Metelenerin päppelt zwei Igel für den Winterschlaf auf
Justus und Lotte haben es geschafft

Metelen -

„Lotte“ und „Justus“ sind über den Berg. Die beiden Igel wurden im Herbst stark unterernährt von Christin Wellers aufgenommen und soweit aufgepäppelt, dass sie jetzt in den Winterschlaf gehen können. Die Metelenerin hatte sich dafür fachkundigen Rat der Igelhilfe Münsterland gesucht und gelernt, dass es bei der Ernährung und auch der Unterbringung der stacheligen Tiere vieles zu beachten gilt.

Mittwoch, 23.12.2020, 16:22 Uhr aktualisiert: 27.12.2020, 15:10 Uhr
Er schaut schon ein wenig verschlafen drein, der kleine Justus. Gerade mal 158 Gramm wog er, als Christin Wellers ihn im Oktober fand. Sie päppelte den Jungigel wie auch Igeldame Lotte soweit auf, dass sie in den kontrollierten Winterschlaf gehen konnten.
Er schaut schon ein wenig verschlafen drein, der kleine Justus. Gerade mal 158 Gramm wog er, als Christin Wellers ihn im Oktober fand. Sie päppelte den Jungigel wie auch Igeldame Lotte soweit auf, dass sie in den kontrollierten Winterschlaf gehen konnten. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Nur wer genau hinschaut, der sieht, dass sich das Stroh hebt und senkt. Ganz langsam in einem sanften Rhythmus. Lotte schläft, so tief und fest, wie ein Igel nur schlafen kann – Winterschlaf. Üblicherweise bekommen Menschen die stacheligen Tiere in dieser Zeit nicht zu Gesicht – wenn es ihnen denn gut geht.

Doch Lotte ging es gar nicht gut, als Christin Weller sie fand. Die 44-jährige wohnt in der Waldsee-Siedlung, mitten in der Natur und fand das Tier stark abgemagert und nur 600 Gramm schwer. „Die war nur noch Haut und Knochen, von Parasiten befallen und mit ihren verklebten Augen blind.“ Die Metelenerin suchte Expertenrat, nahm Kontakt mit der Igelhilfe Münsterland auf.

Tierärztliche Hilfe war angesagt, aber vor allem auch Pflege, damit Lotte es bis zum Winter schaffen würde. „Ich habe gelernt, dass erwachsene Igel etwa 1000 bis 1200 Gramm wiegen sollten, damit sie den Winter überleben können“, berichtet Christin Weller. Die Tierfreundin machte sich mit Begeisterung dran, Lotte fit für die kalte Jahreszeit zu machen.

„Dafür muss man Zeit, aber auch ein wenig Geld mitbringen“, blickt sie zurück. Futterkosten und auch die Investition in ein Igelhaus und ein Gehege fielen an. Dank des Kontakts zu den Expertinnen der Igelhilfe vermied sie Fehler, die oftmals im Umgang mit hilfsbedürftigen Igeln gemacht werden. „Auf gar keinen Fall Milch füttern!“ steht dabei an erster Stelle. Und auch von Igelfutter rät Christin Weller, die sich mittlerweile viel Wissen angeeignet hat, ab: „Igel sind keine Vegetarier.“

Hochwertiges Katzenfutter ohne Getreide oder Saucen sind die erste Wahl – auch für Lotte. Die entwickelte sich über den Herbst hinweg prächtig, wuselte emsig in ihrem Gehege herum und nahm das Igelhaus in Besitz, das sie auch für den anstehenden Winterschlaf als Domizil akzeptierte. „Ich habe nach Haferstroh gesucht, doch das ist schwer zu bekommen“, berichtet die Metelenerin, die zwischenzeitlich einen zweiten Igel fand, der deutlich unterernährt war: Justus. Auch der Jung­igel hatte den typischen Hungerknick im Nacken. Er hätte es mit seinen 158 Gramm nicht mal bis zum Winter geschafft. Christin Weller nahm ihn ebenfalls in ihre Obhut. Und auch Justus legte kräftig zu, futterte sich die notwendige Fettschicht an. 700 Gramm ist der Richtwert, damit es in den Winterschlaf gehen kann. Das zweite, separate Igelhaus steht bereits im Garten.

Lotte und Justus werden die kalte Jahreszeit verschlafen. Im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, kommt dann der Tag des Abschieds. „Dann werde ich das Gehege entfernen und die Igel werden sich wieder dorthin aufmachen, wo sie herkamen“, weiß „Igelmutter“ Christin Wellers um die Ortstreue der stacheligen Gesellen. Traurig wird sie nicht sein, sondern froh, dass sie mitgeholfen hat, damit es die beiden Igel selber schaffen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7737760?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F
Nachrichten-Ticker