Die Lepra – eine Geißel der Menschheit
Klappern, Kräuter, Quarantäne

Metelen -

Die Geschichte der Menschheit ist begleitet von der Geschichte der Seuchen. Metelen ist davon nicht verschont geblieben. So erkrankten auch dort Menschen an Lepra. In den Urkunden des Gemeindearchivs Metelen ist seit dem 17. Jahrhundert ein Leprosenhaus belegt – und nicht nur das.

Samstag, 21.11.2020, 06:47 Uhr aktualisiert: 22.11.2020, 10:46 Uhr
In der Öffentlichkeit waren die Leprakranken verpflichtet, sich mit einer Klapper gegenüber Gesunden bemerkbar zu machen, damit ein Abstand eingehalten wurde.
In der Öffentlichkeit waren die Leprakranken verpflichtet, sich mit einer Klapper gegenüber Gesunden bemerkbar zu machen, damit ein Abstand eingehalten wurde. Foto: Lepramuseum Münster

Bei der Lepra oder dem „Aussatz“ handelt es sich um ein chronisches Leiden, das mit auffälligen Veränderungen der Haut, an Nerven und Knochen einhergeht. Deformationen an den Gliedmaßen und Behinderungen sind die Folge.

Sehr früh schon wurden die Kranken in Quarantäne gebracht. Die Isolierung aus verschiedenen Städten Frankreichs ist nachweislich seit dem 5. Jahrhundert bekannt. Vom 12. bis 14. Jahrhundert, nach Rückkehr der Kreuzfahrer, erhöhte sich die Zahl der Leprakranken beträchtlich, sodass die Zahl der Leprosorien in Europa stark anstieg. Diese wurden mit Hilfe von Stiftungen oder aus dem Besitz der Leprosen finanziert. In den isolierten Wohngemeinschaften unterlagen die Kranken einer strengen Haus- und Kleiderordnung.

In den Urkunden des Gemeindearchivs Metelen ist seit dem 17. Jahrhundert ein Leprosenhaus belegt. Es befand sich vor dem Viehtor im heutigen Bereich Spakenbaum 15/17. Leprosorien wurden außerhalb der Stadt angelegt. Obwohl die medizinische Forschung noch nicht als Fachgebiet entwickelt war, bestand doch die Erfahrung, dass es die Gefahr einer Ansteckung gab, und dass daher Leprakranke zu isolieren waren. Ärzte, Bartscherer und Bader waren verpflichtet, Personen mit den typischen Symptomen der Haut dem Stadtrat oder dem Bürgermeister zu melden. Sie mussten sich dann zu einer Lepraschau begeben, die von erfahrenen, meist selbst lange erkrankten Menschen durchgeführt wurde.

Die Erkrankten aus unserer Gegend gingen nach Köln-Melaten, nach Hamm oder nach Paderborn zur Untersuchung. In der Öffentlichkeit waren die Leprakranken verpflichtet, sich mit einer Klapper gegenüber Gesunden bemerkbar zu machen, damit ein Abstand eingehalten wurde. Gleichzeitig wurde mit der Klapper um ein Almosen gebeten. War die Diagnose nach der Lepraschau positiv, wurde dem Leprakranken ein Schriftstück ausgestellt, mit dem er, wenn er Glück hatte, in einem Leprosorium aufgenommen und versorgt wurde.

Der Leprose Heinrich Heidtman hatte als Insasse des Siechenhauses zu Dülmen im Jahr 1630 das Glück, im Leprosenhaus zu Metelen einen Platz zu finden, als Bürgermeister und Rat der Stadt Dülmen ihm ein Führungszeugnis ausstellten und Obrigkeiten baten, ihn „nach aller mueglichkeit in seinem allenden Zustandt großgunstiglich aufzunehmen und zu befurderen“ – ihn also in seinem elenden Zustand freundlich aufzunehmen und zu behandeln. Im Jahr 1651 gewährten Bürgermeister und Provisoren zu Metelen den Eheleuten Herman Heittkamp und Catrina Tomasen aus dem Leprosenhaus der Stadt Bocholt Wohnung im Seuchenhaus zu Metelen.

Historisch belegbar sind Leprakranke, die sich eine Pfründe zwecks Aufnahme in einem Leprosorium kaufen konnten und solche, die als Bürger ein Anrecht auf eine Aufnahme hatten. Die Mittellosen ohne Bürgerrechte lebten von der Bettelei, von Almosen und fanden nicht einmal in den Armenhäusern ein Dach über dem Kopf.

Erst 1873 wurde der Lepraerreger (Mycobacterium leprae) entdeckt. Noch im Jahr 1904 wurde im Kaiserreich eine „Anweisung zur Bekämpfung des Aussatzes (Lepra)“ publiziert.

Im Münsterschen Stadtteil Kinderhaus, dessen älteste Bezeichnung „domus leprosorum dicte tor kinderhus“ (1332) auf das Leprosorium sowie die im Mittelalter gängige Bezeichnung „arme Kinder Gottes“ für die Leprosen hinweist, befindet sich heute an Ort und Stelle das deutschlandweit einzige Lepramuseum.

 

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