Schwierige Seniorenarbeit der Kirche – nicht nur während der Coronakrise
„Wie Mehltau auf den Gemütern“

Metelen -

Gedanken über die künftige Seniorenarbeit in der örtlichen katholischen Kirchengemeinde machten sich jetzt Pfarrer Thomas Stapper und der Pfarreirat. Ausgehend von der Erkenntnis, dass es an ehrenamtlichen Engagement für neue Treffen von Senioren mangelt, sollen jetzt in einer konzertierten Aktion katholische Gruppen und Verbände angesprochen werden, so eine erste Überlegung.

Donnerstag, 04.03.2021, 06:00 Uhr
Elke Meiring, die Vorsitzende des Pfarreirates der katholischen Kirchengemeinde, und
Elke Meiring, die Vorsitzende des Pfarreirates der katholischen Kirchengemeinde, und Foto: Irmgard Tappe

Pastor Thomas Stapper hat während der Pandemie die Senioren in seiner Gemeinde oft besucht. Sei es zu Geburtstagen oder um ihnen die Krankenkommunion zu reichen. Aber auch Trauergespräche waren darunter. „Die Leute, die ich bisher besucht habe, waren für jedes Gespräch sehr dankbar“, hat der Geistliche festgestellt.

Mit Krisen umgehen und Verzicht üben, das hätten die betagten Menschen im Laufe ihres langen Lebens zwar gelernt. Dennoch würden sie zunehmend unter den Kontaktbeschränkungen des Lockdowns leiden. Besonders in den Wintermonaten habe sich eine gewisse Traurigkeit ausgebreitet. Ihnen fehlen die sozialen Kontakte. Hinzu komme die quälende Ungewissheit um das Ende des Lockdowns. „Diese Perspektivlosigkeit hängt wie Mehltau über den Gemütern“, beschreibt der Pfarrer von Ss. Cornelius und Cyprianus seine Eindrücke. Ihn bedrängt die Frage: „Was können wir als Kirchengemeinde tun, um diese Menschen zu ermutigen?“

Angesichts des demografischen Wandels gewinne das Engagement zum Wohle der älteren Generation zunehmend an Bedeutung, betont der Pastor. Die Seniorenarbeit in seiner Pfarrei liegt ihm sehr am Herzen. Zumal der Anteil jener Männer und Frauen zunimmt, die älter als 75 Jahre sind (s. „demografischer Wandel“). „Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen“, mahnt er.

Thomas Stapper zitiert aus dem Buch „Wage zu träumen“, das Papst Franziskus angesichts der Coronakrise geschrieben hat. „Wir brauchen eine Bewegung von Menschen, die wissen, dass wir einander brauchen und die ein Verantwortungsgefühl füreinander haben“, heißt es darin. Der Papst fordere auf, zu verkünden, dass Freundlichkeit, Glaube und die Arbeit für das Gemeinwohl Lebensziele sind, die Mut und Kraft erfordern. Unbedarfte Oberflächlichkeit und die Verhöhnung der Ethik, so Franziskus in seinem Buch, hätten indes nie etwas Gutes gebracht.

Diese Gedanken, so Stapper, gelten auch für die Seniorenarbeit. Den älteren Menschen beistehen und ihnen Abwechslung im Alltag bieten, zählt seiner Meinung nach zu den wesentlichen Aufgaben der Kirchengemeinde. Und daran möchte er gemeinsam mit dem Pfarreirat arbeiten.

Dessen Vorsitzende Elke Meiring spricht verschiedene Seniorentreffen an, die sich bereits vor der Pandemie aufgelöst hatten. Unter anderem die Gruppen „Wir um 60“ sowie der Spielenachmittag und die Zusammenkünfte der Alleinstehenden. Die Organisatoren dieser Treffen seien aus Altersgründen ausgeschieden, und Nachfolger hätten sich nicht gefunden, bedauern Stapper und Meiring.

Ehrenamtliche Arbeit ist also gefragt. Und das nicht nur bei Seniorenveranstaltungen. Stapper weist auf Gemeinden hin, in denen ehrenamtliche Helfer die alten und kranken Menschen in den Seniorenheimen, Krankenhäusern und daheim regelmäßig besuchen. „Es ist allerdings schwierig, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. Der Zeitmangel spielt da wohl eine Rolle“, vermutet Elke Meiring.

Der Pfarrer schlägt vor, verschiedene Verbände und Gruppen ins Boot zu holen und ein gemeinsames Konzept auszuarbeiten, um die Seniorentreffen in der Gemeinde wieder zum Leben zu erwecken.

„Mir schwebt eine konzertierte Aktion von kfd, Kolping, KAB und Kirchenchor vor“, überlegt Stapper. Bei einer nächsten Zusammenkunft des Pfarreirates möchte er mit den Gremiumsmitgliedern darüber diskutieren.

Klar, in Zeiten des Lockdowns sind Seniorentreffen nicht möglich. Aber es wird gewiss eine Zeit danach geben. Und die sollte nach Meinung des Geistlichen schon jetzt vorbereitet werden. Thomas Stapper jedenfalls blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. „Wir werden mit Zuversicht aus der Krise kommen“, betont er.

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