Symbolik vor Ostern in der Pfarrkirche
Hungertuch: Fasten mit den Augen

Metelen -

Es ist eines der Symbole der Fastenzeit und hat seine Ursprünge im Mittelalter: das Hungertuch. Auch in der Metelener Pfarrkirche ist eines aufgehängt, das vor 25 Jahren von einer Gruppe Frauen mit zwölf Motiven aus dem Alten Testament und christlichem Leben bestickt wurde. Die Anregung war seinerzeit vom damaligen Pastor Erich Elpers gekommen. Bis Ostern hängt das Tuch im Altarraum.

Donnerstag, 26.03.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 14:34 Uhr
Das Hungertuch hängt im Chorraum und verhüllt während der Fastenzeit die bunten Glasfenster. Frauen aus der Gemeinde fertigten es vor einem Vierteljahrhundert an.
Das Hungertuch hängt im Chorraum und verhüllt während der Fastenzeit die bunten Glasfenster. Frauen aus der Gemeinde fertigten es vor einem Vierteljahrhundert an. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Gottesdienste gibt es in diesen Wochen keine in der Pfarrkirche Ss. Cornelius und Cyprianus. Das Gotteshaus ist dennoch zu den üblichen Zeiten geöffnet und bietet Gläubigen so die Gelegenheit zum stillen Gebet. Bereits seit Aschermittwoch und noch bis zum Osterfest hängt im Altarraum ein großes Tuch: das Hungertuch.

Angefertigt wurde es vor 25 Jahren, wie in einer schön gearbeiteten Jugendstil-Schrift unten auf dem Tuch nachzulesen ist. „Das hat mein Vorgänger Pastor Erich Elpers noch angeregt“, beschreibt Metelens Pfarrer Thomas Stapper die Geschichte des großen Tuches. Elf Frauen hätten die zwölf Motive, die Elpers auswählte, mit viel Geduld und feinen Fäden auf das Tuch gestickt. Federführend in dieser Gruppe sei seinerzeit Irene Becker gewesen.

Thomas Stapper schildert, dass es in der Pfarrgemeinde Tradition sei, das Tuch am Tag vor Aschermittwoch für die Fastenzeit vorzubereiten. Da es während des übrigen Jahres eingerollt gelagert werde, müsse es jedes Mal im Altarraum zunächst gebügelt und dann auf das tragende Gestänge gehängt werden. Mit zwei Drähten wird es vom Boden über dem Chorraum emporgezogen – genau soweit, dass es die farbigen Glasfenster im Chorraum verdeckt.

„Das Hungertuch steht in einer Tradition aus dem Mittelalter. Da ist auch vom Fasten mit den Augen die Rede. In Kirchen, die einen Hochaltar hatten, wurden diese während der Fastenzeit mit Tüchern abgedeckt. Bei uns in Ss. Cornelius und Cyprianus verdeckt das Tuch die bunten Fenster mit der farbenprächtigen Rosette, die sonst das Auge erfreuen. Es soll mit seinen Motiven Anregungen liefern für die Gläubigen“, beschreibt Thomas Stapper den Hintergrund.

Das bischöfliche Hilfswerk Misereor biete seit dem Ende der 1970er Jahre in zweijährlichem Turnus für alle Pfarrgemeinden ein künstlerisch gestaltetes Hungertuch an. In Metelen entschied sich die Pfarrei letztlich für das Exemplar, das aus der Gemeinde heraus geschaffen wurde.

Thomas Stapper erinnert sich, dass er einmal eine Predigtreihe zu den zwölf Themen des Hungertuches gehalten habe. Stichworte finden sich – nebst einer knappen Motivbeschreibung – auf einem Info-Zettel, den Interessierte an der rechten Säule des Altarraumes finden.

Motive aus dem Alten Testament, aber auch Sakramente wie die Taufe und die Eucharistie werden auf dem Tuch dargestellt. Doch findet sich auch der Mensch mit seinen Krisen in Ehe, Familie und Gemeinde und in der Entfremdung untereinander auf dem Tuch wieder. Im Mittelpunkt steht jedoch Christus mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Diese stehen symbolisch für den Anfang und das Ende.

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