Corona: Friseure arbeiten wieder
Viele Vorschriften für den Figaro

Metelen -

Seit Anfang der Woche dürfen Friseure wieder arbeiten – allerdings unter strengen Auflagen. Friseurmeister Kevin Hüsing erläutert im Interview, wie er und sein Team sich auf

diese Herausforderung vorbereitete, spricht über Kunden, die sich nach Wochen ohne den Gang zum Coiffeur schon unwohl fühlten und erläuterte auch, warum die

Preisgestaltung in Zeiten der Corona-Pandemie eine andere ist als vorher.

Dienstag, 05.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 15:56 Uhr
Keine Bedienung ohne Maske: Sowohl Friseurmeister Kevin Hüsing als auch die Kundin tragen solche. Der Platz rechts bleibt leer, denn im Salon gibt es eine genau vorgeschriebene Zahl an Plätzen, an denen frisiert werden darf.
Keine Bedienung ohne Maske: Sowohl Friseurmeister Kevin Hüsing als auch die Kundin tragen solche. Der Platz rechts bleibt leer, denn im Salon gibt es eine genau vorgeschriebene Zahl an Plätzen, an denen frisiert werden darf. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Seit gestern werden wieder Haare geschnitten und Frisuren erneuert. Die Friseure des Ortes haben nach einer sechswöchigen Auszeit wieder geöffnet. Redakteur Dieter Huge sive Huwe sprach mit Kevin Hüsing, Besitzer des gleichnamigen Salons am Sendplatz

 

 

Herr Hüsing, seit Wochen musste Ihr Salon geschlossen bleiben. Wie haben Sie und ihre Mitarbeiterinnen die Zeit verbracht?

Kevin Hüsing: Meine Mitarbeiter und ich haben die Zeit genutzt und haben uns über Online-Seminare weitergebildet, damit wir für unsere Kunden auf dem neuesten Stand bleiben können. Die Firma Redken, mit der wir im Salon arbeiten, bietet zum Glück diese Art von Weiterbildung an, so dass wir mit neuen Ideen starten können. Ebenso habe ich in den letzten Wochen die Terminannahme im Salon geregelt, damit wir voll und ganz für unsere Kunden da sein können. Wir haben für unsere Kunden einen Lieferservice angeboten, damit diese zu Hause mit ihren benötigten Produkten versorgt sind.

Die Friseure dürfen wieder ihre Salons öffnen, allerdings unter Auflagen. Wie mussten Sie Ihren Salon darauf vorbereiten?

Hüsing: Alle Maßnahmen die wir laut der Auflagen der Berufsgenossenschaft zu erfüllen hatten, sind getroffen und wir waren gut vorbereitet. Da wir schon immer mit Terminen gearbeitet haben, ist dies keine große Veränderung für uns. Es ist allerdings so, dass nur Kunden mit Termin gestattet wird, den Salon zu betreten. Wir können von unseren sechs vorhandenen Plätzen insgesamt vier Plätze nutzen und haben unseren Wartebereich so umgestaltet, dass die Kunden beispielsweise während Einwirkzeiten der Farbe dort Platz nehmen können – natürlich auch hier mit dem geforderten Abstand. Wir haben den Fußboden im Salon gekennzeichnet, um die Abstände im Salon sicher zu stellen. Von unseren zwei Waschbecken können wir nur eines benutzen, aber meine Mitarbeiter und ich haben schon per Videokonferenz besprochen, wie wir arbeiten werden und wie die Abläufe sich nun ändern werden. Desinfektionsmittel, Schutzhandschuhe und Mund- und Nasenschutz haben wir ebenso aufgerüstet. Für Kunden gilt ebenfalls eine Maskenpflicht im Salon. Wenn diese keine Masken dabei haben, händigen wir gegen einen Aufpreis Einmal-Mundschutzmasken aus. Ebenso können wir im Salon keine Trockenhaarschnitte mehr anbieten, da die Auflagen besagen, dass Kunden sich vor dem Haarschnitt im Salon ihre Haare von uns waschen lassen müssen. Wir werden auch in nächster Zeit keine Barzahlungen annehmen, sondern nur den elektronischen Weg der Bezahlung, da die Auflagen besagen, dass der elektronische Weg bevorzugt wird. Alle weiteren Hinweise können unsere Kunden auf einem Poster am Saloneingang nachvollziehen und gegebenenfalls unterrichten wir die Kunden auch im Salon über die notwendigen Maßnahmen, sowie bei Google, wo wir regelmäßig neue Beiträge bereitstellen.

Wie waren die Reaktionen der Kundschaft auf die Ankündigung der baldigen Öffnung?

Hüsing: Ursprünglich war die Wiedereröffnung der Salons für den 20. April vorgesehen und es waren schon viele Termine gebucht. Als dann die Wiedereröffnung für den 4. Mai angekündigt wurde, stand unser Telefon nicht still. Die erste Woche war rasend schnell ausgebucht und unsere Kunden sind natürlich heilfroh, dass sie wieder zu uns kommen dürfen. Teilweise waren die Kunden schon verzweifelt und fühlen sich nicht mehr wohl. Wir sind froh, dass wir nun wieder arbeiten dürfen.

Können Sie den Ansturm mit den regulären Öffnungszeiten bewältigen? Montags beispielsweise haben die Salons ja traditionell geschlossen.

Hüsing: Der Ansturm ist nach sechs Wochen natürlich groß und dementsprechend haben wir unsere Öffnungszeiten erst einmal angepasst, um die Kunden alle bedienen zu können. Ursprünglich war der Montag geschlossen, jedoch werden wir die nächsten Wochen erst einmal montags und samstags von 8 Uhr bis 13.30 Uhr sowie dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 20 Uhr in einem Schichtsystem arbeiten. Wie lange dies der Fall ist, weiß ich noch nicht. Erst einmal habe ich bis zum 4. Juli diese Öffnungszeiten geplant.

Gibt es Dienstleistungen, die sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht anbieten können?

Hüsing: Laut der neuen Auflagen der Berufsgenossenschaft dürfen Friseure keine gesichtsnahen Dienstleistungen anbieten. Darunter fallen Augenbrauen kürzen, zupfen und färben, Wimpern färben, Waxing, Bartfrisuren oder auch Make Up. Ebenso ist es uns untersagt, dass wir Kunden Getränke oder Zeitungen anbieten. Sie werden sich leider für die Zeit bei uns im Salon selbst mit Getränken versorgen müssen.

Wie gestaltet sich das Preisgefüge unter den neuen Bedingungen? Sie können ja nicht alle Plätze für die Kundschaft nutzen.

Hüsing: Auf Grund der neuen Hygienestandards, die ab jetzt gefordert sind, bedeutet das für uns als Unternehmer eines Salons höhere Kosten, die sich natürlich auf die Preise auswirken werden. Ich gehe davon aus, dass wir diese Standards für eine lange Zeit aufrecht erhalten müssen. Somit können wir diese nur gewährleisten, wenn die Kosten entsprechend abgedeckt werden. Es wird mit großer Sicherheit in allen Salons bundesweit zu einer Erhöhung der Preise kommen. Ich habe in meinem Umfeld mit mehreren selbstständigen Friseuren Kontakt, die ihr Preisgefüge erhöhen müssen.

Generell: Wie werden Friseure eigentlich im Rahmen ihrer Ausbildung mit dem Thema Hygiene vertraut gemacht – und wie bekommen Sie und Ihre Mitarbeiterinnen jetzt ihre Informationen und Schulungen

Hüsing: In der Ausbildung zum Friseur werden die Anforderungen an Arbeitskleidung, aushangpflichtige Bestimmungen, Infektionsschutzgesetz, Viren, Bakterien, Pilzinfektionen, Tröpfchen-, Kontakt- und indirekte Infektion, Allergien, Haltungsschäden sowie Berufsunfälle und präventive Maßnahmen sowie alle wichtigen Hygienestandards unseres Berufes vermittelt. Dieses lernen die Auszubildenden sowohl in der Berufsschule, als auch im Salon. Da ich Mitglied in der Friseur-Innung bin, beziehe ich die Informationen über die Kreishandwerkerschaft und kann somit sofort auf die Neuerungen reagieren. Als Arbeitgeber ist es meine Pflicht, meine Mitarbeiterinnen darüber zu unterrichten und sie zu unterweisen. Ebenso kann man sich solche Informationen auch über das Internetportal der BGW downloaden und vieles kennt man auch aus der Gefährdungsbeurteilung des Salons, die für alle Salons Pflicht ist. Bei Fragen kann mich an die Kreishandwerkerschaft oder die BGW wenden.

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