Junger Metelener kauft italienischen Traktor
Mit dem Lambo auf den Acker

Metelen -

Ein Lamborghini, den man sogar mit einem Motorroller überholen kann: Sebastian Segelers Bolide hat satte 85 PS unter der Haube und bringt mit seiner Vier-Liter-Maschine die knapp vier Tonnen auf eine Endgeschwindigkeit von 38,5 Kilometern in der Stunde.

Freitag, 19.02.2021, 16:30 Uhr aktualisiert: 21.02.2021, 14:29 Uhr
Sebastian (l.) und Bernhard Segeler vor dem einzigen Lamborghini, der aktuell auf Metelens Straßen unterwegs ist.
Sebastian (l.) und Bernhard Segeler vor dem einzigen Lamborghini, der aktuell auf Metelens Straßen unterwegs ist. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Just in dieser Woche feierte Sebastian Segeler seinen 20. Geburtstag und ist bereits stolzer Besitzer eines Lamborghini – des einzigen in Metelen übrigens. Satte 85 PS hat der Bolide unter der Haube, ist im typischen Cremeton der Marke lackiert, mit gerade mal 9,20 Meter Wendekreis überraschend agil und bringt mit seiner Vier-Liter-Maschine die knapp vier Tonnen auf eine Endgeschwindigkeit von 38,5 Kilometern in der Stunde.

Wie bitte? Ein Lambo, den man sogar mit einem Motorroller überholen kann? Exakt, denn statt eines feurigen Zwölfzylinders aus der italienischen Edelschmiede bullert ein Diesel unter der Haube, die sich beim Fototermin mannshoch über dem Asphalt des Wirtschaftsweges erhebt. Und darüber thront noch eine Ladeschaufel.

Ein wenig kann sich Sebastian Segeler das Grinsen nicht verkneifen, denn er weiß um den Ruf der Marke „Lamborghini“. Der gründet sich – und das ist schon Schuljungen dank fast immer stechender Trumpfkarten diverser Autoquartette bekannt – auf brachiale Motorleistungen, fluderflache Karossen, Flügeltüren und Preisaufrufe, die in der Regel jenseits von Gut und Böse sind. Automobile Spielzeuge der oberen Zehntausend eben.

Doch was dem Millionär sein Lambo, ist dem Landwirt sein Lamborghini. Beide, sowohl die Sportwagen als auch die Trecker, haben die gleichen Wurzeln. Ferruccio Lamborghini gründete 1948 das Unternehmen, in einer Zeit, als noch keiner an Sportwagen dachte. Gebraucht wurden robuste Fahrzeuge für den Acker, und die lieferte das Unternehmen, das sich den Stier als Markensymbol aussuchte. Es ist der gleiche Stier übrigens, der später auch die Kühler der flotten Flitzer zierten sollte – das Pendant zum aufbäumenden Pferd auf den Ferrari-Rennwagen.

Ebenso wenig wie Supersportwagen italienischer Provenienz sieht man in Metelen Lamborghini-Traktoren. Sebastian Segeler besitzt den einzigen im Ort. „Früher hatten Enning und Hinkel­ammert welche“, weiß Segelers Vater Bernhard. Auch er ist treckerbegeistert, hat einen Eicher Baujahr 1957 und einen John Deere aus den 1960er Jahren unter der Remise stehen. Diese wird demnächst übrigens erweitert – für den Lamborghini des Filius.

Der hat auch schon Pläne für den wuchtigen Schlepper: „Wir werden damit sicherlich die Kartoffeln setzen“, blickt der der Freizeit-Landwirt, der den Italo-Traktor im Dezember kaufte, nach vorn.

Auch bei der Heuernte und für den Holztransport ist der Lamborghini schon eingeplant. Der 17 Jahre alte Traktor mit gerade mal 9240 Betriebsstunden auf dem Tacho hat noch viel vor sich, ist sich der 20-Jährige sicher.

Da sowohl Sebastian als auch Bernhard Segeler Freizeit-Imker sind, wird der Lamborghini außerdem beim Transport der Völker gebraucht. Die Deichsel des Bienenwanderwagens hinter dem Lambo – das sieht man auch nicht alle Tage.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7828721?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F
Nachrichten-Ticker