Fortsetzung im Missbrauchsprozess gegen Metelener
Der Tochter die Aussage vor Gericht nicht erspart

Metelen/Münster -

Am zweiten Verhandlungstag des Missbrauchsprozesses gegen einen 43-jährigen Metelener sagte das als Zeugin geladene Opfer aus.

Montag, 06.01.2020, 16:17 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 16:42 Uhr
Am Montag fand der zweite Verhandlungstag vor dem Landgericht Münster statt.
Am Montag fand der zweite Verhandlungstag vor dem Landgericht Münster statt. Foto: dpa

Zeitweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt wurde am Montag beim Landgericht Münster der Prozess gegen einen 43 Jahre alten Metelener, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, von 2017 bis Anfang 2019 seine leibliche Tochter schwer sexuell missbraucht zu haben.

Der Vertreter der Nebenklage, der bei Gericht die Interessen des inzwischen 14 Jahre alten Mädchens vertritt, legte das aktuelle Gutachten eines Kinderpsychologen vor, nach dem der als Zeugin geladenen Geschädigten nicht zumutbar sei, in Anwesenheit von Zuhörern und Berichterstattern auszusagen. Auch der angeklagte Vater wurde aus dem Gerichtssaal verwiesen. Seine Anwesenheit lasse erhebliche und dauerhafte Störungen bei dem Mädchen befürchten, hieß es im Gutachten. Allerdings konnte er die Aussagen in einem Nebenraum per Video verfolgen.

Aussage der ehemaligen Lebensgefährtin

Im weiteren Verlauf der öffentlichen Verhandlung bestätigte die Vorsitzende Richterin, dass nach der Vernehmung der Tochter die in der Anklage erhobenen Vorwürfe im Wesentlichen zuträfen. Jedoch sei es bereits seit 2012 nach Angaben des Mädchens zu ersten sexuellen Übergriffen gekommen. Dabei seien auch pornografische Seiten auf dem PC aufgerufen und gespeichert worden.

Auch die ehemalige Lebensgefährtin sagte am Montag als Zeugin aus. Ihre Beziehung, aus der drei Kinder hervorgingen, habe 15 Jahre gedauert. Niemals habe sie es für möglich gehalten, dass der Angeklagte zu sexuellen Handlungen an seiner Tochter fähig war. „Was ist nur in seinem Kopf vorgegangen?“ habe sie sich seither oft gefragt. „Meine Tochter ist durch die Hölle gegangen“, sagte sie dem Gericht mit tränenerstickter Stimme. Außerdem sei sie in der Schule nicht zurechtgekommen und habe Auffälligkeiten im sozialen Verhalten gezeigt.

Lebensstationen des Angeklagten

Eine weitere Rolle spielte am zweiten Verhandlungstag der Lebenslauf des Angeklagten. In Berlin geboren, von der Mutter zur Adoption freigegeben und bei den Großeltern in Osnabrück aufgewachsen, habe er zunächst den Hauptschul- und später den Realschulabschluss geschafft.

Nach dem Zivildienst sei er wegen einer Ausbildung nach Metelen gezogen. Da er keine Arbeitsstelle gefunden habe, bestritt er seinen Lebensunterhalt überwiegend von Sozialleistungen und Ein-Euro-Jobs. Seit 2004 lebte er in einer festen Beziehung mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin.

Bis zum nächsten Prozesstag soll ein Beratungsgespräch mit der Gutachterin stattgefunden haben.

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