So., 07.12.2014

Autotransporter rangierte auf Bahngleisen Bergungsarbeiten nach schwerem Zugunglück haben begonnen

Nach dem schweren Unfall an einem Bahnübergang in Münster-Roxel haben am Sonntag die Bergungsarbeiten begonnen.

Nach dem schweren Unfall an einem Bahnübergang in Münster-Roxel haben am Sonntag die Bergungsarbeiten begonnen. Foto: Helmut Etzkorn

Münster-Roxel - 

Am Sonntagmorgen haben die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle am Bahnübergang Bösenseller Straße in Münster-Roxel begonnen. Mit drei Autokränen wurde die aus den Gleisen gesprungene Regionalbahn vorsichtig angehoben, um das darunter völlig verkeilte Fahrgestell des Autotransporters bergen zu können.

Von Helmut Etzkorn

Zuvor mussten mehrere Bäume gefällt werden, um überhaupt die Kräne in Stellung bringen zu können. Im Laufe des Sonntags werden dann so genannte Hilffahrgestelle auf das Gleis unten den Zug gestellt. Vorher müssen die deformierten Radachsen abgeschweißt werden.

Dann soll der Zug auf den Notfahrwerken langsam in Richtung Bahnwerkstatt nach Münster gezogen werden. Danach werden der vordere Teil des Autotransporters aus dem Teich und die letzten zwei Fahrzeuge der Beladung geborgen.

Anschließend muss der durch den ausgelaufenen Dieseltreibstoff der Lok verunreinigte Boden ausgekoffert werden, ehe der Neuaufbau des Gleiskörpers beginnen kann. Die Feuerwehr ist den ganzen Tag vor Ort.

Auch die Schrankenanlage inklusive Schalthaus ist völlig zerstört, in den nächsten Wochen werden Streckenposten der Bahn den Übergang manuell sichern. Die Bahn will mit allen Arbeiten im Gleis bis Dienstag früh fertig sein und dann wieder die eingleisige Bahnstrecke zwischen Münster und Coesfeld freigeben. Der Gesamtschaden wird auf mindestens eine halbe Million Euro geschätzt.

Am frühen Freitagabend war es zwischen dem Zug der Regionalbahn 63 und einem Autotransporter auf dem beschrankten Bahnübergang an der Ecke Bösenseller Straße/ Wenningweg bei Roxel zu einem schweren Unfall gekommen. Die mit rund 100 Fahrgästen besetzte Regionalbahn 63 erfasste den mit fünf Fahrzeugen beladenen Autotransporter auf dem Weg von Münster nach Coesfeld und durchtrennte ihn in der Mitte. Der Lokführer verletzte sich schwer. Zwei Zugreisende kamen ebenfalls ins Krankenhaus. Der Lkw-Fahrer erlitt leichte Verletzungen.

Erste Ermittlungen zur Unfallursache ergaben, dass der Fahrer des Autotransporters auf dem Bahnübergang rangierte. Er bemerkte zu spät die herunterfahrenden Schranken, so die Polizei.

Zum Thema

Die Bahn hat einen Busnotverkehr zwischen Billerbeck - Münster Hbf eingerichtet. Fährt Ihr Zug? Informationen dazu gibt es hier und für mobile Nutzer hier.

Links und rechts vom Zug, der im vorderen Teil aus den Gleisen sprang und gegen einen Baum prallte, lagen völlig demolierte Fahrzeuge. Die Kanzel des Triebwagens wurde zerstört, der Lokführer konnte von der Feuerwehr schwer verletzt befreit werden. Der 42-jährige Fahrer des Transporters erlitt leichte Verletzungen, 14 Reisende wurden verletzt, zwei davon kamen ins Krankenhaus. Die anderen erlitten einen Schock und leichte Verletzungen. Die unverletzten Fahrgäste wurden vom Rettungsdienst gesichtet und anschließend mit einem Bus zum nächsten Bahnhof nach Havixbeck transportiert.

Fotostrecke: Zug entgleist nach Zusammenstoß - Der Morgen danach

Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera kreiste über der Unfallstelle auf der Suche nach Menschen, die möglicherweise in Panik oder verletzt in der stockdunklen Waldgegend um den Hof Bertels-Böhner umherirrten. Gefunden wurde niemand.

Auch die Schrankenanlage und betonierte Schaltkästen der Bahn wurden zerstört. Die Bahnstrecke wird nach Angaben der Feuerwehr noch für mehrere Tage gesperrt bleiben, da unter anderem auch Gleise verschoben wurden. Die Bergung von Zug und Fahrzeugen dauert an. Wie die Feuerwehr auf Anfrage mitteilt, müssen für die Bergung auch Bäume gefällt werden.

Vier von sieben Autos wurden bereits am Freitagabend geborgen. Gegen 23:30 Uhr wurden die Bergungsarbeiten für den Abend eingestellt. Da der Transporter mit einem Teil in einem Teich liegt und mit dem anderen unter dem Zug eingeklemmt ist, sei für die weitere Bergung schweres Gerät erforderlich, da der Zug ansonsten umkippen könnte, erklärt Andreas Falkenreck von der Feuerwehr. Der Zug ist bei der Kollision entgleist - mindestens eine Achse wurde abgerissen.

 

Fotostrecke: Zug entgleist nach Zusammenstoß mit Lkw

 

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Die Feuerwehr Münster wies darauf hin, dass sich Unfallopfer nicht vom Unfallort entfernen sollten - auch wenn sie davon ausgehen, nicht verletzt zu sein. Auch bei dem Zusammenstoß mit dem Transporter haben sich Personen, die zuvor im Zug gesessen haben, vom Unfallort entfernt, ohne sich registrieren zu lassen. Das sei gefährlich, wie Andreas Falkenreck von der Feuerwehr informiert, weil die erhöhte Adrenalinausschüttung dafür sorgen kann, dass der Körper den Schmerz erst später realisiert. Zudem sei es im Nachhinein schwierig bis unmöglich, eventuelle Regressforderungen (Schadensersatz, Entschädigungen) zu stellen.

Die Polizei sperrte am Freitag rund um den Unfallort alle Straßen. In der Nacht zum Samstag übernahm der Löschzug Roxel der Freiwilligen Feuerwehr Münster den Brandschutz an der Einsatzstelle. Die Feuerwehr Münster war mit 63 Einsatzkräften und 20 Fahrzeugen vor Ort. Auch überörtliche Rettungshelfer waren im Einsatz.



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