Äbtissin ließ die Befestigung gegen Widerstand aus Münster anlegen
Bollwerk gegen plündernde Söldner

Metelen -

Metelens historischer Wallweg erlebt in diesem Jahr seine Renaissance. Der Marketingverein „Wir sind Metelen“ legte ihn

Samstag, 11.01.2020, 06:00 Uhr
Detailliert ist auch diese Aufsicht des Metelener Ortskerns, in welcher der Ingenieur die Wallanlagen mit ihren Bastionen und Türmen sowie markante Gebäude eingezeichnet hat. Sie entstand 1972.
Detailliert ist auch diese Aufsicht des Metelener Ortskerns, in welcher der Ingenieur die Wallanlagen mit ihren Bastionen und Türmen sowie markante Gebäude eingezeichnet hat. Sie entstand 1972. Foto: Dipl.-Ing Erf

Es waren unruhige Zeiten für den kleinen Ort an der Vechte, damals im zu Ende gehenden 16. Jahrhundert. Seit 1568 kämpften die sieben Provinzen der Niederlande um die Unabhängigkeit von Spanien und immer wieder fielen Söldnertruppen in Westfalen ein, auch in Metelen. Wo die „rauen Kriegshorden“ (...) „auftauchten, folgten ihrem drangsalierenden Treiben Jammer, Hunger und Elend“, schreibt etwa der Ortshistoriker August Schröder in einem ortsgeschichtlichen Beitrag und weiter: „So hausten die plündernden Söldnerscharen wiederholt auch in der kaiserlichen Freiheit Metelen und brachten die Eingesessenen in Ort und Mersch um Geld und Gut.“

Die Bürger waren den Attacken schutzlos ausgeliefert, denn beim großen Brand 1575 waren wohl auch die bereits vorhandenen Befestigungen vielfach zerstört worden. Dies jedenfalls beschreibt der ehemalige Rektor Bernhard Hegemann in einem Beitrag zur Ortsgeschichte. Bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts habe Abtissin Heileweg von Hohen-Solms eine solche Anlage in Auftrag gegeben.

Ohne Schutz baten Bürgermeister und Einwohner um 1590 die Äbtissin Anne von Daun, den Ort erneut befestigen zu dürfen. Die Adelige entsprach dem Wunsch gern, waren doch gleich vier Plünderungen allein zwischen November 1586 und Januar 1587 nicht spurlos am Stift vorübergegangen. Und die resolute Äbtissin legte sich mit der Regierung in Münster an, als diese eine Verpflichtungserklärung verlangte. Anna von Daum pochte auf die kaiserlich verbriefte Freiheit des Stifts. Der Konflikt eskalierte, die Regierung ließ, verärgert durch das selbstständige Handeln der Äbtissin, das Weidevieh der Stiftsdamen, des Pfarrers und Kaplans sowie der Metelener Bürger pfänden. So dauerte es noch das Jahr 1590 über, ehe die Vorbereitungen beginnen konnten. Wie notwendig dies war, zeigte eine Ausplünderung am 11. Dezember 1590, kurz vor dem Beginn der Arbeiten.

Metelens damalige Bürgermeister Bernard Lubbers und Rotger Welsing hatten zur Finanzierung einen Mix aus Krediten, Verkaufserlösen, Spenden (auch am Kirmestag wurde gesammelt) und kostenfreien Hand- und Spanndiensten der Bevölkerung ersonnen. 412 Taler und ein Schilling verzeichnete das Einnahmenbuch schließlich.

Doch auch fremde Hilfe wurde benötigt, etwa „Grabers“, also Arbeitskräfte, welche die Gräben aushuben, aus Borghorst, Schöppingen, Ochtrup und Leer. Gedungen wurden auch Fuhrleute. In dem kleinen Örtchen entwickelte sich im Winter 1590/91 eine Großbaustelle.

Aus Münster wurden Eisenbeschläge gekauft, örtliche Bauern und Ochtruper Waldbesitzer lieferten „dröge Planken“ für die Palisaden, die den Wall zur Grabenseite hin sicherten.

Die Reste der vorhandenen Befestigung dienten als Basis für das neue Festungswerk, das neben Wall und Graben auch Schanzen und Tore nebst Brücken über das bis zu zwölf Meter breite und bis zu drei Meter tiefe Abwehr-Gewässer erhielt. Zwei Tage vor Weihnachten 1591 war der Kraftakt vollbracht, nachdem das letzte Tor, die Viehporte (heute Viehtor), vollendet war.

„Die Wälle waren stellenweise so breit, dass einspännige Fuhrwerke darüber fahren konnten“, schreibt Bernhard Hegering in seiner Abhandlung. Zum Ortsinnern sicherten Schützhölzer den Wall vor dem Abrutschen, ein schmaler Graben dahinter führte Regenwasser ab, aber auch das Abwasser der Häuser direkt hinter dem Wall.

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