen am Sofa oder an den Möbeln schärfen, sondern wird auf einen Kratzbaum trainiert. Das geht doch gar nicht! Und ich ziehe gerne selbst-bestimmt meine Kreise.

Gibt‘s da keine Probleme mit oder in der Nachbarschaft?

Emma: Mal hier und da gibt es die sicherlich. Weniger mit den Menschen als vielmehr mit den ungehobelten Artgenossen, die ihre Grenzen nicht kennen. Dann gibt es schon mal eine kurze, lautstarke Auseinandersetzung, bei der mitunter die Tatzen fliegen – aber ich bin da sehr rigoros.

Ich sehe, dass in deinem Haushalt Hunde leben. Man sagt doch immer ‚Katz und Hund verträgt sich nicht‘. Wie steht‘s damit?

Emma: Die Hunde hier im Haus habe ich mir erzogen. Ich gehe auch gerne mit spazieren, wenn sie von Herrchen oder Frauchen ausgeführt werden. Nicht unbedingt den gesamten Weg – aber für meine Verhältnisse schon eine gute Strecke. Und ich bin ihnen lange genug um den Bart geschnurrt, dass sie mich inzwischen akzeptieren. Ich habe mir einmal mit meinen Krallen Respekt verschafft. Und die Hunde haben erkannt: Ich bin schneller. Vor allem kann ich höher springen als sie. Im Gegenzug halten sie mir fremde Kläffer vom Leib.

Schutz, Vermittlung, Aufnahme

Wer seine Katze vermisst oder einen Stubentiger zu sich holen will, kann sich unter anderem in Ochtrup an die Organisation „ Fellknäuel “ oder an „ Tiere in Not Schöppingen “ wenden. Die Schöppinger Tierfreunde arbeiten mit zurzeit 17 Pflegestellen, eine davon ganz neu auch in Metelen. „39 Katzen sind aktuell in unserer Betreuung“, sagt TiN-Vorsitzende Cornelia Bülters. Der junge Verein hat sich vor drei Jahren in der Vechtegemeinde gegründet und engagiert sich bei Bedarf auch in den Nachbarkommunen. „Wenn eine Katze in Not ist, helfen wir. Auch über die Ortsgrenzen hinweg“, betont Cornelia Bülters. Besonders liegt ihr noch der Hinweis auf die Katzenschutzverordnung am Herzen, die seit dem 1. Januar 2019 im Kreis Borken, längst aber noch nicht in allen Kreisen im Münsterland gilt. Mit dieser Verordnung wurde eine Registrierungs-, Kennzeichnungs- sowie eine Kastrationspflicht für alle freilaufenden Katzen eingeführt.

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Du scheinst hier ein wahrhaft paradiesisches Leben zu führen. Keine Sorgen, Probleme oder Nöte?

Emma: Eigentlich nicht. Es steht regelmäßig frisches Futter und Wasser bereit, so dass ich mir nur ab und zu als Nachspeise oder zum Fithalten eine Maus greifen muss. Meine Menschen haben mir auch die ständige Sorge um den Nachwuchs abgenommen. Ein kurzer und wenig schmerzhafter Eingriff, weil man mich in Narkose gelegt hat. Dieses Glück haben nicht alle meiner Artgenossen. Viele Katzen – vor allem auf den Höfen – müssen sich dauernd mit dem Nachwuchs abmühen. Da geht es mir eindeutig super, diese Verantwortung bin ich los.

Also ein bequemes Leben?

Emma: Nur einmal hatte ich richtig Stress. Das war in jungen Jahren. Mein bevorzugter Platz war damals das Auto meines Menschen. Dort hatte ich mich niedergelassen, ohne dass er es bemerkt hat. Als die Türen wieder geöffnet wurden, bin ich rausgesprungen – im Glauben, wir stünden auf dem eigenen Grundstück. Dem war aber nicht so. Mit dem Rausspringen prasselten unzählige laute Geräusche auf mich ein und ich habe mich erst einmal aus dem Staub gemacht. Ich wusste später nicht mehr, wo ich war. Nur aufgrund meines detektivischen Spürsinns und meines Heldenmutes, das darf ich hier mal ohne Übertreibung sagen, habe ich zwei Wochen später wieder ganz allein nach Hause zurückgefunden. Die schönste Belohnung war die große Freude meiner Menschen, als sie mich sahen. Und es gab eine Woche lang eine super-leckere Extraportion Katzenfutter, weil ich doch etwas abgemagert war. Solche Extratouren leiste ich mir inzwischen nicht mehr. Mein Haus, mein Garten, meine Menschen – was will Katze mehr? Und jetzt reicht mir auch das Gespräch. Die Wärme macht mich schläfrig. Bis dann.

Infografik: Wo Katzen beliebte Haustiere sind | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista
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