Nach vier Monaten Corona-Zwangspause: Plagemanns Mühle öffnet am Sonntag wieder
Einladung zum Wachküssen

Metelen -

Bernhard Iking freut sich sichtlich und hörbar. Der Heimatvereinsvorsitzende vermisst die Lebendigkeit in Plagemanns Mühle. Seit März ist sie dicht. Doch nicht mehr lange.

Dienstag, 14.07.2020, 18:08 Uhr
Jetzt ist es sicher: Am 19. Juli öffnet die Wassermühle in Metelen wieder. Bernhard Iking, Vorsitzender des Heimatvereins, hält den großen Schlüssel zum Eingang in das historische Gebäude in der Hand.
Jetzt ist es sicher: Am 19. Juli öffnet die Wassermühle in Metelen wieder. Bernhard Iking, Vorsitzender des Heimatvereins, hält den großen Schlüssel zum Eingang in das historische Gebäude in der Hand. Foto: Bettina Laerbusch

Bernhard Iking freut sich. Ende Juni war sich der Vorsitzende des Heimatvereins noch keineswegs sicher, dass die Wassermühle in Metelen – Plagemanns Mühle am Mühlentor 22 – am 19. Juli wirklich wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden könnte. Doch jetzt steht fest: An diesem Sonntag können Kinder, Mütter und Väter, Großeltern, Jung und Alt, Familien und Singles das historische Gemäuer wieder betreten und sich dort in längst vergangene Zeiten entführen lassen.

Es wird laut

Um die fünf Mitglieder des Heimatvereins werden am Sonntag da sein und die Besucher durch das Haus führen. Laut wird es. Nicht sofort. Doch wenn die Führung zu Ende ist, werden die Hausherren die Turbine und auch die alte Säge anwerfen. Die Gruppen werden klein sein, die Abstandsregel muss eingehalten werden. Geht das nicht, ist vorsichtshalber ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Und: Wie in Cafés und Restaurants müssen sich die Besucher in Listen eintragen.

Apropos Cafés – einen kleinen Wermutstropfen gibt es: Das Ackerbürgerhaus bleibt geschlossen. Heißt: Kaffee und Kuchen gibt es für die Besucher nicht. Wer aber selbst etwas mitbringt, kann bei gutem Wetter draußen vor der Mühle gemütlich picknicken.

Picknick ist erlaubt

Der Grund, warum das Ackerbürgerhaus geschlossen bleibt, liegt auf der Hand: Es ist dort zu gemütlich, sprich zu eng, als dass die Coronabestimmungen eingehalten werden könnten. „Ein getrennter Ein- und Ausgang ist nicht möglich“, nennt Iking ein Beispiel.

Das Mühlenmuseum öffnet jetzt relativ spät; bereits Mitte Mai hatte die Landesregierung Museen, Musikschulen, Weiterbildungseinrichtungen und Gedenkstätten wieder gestattet, Publikum zu empfangen. Warum hat der Heimatverein Metelen so lange gewartet? „Wir waren vielleicht zu vorsichtig“, sagt Iking – ein Fragezeichen schwingt in seiner Stimme mit. Vielleicht war es ja auch genau richtig, zu warten. Schließlich sind viele Mitglieder des Heimatvereins um die 80. Iking selbst zählt 64 Lenze, Bruno Duesmann-Artmann, Kassierer des Heimatvereins, ist zwei Jahre älter. Selbst sie gehören zur Risikogruppe.

Roten Rosen und mehr

Der 66-Jährige war am Dienstagmorgen mit sieben weiteren Mitstreitern schon um 9 Uhr in und an der Mühle. Die Gruppe hat die Anlagen auf Vordermann gebracht und gegen Mittag das Treffen mit einem Bier für jeden an der Vechte, mit wunderschönen Rosen im Blick, ausklingen lassen. Vor 14 Tagen, erzählen Iking und Duesmann-Artmann, seien sie um die 20 Personen gewesen, die die Mühlen innen geputzt und gewienert haben.

170 Veranstaltungen, sagt Iking, hätten für dieses Jahr im Kalender des Heimatvereins gestanden. Viele Treffen und Begegnungen fielen Corona zum Opfer. Darunter auch die Bastelstunden mit Schulkindern im Werkraum der Mühle.

Es ist dem Heimatvereinsvorsitzenden anzumerken, dass er dieses Leben in der Mühle, die Lebendigkeit, arg vermisst. Beim Gang durch das Mühlenmuseum erinnert er sich, dass oben im Dach über dem Sägewerk vor wenigen Jahren sogar ein Theaterstück aufgeführt wurde. 60 Männer und Frauen saßen im Publikum.

Keine Blaupause

Das Mühlenmuseum soll ab dem 19. Juli wieder jeden dritten Sonntag im Monat in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet sein. Iking hat keine Ahnung, wie viele Besucher an diesem Sonntag kommen werden. Eine Blaupause gibt es dafür nicht. Anmeldungen sind nicht erforderlich.

Sicher ist: Es sind viel mehr Menschen in den Sommerferien 2020 zu Hause als in den vergangenen Jahren oder sogar Jahrzehnten. Die Menschen entdecken ihre nähere Umgebung, ihre Stadt, ihr Land neu. Auch das Mühlenmuseum in Metelen?

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