Brasilianer sucht Kontakt zur Familie
Auswanderer: Metelen den Rücken gekehrt

Metelen -

Weil er gerne Kontakt zu Angehörigen seiner Familie aufnehmen möchte, hatte sich der Brasilianer Joni­ Schmoeller an das Gemeindearchiv Metelen gewandt. Schmoeller war auf die Suche nach seinen Wurzeln und fand heraus, dass seine Vorfahren im 19. Jahrhundert aus der Vechtegemeinde nach Südamerika, und zwar in die südbrasilianische Provinz Santa Catarina, ausgewandert waren.

Freitag, 05.06.2020, 06:00 Uhr
Joni Schmoeller – hier zu sehen neben dem Grabstein seiner Familie – forschte nach seinen Ahnen. Diese waren, wie viele Deutsche, aus Metelen in die brasilianische Provinz Santa Catarina ausgewandert. 
Joni Schmoeller – hier zu sehen neben dem Grabstein seiner Familie – forschte nach seinen Ahnen. Diese waren, wie viele Deutsche, aus Metelen in die brasilianische Provinz Santa Catarina ausgewandert.  Foto: Privat

In den vergangenen Monaten haben Anfragen von Nachfahren der Brasilienauswanderer des 19. Jahrhunderts das Gemeindearchiv Metelen erreicht. Eine Anfrage betraf Johann Bernard Anton Lehmkuhl (1843-1924), vier weitere unabhängig voneinander die Familie Schmöller. Joni Schmoeller wünscht sich verwandtschaftlichen Kontakt in Metelen.

Das Europa des 19. Jahrhunderts war von massiven Umbrüchen betroffen. Die Industrialisierung hielt Einzug und verdrängte das Handwerk. Gleichzeitig war die Bevölkerung seit Beginn des Jahrhunderts durch Missernten und der damit verbundenen mangelhaften Selbstversorgung betroffen. Nicht mehr Kartoffeln und Getreide stellten die Grundlage der Ernährung dar, sondern Wildkräuter und Viehfutter. Brot wurde mit Streckmitteln wie der Quecke gebacken. Der Hungersnot folgten Unruhen und politische Spannungen, die 1848 zur Revolution führten. Im Zuge dieser Entwicklungen sahen viele Familien ihre Zukunft in der Auswanderung.

Weberfamilie Lehm­kuhl siedelte in Santa Catarina an

In Metelen waren es knapp 50 Haushalte, die zwischen 1840 und 1902 ihrer Heimat den Rücken kehrten. Zwei Drittel von ihnen wanderten nach Nordamerika aus, zehn Familien nach Brasilien und einige in europäische Länder.

Die Weberfamilie Lehm­kuhl überließ 1862 ihr Haus Wigbold Nr. 284 (heute Mersch 38) dem Taglöhner und Eierhändler Gerhard Wilhelm Wessels, begab sich auf die Reise nach Brasilien und siedelte sich in der südlich gelegenen Provinz Santa Catarina an, in der bereits eine Kolonie deutscher Einwanderer bestand. „Antonio“ bekam in seinen zwei Ehen 18 Kinder, wurde Geschäftsmann, Gemeindeverwalter der Stadt São José, Bildungsbeauftragter und erhielt das Patent des Oberstleutnant. Eine Schule ist nach ihm benannt.

Familiengeschichte rekonstruiert

Franz Joseph Schmöller wurde am 24. April 1841 in Metelen geboren. Sein Vater, Johann Bernhard Anton Schmöller, war Weber, seine Mutter Maria Adelheid Egard stammte aus Heek. Sie starb im Alter von 33 Jahren und kurz darauf Franz Josephs jüngerer Bruder Bernard Ferdinand im Alter von zwei Jahren. Johann Bernard Anton heiratete in zweiter Ehe Anna Christina Franziska Kestering, geboren 1816 in Metelen. Sie lebten im Haus Wigbold Nr. 287 (heute Spakenbaum 21) und bekamen sieben Kinder. Auch die Familie Schmöller wanderte im Jahr 1862 aus.

Joni Schmoeller lebt in Timbó im Bundesstaat Santa Catarina und hat sich auf der Suche nach seinen Wurzeln an das Gemeindearchiv Metelen gewandt. Seine Familiengeschichte vor der Auswanderung konnte rekonstruiert werden. Er wünscht sich darüber hinaus Kontakt zu Angehörigen der Familie in Metelen und Umgebung.

Mit diesem Bericht möchte das Gemeindearchiv seine Bitte unterstützen und freut sich über Zuschriften. Die Kontaktdaten lauten jonicorretor@hotmail.com oder über das Gemeindearchiv Metelen (E-Mail: sabine.jarnot@metelen.de , Telefon 0 25 56/89 34).

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