Nur minimale Nitrat-Einleitung in die Vechte durch das Abwasserwerk
Kein Schwarzer Peter fürs Klärwerk

Metelen -

Die Diskussion um zu hohe Nitratwerte in Grund- und Oberflächenwasser prägt die Debatte um die neue Düngeverordnung. Von Vertretern der Landwirtschaft werden auch Klärwerke dafür verantwortlich gemacht. Im Abwasserwerk Metelen wird das in die Vechte abgeleitete Wasser streng kontrolliert – automatisch und auch durch unangemeldete Inspektionen der Anlage.

Freitag, 31.01.2020, 06:00 Uhr
Herbert Meiring ist verantwortlicher Mitarbeiter des Abwasserwerks Metelen. Hier zeigt er die automatische Messstation an einem der Becken, die ihre Daten online und aktuell an die Prozesssteuerung der Anlage weiterleitet und auch an protokollierende Rechner.
Herbert Meiring ist verantwortlicher Mitarbeiter des Abwasserwerks Metelen. Hier zeigt er die automatische Messstation an einem der Becken, die ihre Daten online und aktuell an die Prozesssteuerung der Anlage weiterleitet und auch an protokollierende Rechner. Foto: Dieter Huge sive Huwe

„Ich habe das Gefühl, wenn irgendetwas schiefläuft, ist immer der Bauer schuld“. Dies beklagte Inge Issinghoff, Vorsitzende der örtlichen Landfrauen bei der jüngsten Versammlung des Vereins, über die wir ausführlich berichteten. Als Gegenbeispiel führte sie den Gewässerbericht des Landes an, nach dem die Nitratbelastung nicht zuletzt auch von den kommunalen Kläranlagen verursacht werde.

Wir haben im örtlichen Abwasserwerk nachgefragt. Schickt auch das Klärwerk Nitrat ins Wasser der Vechte? „Das war vielleicht ein Thema am Anfang der 90er Jahre, spielt heute aber keine Rolle mehr“, erläuterte der verantwortliche Mitarbeiter des Abwasserwerks Metelen, Herbert Meiring. Seit der Novellierung der gesetzlichen Vorschriften und daraufhin folgenden umfangreichen Erweiterungen der Klärwerke vor der Jahrtausendwende – auch in Metelen – sei die Nitrat-Belastung des Wassers, das in die Vechte abgegeben werde, verschwindend gering.

Meiring erläuterte die chemischen Prozesse, die in den drei Becken, mit denen die Anlage seinerzeit nachgerüstet wurde, ablaufen. In ihnen werden verschiedene Stoffe wie etwa Phosphor aber auch Stickstoffverbindungen wie Nitrat, Nitrit und Ammonium mit Hilfe von Bakterien „geknackt“. Diese Bakterien sind sauerstoffliebend und machen sich – wenn dem Wasser in den Becken der Sauerstoff entzogen wird, über die chemischen Verbindungen her und zerlegen diese in ihre Bestandteile.

Am Beispiel des aktuell im Zusammenhang mit der Novellierung der Düngeverordnung intensiv diskutieren Nitrats wird etwa in den drei Bioreaktoren des Klärwerks aus der Nitrat-Stickstoff-Verbindung zum einen Stickstoff, und auf der anderen Seite Sauerstoff – beides lebenswichtige Bestandteile der Luft. Der Stickstoff gast nach der Behandlung weitgehend aus. Übrig bleiben im abgeleiteten Wasser Werte, die im Bereich von etwa 1,5 mg/l (Milligramm pro Liter) liegen.

Als Ursache für die Werte, die im März des Vorjahres vom VSR-Gewässerschutz in der Vechte gemessen wurden (wir berichteten), und der etwa oberhalb Metelens bei 46,6 mg/l lag, kommt das Klärwerk Metelen also nicht in Frage, zumal bereits die Quellbäche Werte von über 40 mg/l aufwiesen. Auch das nächste Klärwerk am Oberlauf, nämlich das in Schöppingen, scheidet als Verursacher aus.

Für alle Abwasserwerke gelten nämlich nicht nur die gleichen Vorschriften, was die biologische Abwasserbehandlung angeht. Auch gibt es strenge Auflagen und häufige Kontrollen der Anlagen. „Wir bekommen mindestens einmal im Monat von Mitarbeitern der LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) Besuch. Diese kommen unangekündigt, haben sogar einen Schlüssel zur Anlage, um auch nach Dienstende Proben nehmen zu können“, erläutert Meiring.

Auch in der Anlage selber werden täglich Proben genommen und untersucht, exakt protokolliert und außerdem vom Hygiene-Institut des Ruhrgebiets in Gelsenkirchen gegengecheckt. Sensoren im Klärwerk-Prozess melden daneben online und aktuell Daten manipulationssicher an einen aufzeichnenden Rechner. „Die Werte lassen sich Tag für Tag nachvollziehen“, erläutert Mitarbeiter Meiring.

Der Schwarze Peter ist mit Blick auf die Nitratbelastung der regionalen Oberflächengewässers den Klärwerken also nicht zuzuschieben. Deutlich wird dies auch am Gauxbach, der unter anderem durch die Metelener Heide fließt. Die vom VSR-Gewässerschutz an der Mündung in die Vechte bei Welbergen gemessene Nitratbelastung des Bachs betrug 38,6 Gramm. Sowohl das Klärwerk in Schöppingen, als auch das in Metelen leiten aber in die Vechte ab. Und der Gauxbach? Der speist sich vornehmlich aus den Vorflutern längs der Straßen und landwirtschaftlich genutzter Flächen.

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