Miriam Krude kaufte das Haus der Familie zurück
Haus der Ahnen zum gemütlichen Domizil gemacht

Metelen -

Das Haus Viehtor 5 war über Jahrzehnte Wohnort der Familie Krude, ehe es Anfang der Fünfzigerjahre verkauft wurde. Fast 70 Jahre später ist es wieder im Besitz der Familie: Miriam Krude, deren Urgroßeltern einst das Haus gebaut hatten, erwarb das Objekt und bewohnt es seit einem Monat. Entstanden ist eine urgemütliches Haus mit viel Charme, in dem die Geschichte der Familie heute noch präsent ist.

Donnerstag, 11.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 16:32 Uhr
„Gott segne das Brautpaar“ steht auf dem aufwendigen Kranz, den die Nachbarn 1928 anlässlich der Hochzeit von Hugo Krude mit Antonia Krude, geb. Iking, anfertigten. Auf dem historischen Foto ist auch das Haus zu sehen, das damals noch über ein großes Tor verfügte.
„Gott segne das Brautpaar“ steht auf dem aufwendigen Kranz, den die Nachbarn 1928 anlässlich der Hochzeit von Hugo Krude mit Antonia Krude, geb. Iking, anfertigten. Auf dem historischen Foto ist auch das Haus zu sehen, das damals noch über ein großes Tor verfügte.

„Da oben in der Upkammer habe ich mit zweien meiner Brüder geschlafen.“ Heinz Krude steht in dem schmucken hinteren Zimmer des Hauses Viehtor 5, an das er noch lebendige Erinnerungen hat. Sie waren zu neunt, fünf Jungen und vier Mädchen. Die Mädchen teilten sich ein Zimmer, das zum Hof hin angebaut worden war, die beiden anderen Brüder schliefen im HWR. Wie bitte? „Na ja, der war damals etwas größer. Früher standen da sogar mal Kühe.“

Kühe? Also am besten alles zurück auf Anfang, zurück in die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende, als der Kaiser in Deutschland noch das Sagen hatte. Damals kaufen Bernhard Krude und seiner Frau Elisabeth, eine geborene Rengbers, ein gerade mal 219 Quadratmeter großes Grundstück am Viehtor. Ein Haus entsteht, mit schmaler Front zwar, aber doch mit einem großen Rundbogen-Tor versehen – hier ziehen 1904 auch die Kühe ein, welche die Familie hält, zusammen mit den Schweinen und Hühnern im Hof. Dieser erstreckt sich bis zum Heuershof und ist noch heute von dort aus erreichbar. Vor dem Wall hat die Familie überdies Land, die Krudes sind Selbstversorger – typisch für die Zeit.

Kühe in den Hof

Nur zwei Kinder gehen aus der Ehe hervor und dennoch wird der Hausboden auch weiterhin nicht zum Wohnen, sondern für die Lagerung von Stroh und Heu genutzt. Hugo Krude, der Filius, erbt das Gebäude, feiert hier 1928 mit seiner Braut Antonia, geborene Iking, Hochzeit. Das Tennentor gibt es da noch.

Doch für die letztlich neun Kinder der Familie muss Platz geschaffen werden. Die Kühe wandern zu dem anderen Vieh in den Hof, das Scheunentor wird zugemauert, weicht einem Fenster und einer mittigen Haustür – ganz so, wie es sich das Gebäude auch heute noch präsentiert.

Ich war vorher nie in dem Haus. Doch ich habe davon geträumt.

Miriam Krude

Heinz Krude, der jüngste Sohn der letztlich elfköpfigen Familie, erklärt, dass vorne zur Straße hin die gute Stube des Hauses war – ein Raum, der nur zu besonderen Anlässen genutzt wurde. Ansonsten war die rückwärtige Küche der Mittelpunkt des Familienlebens. Und der Boden? Wurde immer noch für Heu und Stroh genutzt. Also verteilten sich die neun Kinder auf das Mädchenzimmer, die Upkammer und den heutigen HWR – der Kreis schließt sich langsam.

HWR, also ein Hauswirtschaftsraum, das wäre in den Dreißiger- und Vierzigerjahren, als die Sprösslinge von Hugo und Antonia groß wurden, undenkbar gewesen. „Im Hof stand ein Pumpe, von da haben wir das Wasser geholt. Und hinten an der Mauer gab es ein Plumpsklo“, erzählt Heinz Krude.

Neu gebaut

1952 war Schluss mit den beengten Verhältnissen. Die Eltern hatten an der Eper Straße ein neues, größeres Haus gebaut. Viehtor 5, drei Generationen lang das Domizil der Krudes, wurde verkauft. Ein Kaufmann aus Heek erwarb es, vermietete das Objekt, veräußerte es schließlich an einen Niederländer. Der baute das Haus aus, die Treppe ins Obergeschoss ein und veräußerte es an eine Frau aus dem Ort. Noch zweimal sollte das Haus danach den Besitzer wechseln. Zunächst erwarb ein junges Paar aus Münster das Objekt, erkannte die Möglichkeiten, machte den Anbau, in dem einst die vier Mädchen schliefen zur Küche, integrierte die Upkammer ins Wohnzimmer, baute einen Ofen ein, überdachte die Terrasse – und entschied sich dann, auf einen Kotten zu ziehen.

Ein Glücksfall für Miriam Krude, die auf das Online-Angebot aufmerksam wurde und das bereits gut durchrenovierte Haus ihrer Ahnen erwarb. Im Februar dieses Jahres wurde sie sich mit den Vorbesitzern einig, seit einem Monat wohnt sie in dem Haus – und ist überglücklich. „Ich war vorher nie in dem Haus. Doch ich habe davon geträumt.“ Ein Traum, der in Erfüllung ging für die 37-Jährige, die aus ihrer Wohnung in Münsters Kreuzviertel zurückzog nach Metelen.

Sie hat längst eigene Akzente gesetzt in dem Objekt, es zu einem Schmuckstück gemacht, das mit antiken Möbeln und sorgsam ausgewählter, sparsam akzentuierter Dekoration urgemütlich wirkt. Auf Komfort – bis hin zum begehbaren Kleiderschrank – muss Miriam Krude dennoch nicht verzichten.

Ebenso begeistert wie seine Tochter ist Vater Heinz, der als kleiner Bub hier lebte. Und aus der einstigen Upkammer, die er sich mit zweien seiner vier Brüder teilte, ist mittlerweile eine muckelige Fernsehecke geworden.

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