Tobias Groten will mit dem Aufhaus die Innenstadt beleben
Rund um die Uhr shoppen

Ahaus -

Tobias Groten hat ein Ziel vor Augen: die Belebung der Innenstadt. Um das zu erreichen, will der Chef der Tobit Laboratories AG nicht weniger als die bisherige Einkaufskultur umkrempeln. Er möchte einen Einkaufsort, das Aufhaus, schaffen, der rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr geöffnet ist – und ohne Personal auskommt. Los geht es am 13. Mai im ehemaligen Haverkamp-Gebäude an der Königstraße.

Donnerstag, 22.04.2021, 18:34 Uhr aktualisiert: 22.04.2021, 21:52 Uhr
Tobias Groten stellte am Mittwochabend in einer Videopräsentation die Pläne für das Aufhaus in der Innenstadt vor. Groten will damit wieder mehr Menschen in die City bringen.
Tobias Groten stellte am Mittwochabend in einer Videopräsentation die Pläne für das Aufhaus in der Innenstadt vor. Groten will damit wieder mehr Menschen in die City bringen. Foto: Tobit

„Man muss da sein, wenn die Gäste da sein wollen“, sagte Tobias Groten am Mittwochabend während einer Videopräsentation vor über 900 Zuhörern. Die bisherigen Öffnungszeiten des Einzelhandels erinnerten ihn mehr an Versicherungsbüros. Die Öffnungszeiten gebe es nur, „weil man sich daran gewöhnt hat“. In Spanien würden die Läden über Mittag geschlossen und abends wieder geöffnet, „wenn die Menschen da sind“. Wer in Ahaus hingegen um 18.35 Uhr komme, stünde vor verschlossenen Türen.

Tobias Groten unterscheidet zwischen Einkaufen und Shoppen. Die Leute kauften ein, wenn sie etwas bräuchten, beim Shoppen gingen die Menschen hingegen los „und kaufen sich etwas, was man nicht braucht“. Das Aufhaus soll zum Flanieren einladen. Die Menschen sollten dort hingehen, um sich umzuschauen. Zuerst gemütlich bummeln gehen und anschließend gemeinsam etwas essen oder trinken. So stellt sich Tobias Groten die Zukunft von Innenstädten vor. „Essen und Trinken hält Leib und Innenstadt zusammen“, meinte der Ahauser.

Smartphone ist wichtigster Begleiter

Wichtigster Begleiter beim Aufhaus ist für die Gäste das Smartphone. Damit checken die Besucher in das Gebäude ein. Das Smartphone dient dann als Lupe, mit der über Labels (ähnlich QR-Codes) nähere Informationen zu den Produkten abgerufen werden können. Anschließend wird digital bezahlt.

„Mal gucken, wann die Leute shoppen gehen“, ist Groten selbst gespannt, wie das Konzept angenommen wird.

Sein Unternehmen werde nur den Rahmen bieten, verkaufen sollen andere. So können lokale Einzelhändler genauso mitmachen wie andere Geschäftsleute oder auch Hersteller von Waren aus der Region. Selbst Bürger sollen dort, ähnlich wie bei der Internetplattform Ebay, Gegenstände anbieten können. Die Stadt Ahaus könne zum Beispiel gefundene und nicht abgeholte Fahrräder dort anbieten, so Groten. „Wie das funktioniert? Wir werden es sehen?“

Groten ist überzeugt, dass das Konzept aufgehen wird, „weil viele Zielgruppen angesprochen“ werden. Etliche Händler haben bereits ihr Interesse bekundet. Noch gebe es viele Fragen, die sich erst im Geschäftsbetrieb klären würden. „Was ist, wenn einer klaut oder etwas zerstört? Wir wissen es nicht“, sagte Groten. Wie bei anderen Projekten werde das Aufhaus während des Betriebs weiterentwickelt.

Der Ahauser ist davon überzeugt, dass die Gesellschaft langsam erkenne, dass jeder ein Smartphone habe. Die Smartphone-Kamera sei „ein neues Auge, das wir haben“.

„Man muss sich um die Masse kümmern“

Die Digitalisierung, so Tobias Groten, funktioniere nicht, wenn „wir auf den Letzten warten“. Man müsse sich um die Masse, die 90 bis 95 Prozent, kümmern. Die anderen müssten sich Hilfe suchen. Das klappe bei der Vergabe von Terminen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sehr gut, so Grotens Erfahrung.

In drei, vier Wochen gehe es nicht mehr darum, ob genügend Impfstoff vorhanden ist, sondern „wie kriegen wir die Menschen zum Impfstoff“. Es sei dann eine Frage der Logistik. Wenn Verwaltungen sich dabei einmischen, „haben wir verloren“, so Tobias Groten.

Durch die Digitalisierung müsse versucht werden, die Administration wegzubekommen. „Das sollen die Leute selber machen.“ Die mittlerweile 100 Teststellen mit der Tobit-Software funktionierten deshalb so gut, weil keine Verwaltung eingebunden sei. „Nur dann geht es wirklich schnell.“ Mit dem digitalen Aufhaus will Tobias Groten die weiteren Möglichkeiten der Digitalisierung zeigen. „Wir wollen die reale und virtuelle Welt verbinden.“

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