Nachts am Hansaring
Zum Schnaps gibt es einen Lolly

Münster -

Der Kiosk am Hansaring ist einer der Szene-Hotspots im münsterischen Hafenviertel. Manchmal wird er zum Mini-Club. Und wer nett ist, bekommt zum Schnaps einen Lolly geschenkt.

Donnerstag, 20.11.2014, 06:00 Uhr
Im Hansaviertel gibt es etliche Kneipen und Kioske. Einer der Hauptanlaufpunkte für alle, die sich bis zum frühen Morgen etwas zu trinken oder zu knabbern besorgen wollen, ist der Kiosk an der Ecke Dortmunder Straße.
Im Hansaviertel gibt es etliche Kneipen und Kioske. Einer der Hauptanlaufpunkte für alle, die sich bis zum frühen Morgen etwas zu trinken oder zu knabbern besorgen wollen, ist der Kiosk an der Ecke Dortmunder Straße. Foto: rmi

Es ist kurz vor Mitternacht, ein ganz normaler Freitagabend in Münster: Aus allen Richtungen laufen und fahren junge Leute mit Getränken aller Art in den Händen und Feierlaune in den Beinen an den Hafen, zum Hawerkamp oder in eine der vielen Bars und Kneipen im Hafenviertel. Es ist Flaschengeisterstunde am Hansaring.

Zwischen Getränkekisten und Rauchwaren steht, wie eigentlich jeden Freitagabend, Stefan Zanfir und versorgt die Studenten und Junggebliebenen auf ihrem Weg zum Feierabend mit Zigaretten, Bier und Süßkram. Der 33-Jährige arbeitet seit fünf Jahren im Hafen-Kiosk an der Ecke zwischen Hansaring und Dortmunder Straße. Genauso lange ist der Kiosk schon das, was er heute ist: eher Treffpunkt als ein reiner Versorger. „Der Hafen-Kiosk ist wie das Mekka des Hansaviertels“, erklärt Stammkundin Jana Kolle.

Eine 26-jährige Jura-Studentin ist gerade vom Kreuz- hierher ins Hafenviertel gezogen: „Die Lage des Kiosks ist perfekt für einen kleinen Zwischenstopp.“ Mit ihrer Freundin, einem Getränk und „sauren Knübbelkes“ geht es weiter. Etwas länger bleiben zwei Architektur-Studentinnen, die stolz präsentieren, was sie gerade zu ihrem gekauften Schnaps geschenkt bekommen haben: zwei Lollys. „Wie früher beim Krämerladen“, sagen sie grinsend.

Stefan Zanfir hat heute drei Funktionen inne: Er ist Verkäufer, Moderator und Unterhaltungschef. Mit Handschlag begrüßt er die meisten seiner Kunden: „Viele kenne ich schon seit Jahren und wir hatten schon so einige lustige Abende.“ Stefan kann unzählige Geschichten aus seiner Zeit im Kiosk erzählen. Es kommt einem so vor, als würde er versuchen, aus jedem Abend einen legendären machen zu wollen. Mit elektronischer Musik bringt er die Leute in Stimmung, mit Bildern von Kim Kardashians Hinterteil bestimmt er das Thema des Abends.

Ein Kunde, der sich gerade mit Bier für eine WG-Party versorgt hat, zeigt ein verwackeltes Handyvideo von einer Jam-Session im Kiosk: „Die Hütte war voll“ – und mittendrin zwei Studis mit Gitarre und Cajon. Auch Stefan Zanfir erinnert sich an wilde Tanzabende, an denen der Kiosk seinem Namen so gar keine Ehre machte: „Der Verkaufsraum wurde schon so manches Mal zum Dancefloor.“ Andere würden so etwas „kleinen Club“ nennen.

Eine Handvoll Kunden wird an diesem Abend zu Gästen. Sie bleiben über Stunden am Tresen stehen und machen den Hafen-Kiosk zu ihrer Party-Location. Kai Varel und seine Freundin sind aus Hamburg zu Besuch in Münster – und im Kiosk. Gefragt nach seiner Meinung zum Kiosk, gibt Kai zu Protokoll: „Das Hammerzitat bekommst du erst nach dem letzten Bier!“ Na, das kann ja noch dauern. Schnell noch eine Tüte Süßkram und ab ins Bett.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2888331?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker