Weißrussland: Hilfsgüter endlich am Ziel
Traum-Tapete für ein kleines Mädchen

Metelen -

Monatelang war die Hilfslieferung aus Metelen unter Zollverschluss. Jetzt konnten die Waren verteilt werden. Die

Weißrusslandhilfe berichtet über die Verteilung – und darüber, wie sehr sich ein kleines, gelähmtes Mädchen sich über ein

rosarote Flamingo-Tapete freute.

Mittwoch, 08.04.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 16:52 Uhr
Viele Flamingos an der Wand: Das kleine Mädchen ist glücklich über die Tapete, die ihre Mutter in der Hilfslieferung aus Metelen fand. Neben Hygieneartikeln und Bekleidung helfen gerade solche Waren, die Familien zu unterstützen.                               
Viele Flamingos an der Wand: Das kleine Mädchen ist glücklich über die Tapete, die ihre Mutter in der Hilfslieferung aus Metelen fand. Neben Hygieneartikeln und Bekleidung helfen gerade solche Waren, die Familien zu unterstützen.                                Foto: Weißrusslandhilfe Metelen

Das kleine Mädchen lächelt, freut sich darüber, dass ihr Zimmer jetzt in der Lieblingsfarbe fast aller Mädchen in ihrem Alter tapeziert ist: in pink. Und noch dazu mit dem Motiv vieler Flamingos, die freundlich auf sie hinabblicken. Das Foto, das die Weißrusslandhilfe Metelen jetzt erreichte, sagt mehr als viele Worte. Es ist ein Dankeschön aus dem osteuropäischen Staat an die Unterstützung aus der Vechtegemeinde.

Irina Kock, die selber aus Weißrussland stammt, erzählt von dem kleinen Mädchens, das an Poliomyelitis erkrankte und seither unter Lähmungen leidet. „Ihre Mutter fragte bei der Verteilung der gespendeten Waren, ob bei den Tapeten nicht auch welche für ein ganzes Zimmer wären.“ Ja, es gab sie – eben die Flamingos, ganz in pink. Für die Tochter ein gänzlich unerwartetes Geschenk.

Es sind Geschichten, wie diese, die den Verein „Weißrusslandhilfe Metelen“ darin bestärken, immer wieder Hilfstransporte auf den Weg zu schicken – trotz der bürokratischen Hürden, die damit verbunden sind und die eher zu- als abnehmen. Die Zollformalitäten sind kompliziert, die gespendeten Waren – von Hygieneartikeln über Bekleidung und Schuhe bis hin zu Farben und Tapeten – werden für Monate versiegelt, damit die Behörden vor Ort die Angaben in der Einfuhrpapieren kon­trollieren können.

„Wir haben den Transport bereits Ende November auf den Weg geschickt“, blickt Irina Kock zurück. Vor kurzem erst war es den Adressaten, einem befreundeten Unterstützer-Verein in Weißrussland, möglich, die Waren an die bedürftigen Familien in und um die Stadt Pinsk zu verteilen.

Adressaten der Hilfe sind 95 Familien, welche die Behinderung ihrer Kinder eint. Der Zusammenschluss in dem Verein half dabei, die Interessen gegenüber den staatlichen Stellen zu vertreten, und auch, gemeinsame Aktionen zu unternehmen und die Stigmatisierung, mit der Menschen mit Behinderungen konfrontiert wurden, nach und nach abzubauen. „Die Situation hat sich gegenüber früher deutlich verbessert“, weiß Irina Kock. Dennoch: die Unterstützung betroffener Familien durch den Staat ist nicht üppig, und spezielle Hilfsmittel – wie beispielsweise Inkontinenzwindeln – belasten den Etat der Familien.

Hier hilft der Metelener Verein. „Durch die Spenden haben die Familien mehr Geld übrig, um den Alltag zu organisieren“, erläutert Irina Kock. Es sind vor allem die Mütter, die die Hauptlast tragen. In dem Land, in dem üblicherweise beide Elternteile arbeiten gehen, damit die Familie über die Runden kommt, fällt wegen der Betreuung des behinderten Kindes ein Einkommen weg.

Der örtliche Verein hat es aber in jahrelanger Arbeit geschafft, ein Netzwerk Betroffener aufzubauen, das beispielsweise auch die tageweise Betreuung behinderter Kinder organisiert. Höhepunkte der Aktivitäten sind die gemeinsamen Ferienfreizeiten im Sommer. Die Unterstützung dieses Vereins, der Selbsthilfe und Lobbyarbeit für die Kinder leistet, ist das Anliegen der Weißrusslandhilfe.

Der Metelener Verein kann dabei auf Spender bauen, die die Transporte seit Jahren mit Produkten unterstützen. Namhafte Unternehmen gehören dazu. Und diesmal erfüllte der Verein einer Familie aus Weißrussland, die Jahre dafür gespart hatte, einen großen Wunsch: Ein Dreirad für den behinderten Sohn ging mit auf die Reise. „Er fährt seither jeden Tag damit“, freut sich Irina Kock darüber, dass die Unterstützung punktgenau ankam.

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