Die Seuche wütete 1632 im Ort
Schwarzer Tod ereilte 92 Metelener

Metelen -

Von Seuchen ist auch Metelen nicht verschont geblieben. Nach ihrer Darstellung der Folgen von Lepra beschäftigt sich Gemeindearchivarin Sabine Jarnot diesmal mit der Pest – dem „Schwarzen Tod“.

Montag, 23.11.2020, 08:36 Uhr
„Der Doctor Schnabel von Rom“ aus dem Jahr 1656, der Pestkranke behandelte und sich mit seiner Kleidung und einer Schnabelmaske vor dem „Pesthauch schützte.
„Der Doctor Schnabel von Rom“ aus dem Jahr 1656, der Pestkranke behandelte und sich mit seiner Kleidung und einer Schnabelmaske vor dem „Pesthauch schützte. Foto: Colorierter Kupferstich von Paul Fürst

Als zu Beginn des 14. Jahrhunderts drei Jahre lang das Klima von einer „Kleinen Eiszeit“ beeinflusst wurde, die mit niedrigen Temperaturen und reichlichen Niederschlägen in den Sommermonaten einherging, kam es zu Missernten und Mangelernährung in der Bevölkerung. Die Folgen waren Arbeitsausfälle, Krankheiten, Verteuerung der landwirtschaftlichen Produkte und Kriminalität.

Zeitgenössische Quellen berichten von Fällen von Notkannibalismus, etwa die Windsbacher Chronik von 1315: „Sahe man zwen Cometen, und war ein nasser Sommer, große Hungersnot, so an etlichen Orten die leüt gezwungen, dass Sie allerley, hund, pferd und dieb von Galgen gefressen …“.

Nur 30 Jahre nach der Hungersnot brach eine weitere Katastrophe über ganz Europa herein: die Pest (lat. pestis), auch Schwarzer Tod genannt, eine hochansteckende Infektionskrankheit. Sie wird durch Flöhe von Nagetieren auf den Menschen übertragen sowie von Mensch zu Mensch durch eine Tröpfcheninfektion und tritt in zwei verschiedenen Varianten auf.

Es bestand die Überzeugung, dass schlechte Luft, durch Fäulnisprozesse bedingt, die Pest verursachte. Reisende mussten einen sogenannten Pestbrief mitführen, der die Pestfreiheit bescheinigte. 1350 erreichte die Seuche Westfalen. Insbesondere in den Städten war die Ansteckungsgefahr durch das dichte Zusammenleben groß. Viele Menschen flohen in kaum besiedelte Gebiete. Die Folgen waren zahlreiche leerstehende Häuser in den Ortschaften und die Bildung von Wüstungen durch das Verlassen ganzer Ortschaften.

Nach Schätzungen wurde ein Drittel der Bevölkerung Europas Opfer der Pest. Auch nach dieser Welle gab es immer wieder Infizierte. Am 24. Juli des Jahres 1599 unterschrieb der Notar Rotger Welsing, Bürgermeister zu Metelen, das Testament der Eheleute Kerstien von Essen und seiner Frau Meyme, in dem abgesehen von zehn Talern das gesamte Vermögen für die nächsten Verwandten bestimmt war. Das Testament wurde wegen der infolge der Pest vorhandenen Todesgefahr verfasst.

Eine zweite Pestwelle erreichte Europa während des Dreißigjährigen Krieges. Auch für Metelen gibt es Belege über zahlreiche Todesopfer. Ab dem August des Jahres 1636 häuften sich die Todesfälle durch die Pest massiv. Von den 116 bis Jahresende verstorbenen Einwohnern, die im Sterbebuch der Pfarre St. Cornelius und Cyprianus aufgeführt sind, wurden 92 mit dem Zusatz „peste“ versehen.

Wie hoch 1636 die Bevölkerungszahl im Kirchspiel Metelen war, kann nicht genau ermittelt werden. In der Feuerstättenschatzung von 1598 sind 213 Haushalte im Wigbold benannt. Der „Status animarum“ von 1749 beläuft sich auf 1403 Personen. Mit 66 Sterbefällen für das gesamte Jahr lag die Zahl aber wesentlich niedriger als im Jahr 1636.

In der Behandlung setzte man auf die Wirkung verschiedener Kräuter zur inneren Anwendung, aber auch zur Verräucherung oder als Wirkstoff im vorderen Teil der bekannten Schnabelmaske. Nach Empfehlung in einer Handschrift aus dem Jahr 1238 soll ein Pulver aus dem Lungenenzian und Erden hergestellt und wie folgt zubereitet werden: „Nym essig von weissem wein / rosen wasser / distel wasser vnd ampffer wasser / yeglichs ein löffel vol in ein gleslein / vnd thue von dem puluer / oben geschrieben / aus yeglichem als vil / als auf einen Regenspurger phennig mag geligen / vnnder das wasser / rür es durch einannder vnd trincks aus / deckh dich warm zue / das di switzest / es hilft ...“

Der Mediziner und Botaniker Jacobus Theodorus Tabernaemontanus (um 1522-1590) schreibt über das Schöllkraut als Schwitzkur Folgendes: „Schellkrautwurtzel gesäubert und klein geschnitten / einer Hand voll in einer halben Mass Rosenessig auf das halbe Theil eingesotten / darnach durchgesigen / und in der Brühe zertrieben / 3 Loth guten Alexandrinischen Theriack / und dieses Tranks ein Pfennig-Glässleinvoll getrunken / niederlegen / und biss in die 3. Stunden geschwitzet / den Schweiss darnach mit warmen Tüchern abgetrucknet / ist eine bewährte Arzney / so jemand die Pestilentz hätte angestossen.“

Pestwurz (Petasites hybridus) sollte nach Tabernaemontanus „alles pestilenzisch Gift gewaltig durch den Schweiß und Harn austreiben“, und die giftige Pestbeere (Paris quadrifolia) wurde zur Desinfektion von Gegenständen eingesetzt. Wacholder (Juniperus communis) wurde verräuchert, um die „verpestete“ Luft zu reinigen.

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