Die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021
Sämtliche Register zum Lobe Gottes

Metelen -

Die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021. In der Metelener Pfarrkirche findet sich ein besonders eindrucksvolles Exemplar. Es stammt aus dem Jahr 1992, hat rund 3500 Pfeifen und laut Organist Sergey Myasoedov vor allem eine Funktion: Musik machen zum Lobe Gottes.

Freitag, 29.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 29.01.2021, 16:15 Uhr
Den Spieltisch überragen die großen Pfeifen der Kirchenorgel. Sie bilden nur einen kleinen Ausschnitt der insgesamt 3500 Pfeifen des Instruments.
Den Spieltisch überragen die großen Pfeifen der Kirchenorgel. Sie bilden nur einen kleinen Ausschnitt der insgesamt 3500 Pfeifen des Instruments. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Das Uhrwerk der Metelener Stiftskirche lässt die Glocke zur „vollen Stunde“ schlagen – und genau in diesem Moment öffnet sich die Kirchentür im Turm und Organist und Chorleiter Sergey Myasoedov betritt den Kirchenraum. „Pünktlichkeit und Exaktheit sollten für einen Musiker selbstverständlich sein – vor allem auch, wenn er als Organist arbeitet“, schmunzelt er. Wir sind mit ihm in dem leeren Gotteshaus verabredet, weil es um das Instrument des Jahres 2021 geht. Das Votum der verschiedenen Landesmusikräte in Deutschland ist diesmal auf die Orgel gefallen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wird das ausladende Pfeifeninstrument, das vor allem in Kirchen und Konzertsälen zu finden ist, als „Königin der Instrumente“ bezeichnet.

„Es ist schon erstaunlich, welch ein bemerkenswertes Instrument die katholische Pfarrkirche hier beherbergt“, hört man die Freude des versierten Organisten heraus, als er sich dem Instrument zuwendet und den Schlüssel am Spieltisch umdreht.

Es handelt sich um ein imposantes Produkt der renommierten Firma Siegfried Sauer aus Höxter, das 1992 auf der Metelener Orgelbühne in zwei Einheiten auf- und eingebaut wurde. Die Firma Sauer kann sich auf eine lange Liste hervorragender Orgelbauer berufen, die beispielsweise auch das Instrument im Dom zu Paderborn – neben über 300 Orgelneubauten unter der Leitung von Siegfried Sauer – konstruiert und errichtet haben.

„Da waren hier in Metelen spendable Sponsoren und viele eifrige Gemeindemitglieder am Werk, wenn ich hier für den eher überschaubaren Kirchenraum einen Spieltisch mit drei nahezu kompletten Manualen und einem umfangreichen Pedalwerk über mehrere Oktaven zu Verfügung habe“, gibt sich Sergey Myasoedov mehr als zufrieden.

Dieses Instrument sei mehr als ein normaler Arbeitsplatz. Vom Spieltisch aus lassen sich allein 36 sogenannte „klingende Register“ aufrufen und teilweise miteinander kombinieren sowie – nicht zu vergessen – gleich zwei sogenannte Effektregister mit „Zimbelstern“ und „Glockenspiel“. Auch die Ausstattung und Ausgestaltung ist umfangreich. Mit Ausnahme des Solowerkes arbeiten die Trakturen und Koppeln mechanisch, aber es gibt auch pneumatische und elektrische Technik in diesem beeindruckenden Instrument, das in den zwei Abteilungen gut 3500 Pfeifen – sowohl aus Metall, als auch aus Holz – zum Zusammenspiel versammelt. Diese reichen von ganz beeindruckenden Längen bis hin zu fein ziselierten kleinsten Röhrchen.

Das, was man von außen sieht, ist nur ein Bruchteil. In der Baueinheit am Spieltisch sind die Pfeifen für die Manuale eins und zwei eingebaut, die Pfeifen für das dritte und das Pedalwerk finden gegenüber auf der Orgelbühne Platz. Manuale und Pedalwerk lassen sich teilweise koppeln.

Der nicht alltägliche Blick in das jeweilige Innenleben der beiden Blöcke überrascht und verwirrt zugleich. Da ist alles zwar übersichtlich, zugleich aber auch in einer komplexen Einheit vertreten – von dem mit Steinen beschwerten Blasebalg-Tunnel bis hin zu den Zügen. Es gibt Seilkonstruktionen, Umlenkrollen, Laden und komplizierte Gestänge sowie Holz- und Metallmechaniken, die die Impulse vom Spieltisch weitergeben und die Luft in der gewünschten Pfeife zum Klingen bringen.

Im Grunde genommen ist diese Orgel ein sogenanntes Schleifladen-Instrument. Diese bewährte Technik verteilt und steuert die notwendige Luft, aber diese Mechanik wird noch durch pneumatische und elektrische Elemente, Magnete und weitere Technik optimiert. Ganz sorgenfrei lässt sich so ein kompliziertes Gebilde nicht betreiben.

In den vergangenen Jahren stellten Temperaturschwankungen und Staub sowie Pilz- und Schimmelbefall die Verantwortlichen vor knifflige Probleme. „Mit einem komplizierten Lüftungskonzept und engmaschiger Wartung und Pflege von Pfeifen und Mechanik hoffen wir, alles im Griff zu haben. Um es nicht zu vergessen: Im Mittelpunkt – auch bei der tollsten Orgel – steht immer die Musik, egal aus welcher Epoche, zum Lobe Gottes“, bringt es Sergey Myasoedov am Schluss auf den Punkt.

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