Schießfreunde Metelen geben auf
Hallensanierung war der Anfang vom Ende

Metelen -

Die Schießfreunde Metelen sind Geschichte. Der einst florierende Verein, der einmal mehr als 100 Mitglieder zählte, hat sich aufgelöst. Zum Schluss waren nur noch sechs Schießsportler in der kleinen Halle an der Ochtruper Straße aktiv. Deren Sanierung im Jahr 2013 läutete den Niedergang des Vereins ein.

Donnerstag, 25.03.2021, 06:00 Uhr
Der ehemalige Vorsitzende der Schießfreunde, Wilhelm Roters (l.), und Geschäftsführer Hermann Röttger blicken in die Geschichte des Vereins zurück, der sich jetzt auflöste. Röttger trainierte auch die Jugend des Vereins.
Der ehemalige Vorsitzende der Schießfreunde, Wilhelm Roters (l.), und Geschäftsführer Hermann Röttger blicken in die Geschichte des Vereins zurück, der sich jetzt auflöste. Röttger trainierte auch die Jugend des Vereins. Foto: Dieter Huge sive Huwe

„Es ist schade“, sagt Hermann Röttger und Wilhelm Roters nickt beifällig. Die beiden Männer sitzen über dicken Mappen mit Zeitungsausschnitten. Auf dem Tisch liegen auch Fotoalben aus der Glanzzeit des Vereins, den es jetzt nicht mehr gibt. Die Schießfreunde Metelen haben sich aufgelöst. Mitgliederschwund und in Folge dessen eine drohende Schieflage der Finanzen hätten sie zu dem Schritt gezwungen, sagen die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder der Schießfreunde im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bei der Frage nach den Ursachen blicken beide unisono ins Jahr 2013 zurück. „Bis dahin waren wir ein florierender Verein mit über 100 Mitgliedern“, beschreibt Röttger den Beginn der Misere. Die sogenannte Kleine Halle an der Ochtruper Straße war seit Jahrzehnten das Domizil der Schießfreunde gewesen. Hier trainierten sie, vermittelten der Jugendgruppe die ersten Schritte in den Schießsport, und hier wurden auch Wettkämpfe ausgetragen.

Die Metelener Schießfreunde hatten einen Namen in der Szene, waren sogar in die Westfalenliga aufgestiegen. Das Problem: Diese Klasse schrieb zehn Schießstände pro Austragungsort vor. Metelen konnte aber nur acht bieten. Auch bei der Sanierung der Halle habe sich daran nichts geändert, bedauern die beiden Schießsportler heute noch. Wilhelm Roters: „Das war das Todesurteil für unseren Verein.“ Folge: Sie mussten kampflos in die Bezirksliga absteigen. Hier reichten acht Bahnen, doch mangelte es fortan an ernstzunehmender Konkurrenz.

„Wir haben mehrfach den Titel geholt, durften aber wegen der Anforderungen nicht aufsteigen, um höherklassig zu spielen“, beschreibt Wilhelm Roters, der 25 Jahre lang Vorsitzender des Vereins war, das Manko der zu kleinen Halle. Dies nahm vielen aktiven Schützen die Motivation. Etliche wechselten, etwa zu den ambitionierten Nachbarvereinen in Epe oder Neuenkirchen, andere hörten ganz mit dem Sport auf.

Der schleichende Mitgliederschwund hatte finanzielle Folgen: Wegbrechende Einnahmen machten die Finanzierung der Pflichtbeiträge bei den Dachorganisationen, der Versicherung und auch der Hallennutzung an die Gemeinde immer schwieriger.

Die Jugendabteilung hatte überdies mit Vorurteilen gegenüber dem Schießsport nach den Amokläufen von Emsdetten und Winnenden, die von bewaffneten junge Tätern begangen wurden, zu kämpfen. „Da wurde nicht differenziert“, bedauert Hermann Röttger, der selber Schießtrainer ist und bis zuletzt auch die Jugendlichen im Verein betreute. Folge: Junge Aktive, die durchaus auch sehr erfolgreich bis hin zu Deutschen Meisterschaften geschossen hätten, kehrten dem Schießsport den Rücken.

Am Ende waren es nur noch vier Erwachsene und zwei Jugendliche, die bei den Schießfreunden aktiv waren – deutlich zu wenig, um auch die finanziellen Lasten zu tragen. Am Aus für den Verein konnten auch Sponsoring-Maßnahmen, wie etwa eine Spende der Kreissparkasse, nichts mehr ändern. In der Vorwoche holten Röttger und Roters die Ausrüstung aus den Schränken in der Kleinen Halle, in denen der Verein die mobilen Schießstände und auch Sportwaffen lagerte. „Wir haben hier immer nur Luftgewehr und Luftpistole geschossen“, erläutert Wilhelm Roters.

Er selber wird künftig wohl in Neuenkirchen schießen. Hermann Röttger will sich wieder verstärkt der Trainerarbeit widmen. „Als Rentner hat man ja Zeit dafür“, erklärt der 67-Jährige. Am Leistungsstützpunkt des Westfälischen Schützenbundes in Dortmund schult er künftig den Nachwuchs.

Die Hoffnung, dass es doch einmal wieder Schießsport im Ort geben wird, sollte allerdings nicht aufgegeben werden: Schließlich waren die Schießfreunde im Jahr 1991 ebenfalls neu gegründet worden, nachdem sich der Vorgängerverein im Ort 1972 nach nur neun aktiven Jahren aufgelöst hatte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7883902?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F
Nachrichten-Ticker