Gitti Sönksen setzt auf gemütliches Ambiente
Dezente Hinweise für die Gäste

Montag, 08.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 16:08 Uhr
Genauso dünn wie Fensterglas und ebenso transparent ist die Scheibe rings um den Tresen des „Irrlicht“. Wirtin Gitti Sönksen ist stolz auf die Arbeit ihres Mannes, der den Schutz für den Pub baute.
Genauso dünn wie Fensterglas und ebenso transparent ist die Scheibe rings um den Tresen des „Irrlicht“. Wirtin Gitti Sönksen ist stolz auf die Arbeit ihres Mannes, der den Schutz für den Pub baute. Foto: Dieter Huge sive Huwe

„Ich habe damals eher als die anderen Wirte hier im Ort geschlossen“, berichtet sie und nennt den Grund: sie kümmert sich täglich um ihre Mutter, die mittlerweile 90 Jahre alt ist. Das Risiko, sich eventuell während der Arbeit im Pub mit dem Virus anzustecken, wollte sie nicht eingehen. Also schloss sie das Irrlicht.

Und auch mit der Rückkehr ins Business ließ sie sich Zeit – keine einfache Entscheidung, denn schließlich muss sie monatlich Pacht für den Pub zahlen. Doch sie war während der zweiten Maihälfte keineswegs untätig, sondern schaute sich in der gastronomischen Szene um. Eine Erkenntnis: Die Anordnungen der Behörden wurden teilweise sehr plakativ umgesetzt, mit schrillen Farben und aufdringlichen Aufklebern.

„Das wollte ich im Pub unbedingt vermeiden“, beschreibt sie die Tage des Nachdenkens über die Umsetzung der Vorschriften für ihren Pub. Beim Termin mit der Ordnungsbehörde wurde deutlich, dass nur ein kleinerer Tisch ins Lager verschwinden musste – nur Stammgäste werden die Veränderung bemerkt haben. Doch wie schafft man es, aus einem Pub mit dem Charme eines gemütlichen Wohnzimmers dennoch ein den behördlichen Anordnungen entsprechendes Lokal zu machen?

Hier kam Gitti Sönksens Mann Klaus ins Spiel. Der ist Schlosser und baute mit großer Fachkunde einen ebenso stabilen wie filigranen Schutz aus Acrylglasscheiben für den Thekenbereich: Da ist nichts Gebasteltes und Provisorisches, sondern es entstand eine stabile und dennoch leichte Konstruktion, mit der auch die Thekengäste, die für ein Guiniss vorbeischauen, gut leben können. Die Wirtin natürlich auch. Die Kommunikation mit ihren Gästen – A und O im Pub – wird nur wenig beeinträchtigt, das fensterglasdünne Acryl fällt kaum auf.

Für alle, die länger bleiben – und das sind die meisten der Gäste im Pub – wurden auch die Tischgruppen durch solche Scheiben voneinander abgetrennt. Auch das fällt nur wenig auf. Und die anderen Tische sind soweit voneinander entfernt, dass die Gäste in genügendem Abstand zueinander Platz nehmen können.

Einen solchen zu ergattern ist allerdings nicht immer ganz einfach. „Wir sind gut gebucht“, zeigt Gitti Sönksen in das Reservierungsbuch des „Irrlichts“. Nur am Tag der Wiedereröffnung sei die Resonanz verhalten gewesen. Doch gleich danach habe sich gezeigt, dass sie Menschen wieder in die Kneipe und ins Restaurant gehen wollten. Gittis Burger-Karte hat sich mittlerweile bis ins Ruhrgebiet herumgesprochen. Und während die Wirtin in der Küche brutzelt, kümmern sich Tochter Mira Rücker-Laurenz und weitere Mitarbeiterinnen um die Gäste im Pub.

„Schön, dass ihr wieder da seid“, habe sie nicht nur einmal gehört. Das rührt die Wirtin aus Leidenschaft und sie gibt das Kompliment gerne zurück, vor allem an die Stammgäste, die dem Pub mit den XL-Burgern auch in der Corona-Krise die Treue halten: „Danke dafür“.

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