Abstimmung über Ende des Förderprogramms verschoben
Bedenkzeit für „Jung kauft alt“

Metelen -

Soll das Förderprogramm „Jung kauft alt“ fortgeführt werden, mit dem die Gemeinde Metelen den Ankauf von gebrauchten Immobilien durch junge Metelener finanziell unterstützt? Der Fördertopf ist ausgeschöpft, so dass der Hauptausschuss über eine neue Auflage befinden musste. Die Politik vertagte die Entscheidungsfindung nach einer konstruktiven Debatte in die kommenden Haushaltsplanberatungen.

Donnerstag, 10.12.2020, 06:00 Uhr
Am freien Immobilienmarkt – gleich ob auf den Internetportalen oder bei den örtlichen und überörtlichen Maklern – sind gebrauchte Häuser derzeit
Am freien Immobilienmarkt – gleich ob auf den Internetportalen oder bei den örtlichen und überörtlichen Maklern – sind gebrauchte Häuser derzeit Foto: Dieter Huge sive Huwe

Eine muntere Debatte war in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zu beobachten. Darin ging es um die Fortführung des Programms „Jung kauft alt“, mit dem die Gemeinde seit drei Jahren junge Leute finanziell unterstützt, die Gebrauchtimmobilien zur eigenen Nutzung erwerben. Ende dieses Jahres ist der Fördertopf in Höhe von 20 000 Euro ausgeschöpft und es galt nun zu überlegen, ob „Jung kauft alt“ neu aufgelegt wird.

Bürgermeister Gregor Krabbe erläuterte die Position der Verwaltung, die sich auch in der entsprechenden Vorlage wiederfindet. „Wir stoßen an die Grenzen“, sagte er mit Blick auf die finanzielle Deckelung. Gleichzeitig habe sich der Markt für gebrauchte Immobilien stark gewandelt. Auch ältere, gebrauchte Häuser seien gefragt, und: „Vieles wird nicht mehr öffentlich angeboten“, so Krabbe. Besitzer älterer Häuser hätten derzeit keine Probleme, ihre Immobilien zu verkaufen. Gleichzeitig gebe es Mitnahme-Effekt, die den Sinn des Förderprogramms ins Leere laufen ließen.

Letzteres bestritt André Kersten, Fraktionschef der Union, keineswegs. Gleichwohl sei das Programm eine Erfolgsgeschichte – nicht zuletzt auch aus Gründen der Ressourcenschonung. Nicht ohne Grund hätten Nachbarkommunen vergleichbare Angebote, die sie gerade verlängerten oder – wie im Fall Steinfurt – neu auflegten. Kersten plädierte ebenfalls für eine Verlängerung, allerdings mit angepassten Förderbedingungen: „Da müssen wir nachjustieren.“

SPD-Fraktionschef Andreas Sievert blickte zurück: „Wir haben das Programm damals gestartet, weil alte Häuser im Ortskern leer standen und außerhalb gebaut wurde.“ Mit der Förderung habe die Gemeinde das Ziel, hier gegenzusteuern erreicht. Sievert verwies auf die aktuelle Marktsituation und auch er erkannte „Mitnahmeeffekte.“ Reinhard Brüning (CDU) vermisste indes Beweise für eben diese Effekte: „Bislang gibt es dazu nur pauschale Aussagen.“

Christian Edler als Vertreter der UWG plädierte ebenfalls dafür, das Programm „in dieser Form“ einzustellen.

Jan Tewes (CDU) und Willi Rieps (Grüne) brachten die Diskussion dann in eine neue Richtung. Tewes berichtete, dass es junge Familien gebe, die sich mit dem Erwerb einer Immobilie schwer täten. „Unser Programm ist doch auch ein Beitrag zur Eigenkapitalstärkung“, nannte er ein Argument, das in der Debatte bis dato nicht vorkam. „Wir sollten auch den sozialen Faktor berücksichtigen“, so Tewes.

Willi Rieps machte im Anschluss den Vorschlag, das Thema nicht abschließend abzustimmen. So bleibe Zeit für weitere Überlegungen – ein Vorschlag, der in der Runde einhellige Zustimmung fand. Denn dass es noch etliche Gesichtspunkte gibt, die bislang nicht in der Tiefe diskutiert wurden, wurde auch in den letzten Wortbeiträgen zum Thema deutlich. Jungen Leuten, die nicht so finanzstark sind, bei der Finanzierung eines Hauskaufs zu helfen, war da nur einer der Forderungen für eine Fortschreibung des Programms.

Der Ausschuss einigte sich schließlich darauf, das Thema im Rahmen der Haushaltsplanberatungen für das kommende Jahr mit zu berücksichtigen. Bis dahin bleibt viel Zeit, um über geplante oder ungeplante Effekte von „Jung kauft alt“ zu beraten.

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