Metelens Senioren werden nach ihren Wünschen befragt
Die Angst vor dem Sturz nehmen

Metelen -

Unter dem Begriff „Sturzmanagement“ erarbeitet die Gemeinde Metelen derzeit ein Konzept, um Menschen, die potenziell von Stürzen in der häuslichen Umgebung betroffen sein könnten, zu helfen. Gemeinsam mit der Fachhochschule Münster werden Senioren interviewt, um individuelle Unterstützungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen. Doch auch das Thema Prävention geht die Projektgruppe an.

Samstag, 05.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 11:36 Uhr
Der Sturz in der eigenen Wohnung und niemand ist da, um zu helfen – ein Albtraum für viele Senioren. Das Projekt „Sturzmanagement mit bürgerschaftlichem Engagement“ befragt jetzt ältere Metelener, welche Hilfen für sie in einem solchen Szenario in die geeignetsten wären.
Der Sturz in der eigenen Wohnung und niemand ist da, um zu helfen – ein Albtraum für viele Senioren. Das Projekt „Sturzmanagement mit bürgerschaftlichem Engagement“ befragt jetzt ältere Metelener, welche Hilfen für sie in einem solchen Szenario in die geeignetsten wären. Foto: colourbox

Der Teppich hatte sich immer schon ein wenig gekräuselt, vorne an der Kante. Jetzt wird er zur Stolperfalle. Der Senior, des Nachts unterwegs zur Toilette, gerät ins Straucheln, kann sich nicht mehr halten, stürzt – und kommt alleine nicht mehr auf die Beine.

Es ist ein Szenario, das sich tagtäglich ereignen kann und es gibt etliche Metelener, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Senioren, die sich sorgen, was in einem solchen Fall zu tun ist, Menschen aber auch, die den Gedanken daran weit von sich schieben. Motto: „Das passiert mir schon nicht.“

Dass es doch passiert, wissen die Mitarbeiter einer Gruppe von Fachleuten und örtlichen Akteuren, die diesen Menschen die Angst vor dem Sturz nehmen wollen. „Sturzmanagement mit bürgerschaftlichem Engagement“ heißt der etwas sperrige Titel der Gruppe, der aber die beiden zentralen Elemente im Namen vereint: Den Sturz meist älterer Menschen und die Möglichkeit, ihnen, wenn es ihr Wunsch ist, auch aus der Mitte der Bürgerschaft heraus zu helfen.

Ein solches Modell gibt es bereits im Ort, bei den „Sanitätern vor Ort.“ Sie leisten schnelle Erste Hilfe, gehören indes nicht unmittelbar zu den Profis des Rettungsdienstes – haben aber eine solide Ausbildung. Helfer, auf die Verlass ist – das haben etliche Metelener schon selber in Notsituationen erlebt.

Es muss aber nicht gleich die Herzattacke oder der Unfall sein. Der banale Sturz in der eigenen Wohnung kann Menschen zu hilflosen Personen machen. Sie kommen alleine nicht mehr auf die Beine, benötigen Hilfe. Keine große Sache, doch wenn der Gestürzte alleine lebt, wird bereits die Benachrichtigung von Helfern zum Thema.

„Wir wollen Angebote entwickeln, damit Menschen möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben können“, umriss Metelens Bürgermeister Gregor Krabbe bei einem Statusbericht des Projekts das Ziel. Und dabei will die Arbeitsgruppe Metelens Senioren mit ins Boot holen. In Interviews haben sie die Möglichkeit, ihre ganz individuellen Wünsche an das Projekt zu äußern.

Denn nicht jedem ist es recht, wenn er dem Nachbarn für den Fall der Fälle den Schlüssel zur Haustür geben muss, nicht jeder mag sich auf die Hilfe von Laien verlassen, wenn er hilflos auf dem Boden liegt. „Wir wollen in den Gesprächen herausfinden, was die Menschen wünschen, aber auch, was sinnvoll ist“, erklärte Projektleiterin Dr. Bettina Begerow von der Fachhochschule Münster. Es geht um kleine Schritte. Technische Geräte etwa können helfen, sind aber nicht für jeden nützlich.

Das Thema ist nicht ganz unbelastet, denn wer stürzt, ist zunächst einmal hilflos. Scham und Angst können da eine Rolle spielen. Hier das vertrauliche Gespräch anzubieten und dann gemeinsam mit Akteuren vor Ort nach Lösungen für den Fall des Fallens zu suchen, ist der Ansatz.

Das Projekt schlägt darüber hinaus einen größeren Bogen und beschäftigt sich auch mit Prävention. Diese reicht vom Bewegungstraining, in dem Alltagssituationen geübt werden, über den richtigen Einsatz von Rollatoren im Haus bis hin zu Infoterminen zu Hausnotrufsystemen. Doch auch die Option, mit Experten das Haus und die Wohnung des Einzelnen auf versteckte Stolperfallen zu checken, ist angedacht.

„Wir hatten bereits vor Corona diverse Veranstaltungen geplant“, erläuterte Dr. Bettina Begerow. Und sie erklärte, dass Vereine, Verbände und Akteure vor Ort eingebunden werden sollen. Die Basis bilden nun die Interviews. Diese erfolgen telefonisch, bei Bedarf im Rathaus oder auch, wenn gewünscht, bei den Senioren daheim.

Ansprechpartnerin im Rathaus ist Tanja Ernsting, Telefon 0 25 56/89 37. Das Projektteam der Fachhochschule in Münster hat die Telefonnummern 02 51/8 36 58 24 oder 02 51/8 36 58 16.

 

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