Vortrag zu Starkregen-Risiken
Virtuelle Fluten in den Straßen

Metelen -

Es ist nur eine Simulation, aber eine, die für die Anlieger durchaus Folgen haben könnte: Ein Vortrag zu Starkregen-Risiken im Ort stellte potenzielle Überflutungsbereiche in Metelen vor. Dass Schäden durch das Kanalnetz nicht abgefedert werden können, machte der Gutachter deutlich. Die Risikoanalyse soll potenziell betroffenen Anliegern demnächst zugänglich gemacht werden, damit sie vorsorgen können.

Freitag, 09.10.2020, 06:00 Uhr
Die Straßeneinläufe werden zwar regelmäßig geleert, aber dennoch kann es zu Überflutungen kommen, wenn das Laub im Herbst die Sinkkästen verstopft.
Die Straßeneinläufe werden zwar regelmäßig geleert, aber dennoch kann es zu Überflutungen kommen, wenn das Laub im Herbst die Sinkkästen verstopft. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Ulrich Stapper hat ein Computerprogramm, das ihn auf eine Stufe mit Petrus stellt. Wie der sprichwörtliche Regenverantwortliche kann es der Diplom-Geograf regnen lassen – heftig und sogar so stark, dass „Land unter“ angesagt ist. Stapper ist Experte für Computersimulationen von Starkregenereignissen und war in dieser Funktion in den vergangenen Monaten im Auftrag der Gemeinde tätig.

Anlass ist die Zentralabwasserplanung für den Ort, zu der auch ein Überflutungsnachweis gehört. Und genau diesen hat Stapper mit seinen virtuellen Regenmassen simuliert. Die Ergebnisse der Studie stellte er jetzt dem Betriebsausschuss des Abwasserwerks vor.

Kanalnetz ist "völlig in Ordnung"

In der Betrachtung – das schickte Stapper seinen Ausführungen voraus – geht es um Niederschlagsmengen, für die das vorhandene Kanalnetz nicht ausgelegt ist. Den Abwasserrohren im Untergrund der Kommune attestierte der Experte in diesem Zusammenhang eine ausreichende Dimensionierung. „Die Gemeinde hat in den vergangenen 25 Jahren ihr Kanalnetz saniert. Das Netz ist – wenn die noch geplanten Maßnahmen abgeschlossen sind – völlig in Ordnung.“

Stapper ist aber einen Schritt weiter gegangen und hat in seiner Untersuchung die Geländeprofile der Metelener Straßen mit Starkregenereignissen, wie sie nur alle 20 oder gar 30 Jahre vorkommen, in Beziehung gesetzt. Laufen kleine Senken bei einem kräftigen Regenguss schon einmal voll, so werden Wasserstände von zehn bis 25 Zentimeter und bei Extrem-Regen sogar bis zu 50 Zentimeter simuliert.

Die Ergebnisse finden sich in Straßenkarten, etwa der der Schulstraße. „Dass es dort immer wieder zu Überflutungen kommt, ist bekannt“, erläuterte Stapper, der für die Erstellung der Studie auch mit der Feuerwehr gesprochen hatte.

Auch Anlieger von Starkregen betroffen

Das Starkregen-Szenario Schulstraße verdeutlicht beispielsweise, dass bei Extrem-Niederschlägen nicht nur der Straßenraum unter Wasser steht – besonders stark im Kreuzungsbereich Schulstraße/Stüvvenweg – sondern dass auch Anlieger-Grundstücke betroffen sein könnten.

Stapper machte klar, dass die Abwasserkanäle unter Metelens Straßen für solche Regenfluten nicht ausgelegt seien – und auch nicht vorgehalten werden müssten. Die Simulation erlaube es aber den Anliegern, Vorsorge zu treffen, beispielsweise Lichtschächte zu ummauern.

Ausschussmitglied Reinhard Brüning (CDU) hielt fest, dass Anlieger der betroffenen Straßen im Ernstfall damit rechnen müssten, dass Niederschlagswasser auf ihr Grundstück läuft. Ausschussvorsitzender Ansgar Stening (UWG) bekräftigte dies, hob aber auch hervor, dass die Studie ja genau dies zeigen wollte. Ihm ist wichtig, dass die Anlieger möglicherweise betroffener Straßen im Rahmen einer Versammlung informiert werden, damit sie Vorsorge treffen können.

Die positive Expertise von Ulrich Stapper zum Metelener Kanalnetz veranlasste Stening zu folgendem Fazit: „Der vorgestellte Überflutungsnachweis bestärkt uns darin, dass wir bei der Überarbeitung des Kanalnetzes richtig gelegen haben.“

Ein potenziell Gefahrenpunkt wurde im Ausschuss dann aber doch noch angesprochen. Es ging um die Wassereinläufe an den Straßenrändern. Hier will die Kommune künftig an besonders neuralgischen Punkten die Sinkkästen öfter reinigen lassen. Dies gelte insbesondere für Bereiche unter Laubbäumen, die im Herbst mit ihren Blättern die Einlässe verstopfen, erklärte Bauamtsleiter Stefan Weßling auf Nachfrage.

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