Steile Karriere: Annika Sassen ist mit 23 Jahren Konditormeisterin
Meisterlich mit Alices Wunderland

Metelen/Steinfurt -

Annika Sassen hat es bereits mit 23 Jahren zu Meisterschaft gebracht – im Konditor-Handwerk.

Samstag, 25.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 25.01.2020, 13:36 Uhr
Ein Auftragswerk für einen Geburtstag präsentiert Annika Sassen in der Backstube.
Ein Auftragswerk für einen Geburtstag präsentiert Annika Sassen in der Backstube. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Willkommen im Schlaraffenland! Einen Meter hoch ist der Baumstamm ganz aus Schokolade, gekrönt mit einem lockenden, roten Herz, verziert mit Spielkarten aus Marzipan und appetitlich dreinschauenden Pilzen. Darunter: Eine Sahnetorte, verziert mit kleinen Teekannen. Selbige krönt auch den Baumkuchen, der ebenfalls die Metermarke erreicht. Und darunter: Kiloweise Pralinen, Sahneteilchen, kleine Marzipanfiguren.

Es war ein Meisterstück, das hier präsentiert wurde, kreiert von einer Metelenerin, die eine steile Karriere in ihrem Handwerk hinter sich hat. Annika Sassen ist gerade mal 23 Jahre alt und hat bereits einen Meistertitel in der Tasche – im Konditoren-Handwerk und ausgestellt von der Handwerkskammer zu Köln.

In der gemütlichen Sitzecke des Café Probst in Burgsteinfurt nimmt sich die junge Frau eine halbe Stunde Auszeit aus der Backstube und berichtet über ihren beruflichen Werdegang – der bereits im Kindesalter erkennbar war. „Waffeln hat sie schon gebacken, als sie noch nicht zur Schule ging“, erinnert sich Mutter Ute, die ebenfalls in der Runde sitzt, an die ersten Gehversuche der Tochter. Und die hatte als Kind eigentlich nur zwei berufliche Ziele: „Pferdewirtin oder Konditorin“, lacht Annika Sassen herzhaft über die Zeit, als das Leben für sie noch aus Ponyhof und Wendy zu bestehen schien.

Beim Zuschauen und Mitbacken in der Küche der Mutter reifte dann der Entschluss, doch lieber mit Broten, Kuchen und Torten die Brötchen zu verdienen. Regelmäßige schulbegleitende Arbeitstage in der Bäckerei Roters an der Gronauer Straße, die heute nicht mehr existiert, vertieften die Kenntnisse aus er heimischen Küche. „Jürgen Roters hat mit unheimlich viel mitgegeben“, ist die 23-Jährige dankbar für diesen Einblick in eine handwerkliche Backstube.

Ein dreiwöchiges Praktikum in der Bäckerei und Konditorei Probst gaben letzte Gewissheit und so bewarb sich die Droste-Hülshoff-Schülerin im Praktikumsbetrieb. „Ich habe schon während des Praktikums von Annika gemerkt, dass sie Talent hat“, erinnert sich Berthold Probst, ebenfalls Meister seines Fachs, Lehrherr der Metelenerin, und ebenfalls mit am Tisch im Café.

„Ich liebe Schokolade“

Drei Jahre dauerte die Ausbildung zur Konditorin, in der Annika Sassen natürlich auch Backwaren und Brote zubereitete und nebenbei den Realschulabschluss nachholte. Doch lag der Schwerpunkt eben auf den leckeren Torten, Kuchen, Sahneteilchen. „Ich liebe Schokolade“, macht Annika Sassen ihre Vorliebe deutlich. „Außerdem ist das Konditor-Handwerk filigraner. Da kommt es sehr auf die Feinheiten an.“

Die Prüfung zur Gesellin meisterte sie direkt, wechselte dann die Backstube, nämlich in die der Ochruper Bäckerei Beile. Zwei Jahre lang hängte sie die Ausbildung zur Bäckerin dran.

Um dann aber doch zurückzukehren zu den Torten, Kuchen und Sahneteilchen. Und zwar mit dem Meistertitel im Fokus. Bei der Handwerkskammer zu Köln waren Plätze im Meisterkursus frei. „Die machen viel mehr mit Schokolade als hier im Münsterland“, fand die Metelenerin schnell heraus – angesichts ihrer Vorliebe für süße Leckereien aus Kakao war die Meisterschule in der Domstadt also genau das Richtige.

Lebhaft ist ihr noch in Erinnerung ihr Engagement im Schokoladenmuseum direkt am Rhein. Dort durfte sie eine Woche lang vor Publikum Pralinen- und Schokoladen-Leckereien zubereiten – ein Angebot, das Annika Sassen begeistert annahm.

Disney-Klassiker als Meisterstück

Zum Abschluss der Meisterschule galt es, ein Schaufenster zu gestalten – das Meisterstück. Ein Disney-Klassiker inspirierte die Metelenerin zu ihrem Thema: „Alice im Wunderland“ mit seinen fantastischen Figuren bot eine Menge Vorlagen, um diese in leckere Kreationen umzusetzen – von den blauen Raupen aus Marzipan über einer Formtorte in der Gestalt des sprechenden Schlosses bis hin zu Teekanne. Bei der Präsentation des Meisterstücks wurde so das Wunderland zum Schlaraffenland. Wer das Märchen von Lewis Caroll kennt, weiß überdies, dass der Genuss von Törtchen die Protagonistin in ihre fantastische Welt entführt. Ein perfektes Bild, das der Metelenerin den Meistertitel brachte.

Annika Sassen ist zurückgekehrt zu den Wurzeln, arbeitet jetzt wieder bei Probst in Burgsteinfurt - als Meisterin, die auch Azubis ausbildet – und das mit gerade mal 23 Jahren. Ihre Pläne für die Zukunft? „Schauen wir mal“, verrät die Metelenerin nur soviel, dass sie zarte Bande in die Gastronomie der Vechtegemeinde geknüpft hat ...

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