Maiskampagne: Der Kolben als Energielieferant und Futterpflanze
Pas des deux mit dem Jaguar

Metelen -

Sie ist sowohl Energielieferant als auch Viehfutter – die Maispflanze ist ein gleich mehrfach genutztes Getreide. Gerade in diesen Wochen, in denen die Maiskampagne läuft, gerät die Pflanze in den Fokus. Wir zeigen am Beispiel des Hofes Konert den Weg des Mais’ vom Acker bis in den Viehstall oder auch in die Steckdose – denn in der Biogasanlage wird aus Mais Strom und auch Wärmeenergie gewonnen.

Freitag, 25.09.2020, 09:24 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 10:24 Uhr
Perfekt eingespielt sind die Fahrer des Häckslers und des Schleppers. Sie bewegen sich absolut synchron über den Maisacker und bilden so auch in den Wenden ein routiniert eingespieltes Landmaschinen-Duo.
Perfekt eingespielt sind die Fahrer des Häckslers und des Schleppers. Sie bewegen sich absolut synchron über den Maisacker und bilden so auch in den Wenden ein routiniert eingespieltes Landmaschinen-Duo. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Die Choreografie ist perfekt einstudiert. Das Paar gleitet durch die Reihen, bis zum Ende der Aufstellung, dann folgt die 180-Grad-Wende, schön synchron. Aufstellung für die nächsten Schritte – nein, Schnitte.

Wir befinden uns auf einem ganz normalen Maisacker in Naendorf, nur eine Steinwurfweite entfernt drehen sich die Rotoren mehrerer Windkraftanlagen über den Pflanzen, die in Reih und Glied im Frühjahr so gepflanzt wurden, dass das stark motorisierte Duo bei seinem Tanz über den Acker das perfekte Zusammenspiel nie unterbrechen muss.

Es ist Maiskampagne, die Zeit im Jahr, in der das Getreide geerntet und gleich auf dem Feld zerkleinert wird. Dem Häcksler, der heute zum Einsatz kommt, hat der Hersteller den Namen „Jaguar“ verpasst. Treffender hätte er kaum gewählt werden können, denn wer am Ende des Feldes steht und ein wenig wartet, bis dass die PS-starke Maschine die letzten Reihen erreicht, kann den Bezug zum durchs Unterholz brechenden Raubtier gut nachvollziehen.

Zumal der Häcksler ein furchteinflößendes Gebiss zeigt. Das zieht die robusten Maispflanzen mit einer Leichtigkeit über viele Reihen hinweg ins gefräßige Maul. Was im Innern vorgeht, kann man nicht sehen, auf der Webseite des Herstellers aber nachschauen. Starke Walzen ziehen die Pflanzen ein, und befördern sie zu einer Messertrommel, in der sie zerkleinert werden. Eine zusätzliche Walze gibt dem Häckselgut den Rest, bevor es mit Schmackes in den Rüssel der Maschine katapultiert wird.

Das war´s auch schon. Der Häcksler leistet ganze Arbeit, alles weitere besorgen die Kollegen des Fahrers, die mit ihren Schleppern und modernen Anhängern so routiniert umgehen, dass kaum ein Teil des Gutes verloren geht. Immer im Wechsel fahren die Schlepper exakt parallel zum Häcksler, der die Hänger in nur wenigen Minuten befüllt. Pas des Deux schwerer Maschinen auf dem Maisacker eben.

Die Trecker Kutschieren anschließend die tonnenschwer beladenen Anhängern zum Fahrsilo. Davon gibt es gleich sechs Stück auf dem Hof Konert, einem der großen Verbraucher von Maissilage im Ort. Vor dem Abkippen der Ladung wird das Gut auf dem Anhänger gewogen. Tonnage und Feuchtigkeit des Häckselguts bestimmen den Preis, denn der Hof Konert erntet auch den Mais auf den Feldern benachbarter Höfe.

Ist ein Schlepper samt Anhänger schon beeindruckend – besonders, wenn er als Gegenverkehr auf schmalen Wirtschaftswegen unterwegs ist, dann erst recht sein Kollege, der im Fahrsilo herumkurvt. Der Traktor hat auf den hinteren Achsen Doppelbereifung aufgezogen, tonnenschwere Gewichte zugepackt und vorn einen Räumschild montiert. Mit dem wird das abgekippte Gut im Silo bis zur Oberkante angehäuft und dabei gleichzeitig verdichtet.

Landwirt Heiner Konert erklärt die Biologie der Silage und auch, warum das Verdichten zu wichtig ist: „An den Schnittstellen des Mais tritt Pflanzenzucker aus, von dem die Silagebakterien leben. Diese produzieren Kohlensäure, welche letztlich konservierend wirkt.“ Resultat der Arbeit der emsigen Bakterien: Die Silage ist über viele Monate haltbar.

Muss sie auch, denn der Hof nutzt das Häckselgut aus den sechs großen Fahrsilos für zwei Einsatzgebiete. In der Bullenmast ist Silage ein Bestandteil des Futters, in der Biogasanlage Rohstoff für die Produktion von Strom und Wärme. Im Bullenstall findet sich das ein oder andere Maiskorn sogar noch wieder – in der Futtermischung, die in einem speziellen Anhänger vorbereitet wird. Etwa die Hälfe des Futtermix‘ besteht aus Silage, hinzu kommen Gras, Strohhäcksel, Bierhefe („Gut für die Pansenflora“, erläutert Konert“) Getreide und Kraftfutter.

Die Mischung macht´s halt und wird jeden Tag bedarfsgerecht zubereitet – in eben jenem Mischanhänger, mit dem ein Mitarbeiter des Betriebs durch den großen Stall fährt. Diesmal sind die ganz kleinen Bullen an der Reihe, aus einem Förderband fällt das Futter direkt vor die Mäuler der Tiere, die sich sogleich über ihr Menü hermachen.

Nur wenige Meter weiter steht die Biogasanlage des Hofes – deutlich erkennbar an den grünen spitz zulaufenden Zeltplanen. Heiner Konert erläutert, dass die Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energie im Grunde ähnlich funktioniert wie der Pansen eines Rindviehs. „Wir haben es auch hier mit einer anaeroben Bakterienkultur zu tun, welche die organische Substanz der Maissilage zersetzt.“ Ergebnis des Prozesses ist das Gas Methan.

Das produzieren auch Rinder in ihrem Pansen, erläutert Konert. In Biogasanlagen fällt das Gas indes in großen Mengen an. Es lässt sich zwar gut verbrennen und ist damit Betriebsstoff für das Blockheizkraftwerk, hat aber auch einen Nachteil. „Methan ist etwa 20 mal schädlicher für das Klima als CO“, so Energiewirt Konert. Sein Betrieb kontrolliert deshalb regelmäßig mit einem Messgerät die Dichtigkeit der Anlage.

„Die Silage verbleibt im Schnitt etwa 200 Tage in der Anlage“, erklärt Konert. Im Magen-Darm-Trakt der Bullen sind das nur ein bis anderthalb Tage. Und während die Tiere dank des Futtermixes wachsen, wird in der Biogasanlage einerseits Strom, aber auch nutzbare Wärme produziert.

„Damit beliefern wir auch Nachbarbetriebe, die etwa Schweine halten.“ Die Borstenviecher mögen es warm – Mais ist dann letztlich der Energielieferant der erforderlichen Stallwärme für die Rüsseltiere.

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